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Wie Lichtenberg mit sich twitterte

Alexanderpreis für Journalisten Wie Lichtenberg mit sich twitterte

So prägnant wie Georg Christoph Lichtenberg (1742 bis 1799), dem Begründer des Aphorismus, hat es keiner geschafft: Mit einem Satz im Kopf des Lesers eine Welt öffnen. Und doch sind vier Männer dafür geehrt worden, dass sie Welten öffneten – auf einer Zeitungsseite oder mehreren eines Magazins.

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Preisträger: Michael Schäfer (v.l.), Sven Grünewald, Eckhard Schimpf, Erik Westermann.

Quelle: Heller

So hat es Wolfgang Alexander, einst Redakteur des Göttinger Tageblattes und Autor der Göttinger Monatsblätter (1974 bis 1984), gewollt. Dass seine Stiftung jene ehrt, die fast vergessene Themen den Lesern nahe bringen.

2010 ist das Sven Grünewald von „Regjo“ am besten gelungen. Er schrieb über die „Wiege der Luftfahrtforschung“, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Göttingen. Der zweite Preis ging an Eckhard Schimpf von der Braunschweiger Zeitung, der dem Verleger Hans Eckensberger, der ihn 1982 als Volontär einstellte, ein journalistisches Denkmal setzte.

Und auch zwei Tageblatt-Autoren haben Welten geöffnet: Michael Schäfer die der Glockengießer und -türme und Erik Westermann die des Göttinger Karl-May-Archivs. Der eine schaffte ein „Cross-Media-Publishing“ (Stiftungskurator Jens Wortmann) mit Texten, Glockenklang im Internet und Kalender, der andere öffnete mit „journalistischen Tugenden: Hartnäckigkeit, Bescheidenheit, Zuhören“ (Sammler Michael Petzel) die Tür zu dessen privater Sammlung.
Und Lichtenberg? Der, so Tete Böttger in seinem Festvortrag, würde heute twittern. Seine Sudelbücher dokumentieren sein Twittern mit sich selbst – und sind wie eine Mailbox abrufbereit für Leser, die sich mit seinen Aphorismen Welten öffnen.

Eine Art Vorpremiere erlebten die Besucher der Alexanderpreis-Verleihung im DT-Keller: Eine neue Hymne für Göttingen wurde geboren. Die A-Cappella-Gruppe Minor’s Diner trug erstmals vor größerem Publikum die Endfassung ihres Göttingen-Liedes vor, das auch am Freitag, 4. März, ab 20 Uhr im Alten Rathaus im ersten abendfüllenden Konzert der Gruppe erklingen soll. Perfekt instrumentalisiert – alles eigene Kehle – schwärmen Sebastian Beyer, Andreas Hennecke, Christian Albert, Stefan Pippig, Tobias Broda und Michael John von ihrer Stadt – und stellen sie in eine Reihe mit New York, Paris und München.

Refrain gefällig? „Göttingen, du kriegst selten ein Lied. Ich glaub’, du wunderst dich gerade, wie dir geschieht, denn seit Barbara war ja keiner mehr da, der dir, du schöne Stadt, etwas gesungen hat.“ Wirklich hörenswert, und zudem mit sehenswerter Choreographie.

Von Jürgen Gückel

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