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Wie Sima und Seinab Flüchtlingskindern das öde Lagerleben erleichtern

Islandpferde statt Kuscheltier Wie Sima und Seinab Flüchtlingskindern das öde Lagerleben erleichtern

Sie kommen aus Afghanistan, Syrien, Irak, Eritrea und Tschetschenien und haben viele tausend Kilometer Flucht hinter sich. Im Lager Friedland sind sie in Sicherheit. Aber was ist das für eine Kindheit mit Eltern, vier Geschwister und einem einzigen Kuscheltier in einem Container?

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Großer Respekt vor kleinen Pferden: Mkedas (5) braucht die Hilfe ihrer großen Schwester, um dem fremden Pferden auch nur nahe zu kommen...

Quelle: Hinzmann

Deiderode. Diese Frage haben sich zwei Jugendliche aus der Gemeinde Friedland gestellt, nachdem sie die Flüchtlingsfamilien besucht hatten. Sie haben ungewöhnliche Abwechslung organisiert: Ponyreiten für Flüchtlingskinder.

Sima Wagner und Seinab Ameary gehen noch zur Schule. Sie sind politisch interessiert. Für eine Hausarbeit haben die 17- und die 18-Jährige im Grenzdurchgangslager Flüchtlinge interviewt. Seinab stammt aus dem Irak, sie spricht Arabisch. Simas Vorfahren sind Iraner. Bei der einen war es Flucht vor dem Irak-Krieg, bei der anderen ein Studium, was die Eltern nach Deutschland führte. Aber am Schicksal der vielen Flüchtlinge, die aktuell im Lager leben, nehmen beide jungen Frauen großen Anteil.

Auch wenn es den Jugendclub Kakadu der Caritas gibt, so Betreuerin Anna Stajer, kann das der Monotonie des Lagerlebens für die Kinder nur unzureichend entgegenwirken. Deshalb half Stajer ebenso gern mit wie Johann Schustek von der Gemeinde Friedland, als Sima und Seinab ihre Idee vortrugen: Kinder von fünf bis 13 Jahren sollten reiten dürfen.

Sima ist schon lange im Reitverein Deiderode. Sie überzeugte Vorstand und Freunde von ihrem Plan, und dann durften zwölf Flüchtlingskinder kommen und auf den zehn Isländerpferden des Reitparadieses Deiderode ihre Runden drehen. Mütter buken nebenbei Waffeln, schenkten Saft und Tee aus, und Simas Freundinnen führten die Pferde über den Reitplatz.

Anfangs allerdings war der Respekt groß. Mkedas und Monalisa etwa, Schwestern aus Eritrea, waren noch niemals im Leben so großen Pferden nahe gekommen. Doch andere, wie etwa der zwölfjährige Javad, zeigten sich schon forscher. Der Junge aus Afghanistan ist schon drei Monate in Deutschland, spricht bereits gut Deutsch und spielt den Dolmetscher. Am Ende gibt es strahlende Gesichter bei allen. Die Aktion, so sagen auch Sima und Seinab, sollte man wiederholen. Weitere Flüchtlingskinder kommen gewiss.  

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