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Windkraft-Streit im Werrtal bei Göttingen

Fünf 200 Meter hohe Rotoren an Landesgrenze Windkraft-Streit im Werrtal bei Göttingen

Dort, wo Niederachsen zu Ende ist, wo erstmals der Blick der Autofahrer auf ihrem Weg in den Süden ins Werratal fällt, entstehen fünf neue Windkraftanlagen. Direkt an der Landesgrenze, wo die Autobahn 7 für wenige Kilometer durch hessisches Gebiet führt, liegt das Gut Ellerode.

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Windkraftgegner in Trauerkleidung beerdigen in Gertenbach das Werratal weil Windräder entstehen sollen.

Quelle: Gückel

Ellerode/Gertenbach. Es gehört der Familie der Grafen von Berlepsch, die seit drei Jahren zusammen mit dem Windrad-Hersteller Enercon als Investor einen Windpark mit fünf 149 Meter hohen Masten plant.

Knapp 200 Meter werden die Anlagen insgesamt hoch sein; vom Friedländer Gemeindeteil Mollenfelde werden die Flügelspitzen zu sehen sein. Denn die Anlagen stehen an einem Südhang. Sie werden - nach den Berechnungen mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit - 27 Megawatt Strom liefern.

Das reicht, um die Stadt Witzenhausen, zu der Ellerode gehört, für die nächsten 20 bis 30 Jahre mit einem Drittel ihres benötigten Stromes zu versorgen.Doch die Investition in erneuerbare Energie stößt auf wenig Gegenliebe. "Herr Graf stecken sich die Taschen voll" und verursachen den "Tod des Werratals" lauteten die polemischen Kommentare auf den Spruchbändern von gut 100 Windkraftgegner, als am Freitagabend vor der Mehrzweckhalle in Gertenbach protestiert wurde.

Viele waren ganz in schwarz gekommen, hatten gleich einen Leichenwagen fürs Werratal mitgebracht.Die Demonstranten draußen wollten nicht hören, was im Innern an Fakten vorgetragen wurde: Zum Beispiel zum Reizthema Infraschall. Fabian von Berlepsch, der sein kurz vor der Genehmigung stehendes Projekt vorstellte, hatte Michael Koehl von der Müller-BBM eingeladen, ein Fachmann für das Thema Infraschall.

Schall weder messbar noch wahrnehmbar

Er stellte verschiedene Studien vor, darunter den Entwurf der Hessen-Agentur, in dem Messungen und Berechnungen zum Infraschall dargestellt werden. Fazit des Experten: Der Schall der fünf neuen Windräder werde in Gertenbach und den anderen Dörfern weder messbar noch wahrnehmbar sein - jedenfalls werde er nicht vom Grundrauschen der Autobahn zu differenzieren sein.

Die nächste Bebauung ist nach den Plänen 600 (Vorwerk Ellerode) und 1000 Meter entfernt (Hübenthal). Nach Gertenbach sind es 1400, nach Mollenfelde 1500 Meter.  Die Gegner jedoch konterten mit einem Fall, der seit 2013 in Dänemark die Windenergie ausbremst: dem angeblichen Tod sowie Missbildungen am Nachwuchs in dänischen Nerzfarmen, ausgelöst angeblich durch Infraschall von Windrädern.

Ein weiteres Problem dürfte der Rotmilan sein, der in dem Bereich vorkommt. Dem soll mit einem Flächenmanagement begegnet werden. Grünland soll so bewirtschaftet werden, dass es den Milan von den Windrädern weglockt. Lösungen für Probleme bei Bau und Stromleitung stellte von Berlepsch ebenfalls vor: Es werde eigens eine temporäre Behelfsausfahrt für die A 7 gebaut, um die Bauteile direkt von der Autobahn in den Windpark zu bringen.

Und der erzeugte Strom werde durch eine noch zu bauende Leitung von Ellerode aus nach Niedersachsens ins EAM-Netz an der Deponie Deiderode geleitet, wo er in einem neuen Umspannwerk in die vorhandene 110-KV-Leitung eingespeist werde.

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