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Reizgaseinsatz - aber von wem?

Nach Angriff auf NPD-Gruppe Reizgaseinsatz - aber von wem?

Am Tag nach dem gewalttätigen Angriff von bis zu 50 linksautonomen Vermummten auf eine Gruppe NPD-Wahlkämpfer laufen die Vernehmungen von Opfern und Zeugen. Die Polizei bestätigte am Montag, nach der Tat eine 23-jährige mutmaßlichen Angreiferinnen festgenommen und verhört zu haben.

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Nazis die Bühne genommen

NPD Demo und Gegenprotest vor dem Göttinger Bahnhof.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Fest steht, dass fünf Männer, darunter NPD-Landratskandidat Jens Wilke, Sprecher des "Freundeskreises Thüringen/Niedersachsen",  und eine Frau  am Sonntag gegen 18.20 Uhr in der Groner-Tor-Straße von bis zu 50 überwiegend schwarz gekleideten und vermummten Personen angegriffen wurden. Dabei sollen teils gefüllte Glasflaschen geworfen worden sein. Außerdem habe es einen Pfeffersprayeinsatz gegeben - laut Polizeibericht durch die Angreifer, laut Aussagen zweier neutraler Zeugen durch Wilke selbst.

Wie die NPD-Anhänger am Montag in sozialen Netzwerken schilderten, hätten sie Flugblätter zur Kommunalwahl verteilt und seien in der Bierkneipe Alt Göttingen ein Bier trinken gegangen, als bereits Polizei kam und ihnen "Stadtverbot erteilt" habe. In sozialen Netzwerken hatte sich die Anwesenheit der NPD-ler offenbar bereits verbreitet und Linke riefen zu Reaktionen auf.  Die Gruppe hat dann die Kneipe verlassen und wurde nach eigener Aussage von der Polizei begleitet. In Höhe Leinekanal sei es unmittelbar danach zu dem Angriff gekommen, bei dem Flaschen geworfen, Pfefferspray gesprüht und Tritte und Schläge gegen den Oberkörper der Angegriffenen erfolgt seien. Die Angreifer, so die Polizei, seien über den Parkplatz Neustadt gekommen und an zwei alarmierten Streifenwagen vorbei sofort zum Angriff übergegangen. Nur sofortiges Eingreifen habe eine weitere Eskalation verhindert. Eine 23-Jährige konnte festgenommen und erkennungsdienstlich behandelt werden.

In soweit deckt sich die Schilderung der Opfer mit den Beobachtungen zweier neutraler Zeugen, mit dem das Tageblatt sprach. Sie waren durch das Klirren zersprungener Flaschen aufmerksam geworden und hatten gesehen, wie die Angreifer "mit einem für uns überraschendem Ausmaß von Gewalt" zugeschlagen und getreten hätten. Beide Zeugen beschreiben unabhängig voneinander aber, dass das Pfefferspray von einem der Angegriffenen, den sie später als Jens Wilke identifizierten, eingesetzt wurde. Einer der Zeugen will nicht ausschließen, dass ein zweiter Mann zum Pfefferspray griff, "definitiv aber einer der Angegriffenen". Die Polizei bestätigte auch, dass die NPD-Gruppe Pfefferspray zur Selbstverteidigung mit sich führte.

Die Zeugen weiter: "Binnen Sekunden" habe die Polizei eingegriffen. "Die müssen schon dagewesen sein", sagt einer. Die Angreifer seien darauf weggelaufen. Beide schildern übereinstimmend, dass nur eine Person verletzt behandelt wurde - offenbar ein NPD-Mann, der mit Augenreizungen in die Augenklinik gebracht wurde.

Die Polizei schildert zudem, dass die weglaufenden Vermummten in der Groner Straße noch das Auto einer völlig unbeteiligten Frau aus den Niederlanden mit einem darin befindlichen Kind angegriffen und "aufgeschaukelt" hätten. Die verängstigten insassen blieben unverletzt. Das Staatsschutzkommissariat hat ein Verfahren wegen schweren Landfriedensbruches und gefährlicher Körperverletzung eingeleitet.

Der gewalttätige Angriff gegen politisch Rechte ist kein Einzelfall. Mehrfach waren in Reckershausen, Northeim und Hardegsen Autos und ein Roller von NPD- oder AfD-Mitgliedern angezündet, beschädigt oder gestohlen worden. Zuletzt wurden in der Nacht zu Freitag in Güntersen acht Autos mit schwarzer Farbe besprüht. Auch hier wird ein politisches Motiv vermutet. Mehrfach hatte es in den vergangenen zwei Jahren im Göttinger Stadtgebiet zudem tätliche Angriffe auf Burschenschafter gegeben. Ein derart massiver Angriff wie am Sonntagabend hat aber für Andreas Buick, zuständiger Oberstaatsanwalt, eine neue Qualität.

Northeimer NPD-Kandidat an Krawallen beteiligt

Nach Recherchen der Leipziger Internet-Zeitung (LIZ) hat sich der Northeimer NPD-Kandidat Gianluca Bruno im Januar an rechten Krawallen im links-alternativ geprägten Leipziger Stadtteil Connewitz beteiligt. Am 11. Januar hatten mehr als 200 Vermummte aus dem rechten Spektrum in dem Stadtteil randaliert und ließen zerschlagene Fensterscheiben, brennende Autos und verletzte Polizisten zurück. Laut LIZ-Informationen können die Beteiligten größtenteils der rechten Kampfsport- und Hooligan-Szene Sachsens zugerechnet werden. "Doch wie die Beteiligung Brunos zeigt, ging die Mobilisierung weit über Sachsens rechte Strukturen hinaus und war Ergebnis einer bundesweiten Vernetzung von rechten Schlägern", kommentiert die Basisdemokratische Linke Göttingen vor dem Hintergrund, dass die hiesige NPD und der so genannte "Freundeskreis Thüringen / Niedersachsen"  wöchentliche Kundgebungen und andere Aktionen in Göttingen angekündigt hat. Bruno war am Montag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. mib

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Göttingen

Eine Gruppe von offenbar Linksautonomen hat am Sonntagabend in einem Lokal am Groner Tor in der Göttinger Innenstadt eine Gruppe von Mitgliedern des "Freundeskreises Thüringen/Niedersachsen" überfallen. Wie die Polizei bestätigt, wurden mehrere Rechte um den NPD-Landratskandidaten Jens Wilke verprügelt.

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Von Redakteur Jürgen Gückel