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Wie ein Vater in Not von „Keiner soll einsam sein“ profitiert hat

Vielseitige Anteilnahme Wie ein Vater in Not von „Keiner soll einsam sein“ profitiert hat

„Das Gänseessen im vergangenen Jahr”, sagt Martin F.*, „hat mein Sohn bis heute nicht vergessen.”  Eigentlich hatte er für einen Restaurantbesuch nicht genug Geld – wie für viele andere Dinge auch. Dann erfuhr er von der Tageblatt-Weihnachtshilfe „Keiner soll einsam sein”.

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Quelle: Archivfoto

Göttingen. „Die Telefone standen nicht mehr still. Weder beim Diakonischen Werk noch beim Tageblatt”, erzählt F. mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Dass unzählige Mitbürger durch einen Tageblatt-Artikel von seinem Schicksal erfahren haben und gleich helfen wollten, berührt ihn noch ein Jahr danach.

Im Rahmen der Weihnachtshilfe stellt das Tageblatt auch Einzelpersonen vor, die es aus unterschiedlichen Gründen hart getroffen hat. Martin F. hatte nicht genug Geld, um sein eigenes Kind, das bei seiner Mutter in Süddeutschland lebt, regelmäßig zu sehen. Wenn er ganz pleite war, hat er sich Ausreden ausgedacht, warum er seinen Sohn nicht holen könne.

Die Situation war für ihn so belastend, dass er lange Zeit nicht wusste, wie es weitergehen soll. Beim Diakonischen Werk fand er Hilfe, hier wurde er auch ans Göttinger Tageblatt vermittelt. Die Anteilnahme an seinem Schicksal war enorm. Viele Göttinger wollten ihm direkt helfen: Ein Motorradclub spendete einen großzügigen Pizzagutschein, Privatpersonen bezahlten ein festliches Gänseessen. Polizisten boten an, sein kaputtes Auto zu reparieren. Die Flut an Sach- und Geldspenden hat F. überrascht: „Dass wildfremde Menschen einfach so helfen, hat mich überwältigt”, erzählt er mit einem ungläubigen Kopfschütteln.

Martin F. gehört zu jenen Menschen, die unter verdeckter Armut leiden. Er hat einen festen Job, „seit über 20 Jahren”, wie er immer wieder betont, seine Kollegen ahnen nichts von seiner Situation. Sein Einkommen ist gerade hoch genug, dass er keine staatliche Hilfe bekommt, davon müssen aber der Unterhalt für seinen Sohn bezahlt und ein Auto unterhalten werden, auf das er aufgrund seines Schichtdienstes angewiesen ist – außerdem ist der alte VW das einzige Mittel, um seinen Sohn in Süddeutschland zu sehen.

Das Verhältnis zu ihm habe sich mittlerweile auch verbessert. F. war seine Not peinlich und hat den Sohn mit Notlügen vertröstet, wenn er mal wieder kein Geld hatte, um ihn zu sehen, geschweige denn etwas bieten zu können. Das hat den Jungen natürlich verunsichert. Glücklicherweise konnten Beide durch die Spenden gemeinsame Unternehmungen machen und die Zeit aufholen, die ihnen durch seine Mittellosigkeit verloren gegangen ist. F. sagt: „Das ist das Schönste an der ganzen Sache .”

Von Jonas Rohde

*Name von der Redaktion geändert.

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