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Wetterballon explodierte über Göttingen

In 38 Kilometern Höhe Wetterballon explodierte über Göttingen

Spektakuläre Aufnahmen von Göttingen, dem Harz und schließlich aus der Stratosphäre haben Göttinger Schüler von einem Wetterballon aus gemacht. Der Ballon stieg vom Schulhof des Felix-Klein-Gymnasiums (FKG) aus bis in 38 Kilometern Höhe auf und platzte dort.

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Blick aus dem Wetterballon auf Göttingen

Quelle: r

Göttingen. „Mit steigendem Abstand von der Erde sinkt der Druck“, erläutert FKG-Schüler Jonathan Bollig. Dadurch blähte sich der mit Helium gefüllte Ballon, der auf der Erde einen Durchmesser von zwei Metern gehabt hatte, um mehr als das Zehnfache auf und explodierte, so Bollig. Der Elftklässler koordiniert das fünfköpfige Team. Die Gruppe nimmt am Sattec-Wettbewerb teil, den die Physikdidaktik der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität ausrichtet.

Das Platzen ist auf dem Video nicht zu sehen, wohl aber die in alle Richtungen davonfliegenden Ballonteile. Die Aufnahmen zeigen, dass die Kunststoff-Box mit den mehrere tausend Euro teuren Messinstrumenten danach wie ein Stein vom Himmel fiel. Dabei drehte sie sich wild. Dann öffnete sich der Fallschirm, und der halbstündige Sinkflug begann.

Mit einem Computerprogramm hatten die Schüler auf Basis aktueller Wetterdaten den ungefähren Landepunkt berechnet. Mehrere Stunden warteten sie 50 Kilometer östlich von Götingen auf einem Parkplatz ungeduldig auf ein Signal des GPS-Trackers. „Das zehrte ganz schön an den Nerven“, erinnert sich Bollig. Die Schüler waren sich nicht sicher, ob die Technik funktioniert. Als das Signal endlich eintraf, konnten sie die Box in wenigen Kilometern Entfernung auf einem Feld bei Großbodungen ausfindig machen. Der auffällige, rote Fallschirm half bei der Suche.

„Auf den Aufnahmen der Kamera ist die Erdkrümmung gut zu sehen“, berichtet Bollig. Jenseits der Atmosphäre, in der sich das Sonnenlicht blau bricht, ist der Himmel trotz Sonnenscheins tiefschwarz. Während des Aufstiegs filmte die Kamera ein vorbeifliegendes Flugzeug. „Wir benötigten für den Ballonflug eine offizielle Startgenehmigung“, betont Bollig.

„Gut funktionierten die Geräte, die Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Höhe gemessen haben“, sagt FKG-Schüler David Köhn. Bis zu minus 40 Grad Celsius registrierte das Thermometer. Tiefere Temperaturen lassen sich mit ihm nicht erfassen.

Das wichtigste Instrument, ein mehrere tausend Euro teures Spektrometer, setzte jedoch 40 Sekunden nach dem Start aus. Die Leihgabe der Firma Ocean Optics sollte sekündlich die Konzentration an ultraviolettem Licht der Unterbereiche A, B und C messen. Die krebserregende Strahlung, die zum Teil durch die Atmosphäre zurückgehalten wird, gelangt aufgrund des Klimawandels verstärkt auf die Erdoberfläche. Die Schüler wollten wissen, wie viel insbesondere von dem gefährlichen UV-C-Licht auf der Erde ankommt.

„Auf der Erde hat das Gerät einwandfrei funktioniert“, wundert sich Bollig. Sogar eine Probemessung in der Tiefkühltruhe gelang. Es könnte einen Wackelkontakt gegeben haben. „Wir werden die Speicherkarte einschicken, vielleicht lassen sich doch noch Daten retten“, hofft der Gymnasiast.

„Wir überlegen, ob wir nach den Sommerferien noch einen zweiten Versuch machen“, verrät Köhn. Dazu müssen die Schüler neue Sponsoren finden. 150 Euro kostet der Ballon, 150 Euro die Heliumfüllung, 75 Euro die Starterlaubnis. Das Vorsprechen bei Firmen haben die Gymnasiasten schon während der ersten Runde geübt. „Die Vorbereitung des zweiten Flugs würde deutlich weniger Zeit in Anspruch nehmen“, sagt Bollig. Sie würden die Abläufe nun kennen. Auch um das Helium wollen sich die Elftklässler das nächste Mal früher kümmern. Es fehlte am Abflugtag. Die Vorräte der Schule waren zur Überraschung des Teams aufgebraucht. Jemand hatte sie zum Aufblasen von Luftballons verwendet. Der Baumarkt hatte das Gas nicht auf Lager. Eine Bestellung hätte zu lange gedauert. Am Ende sprang das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt ein, das direkt gegenüber der Schule liegt. mic

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