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„Wir sind Begleiter, keine Erzieher“

Jugendpädagogik „Wir sind Begleiter, keine Erzieher“

„Here is Macedonia!“ „Oh nein, uns fehlt noch Bosnien-Herzegowina!“, ertönen zweisprachig die Rufe 16 aufgeregter Jugendlicher im Jugendhaus Gartetalbahnhof. Sie stehen kurz vor der Lösung eines Europa-Puzzles.

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Europäische Gemeinschaft: Jugendliche entwickeln in Göttingen Visionen für ein künftiges Europa.

Quelle: Heller

Göttingen. Die Gruppe setzt sich aus acht Jugendlichen des Bexley Integrated Youth Service aus London und acht Jugendlichen aus dem Göttinger Jugendhaus zusammen. Vom 6. bis 14. Oktober sind die englischen Schüler rund um Göttingen in Gastfamilien untergebracht.

Pädagogisch betreut wird die multikulturelle Jugendbegegnung von elf angehenden Erziehern der Berufsbildenden Schulen (BBS) Ritterplan. BBS-Lehrerin Kathrin Bittner erklärt: „Vormittags arbeiten die englischen Gäste in Workshops oder im fachpraktischen Unterricht mit. Nachmittags finden gemeinsame Aktionen im Jugendhaus statt, an denen auch die deutschen Jugendlichen teilnehmen.“ Das Oberthema heißt Europa. Es werden Probleme wie Jugendarbeitslosigkeit und Demokratie besprochen. „Die Jugendlichen sollen eine Vorstellung von Europa bekommen und persönliche Werte sowie gesellschaftliche Visionen eines künftigen Europas entwickeln“, erklärt Bittners Kollegin Meike Hommel.

Ins Leben gerufen wurde das sogenannte BexGo-Projekt von zwei Schülern der BBS Ritterplan, die im Zuge eines Auslandspraktikums, wie es an der BBS üblich ist, nach Bexley/London kamen und das dortige Jugendhaus kennen lernten. „Wir haben sehr viele Parallelen zwischen England und Deutschland gefunden, auf die sich eine gute Zusammenarbeit aufbauen lässt“, berichtet der Göttinger Bastian Aue. Er gestaltete schon während seines England-Aufenthaltes gemeinsam mit der Mitschülerin Samira Hamound das Grundgerüst für die deutsch-englische Jugendbegegnung.

Die pädagogische Arbeit mit Jugendlichen statt mit Kindern sei etwas Neues für die angehenden Erzieher. „Man muss weggehen von dem Ansatz: Wir erziehen die Jugendlichen“, sagt Aue. Auch seine Mitschülerin Maleen Dube ist überzeugt: „Es hat ganz viel mit Beziehung zu tun. Wir sind ihre Begleiter.“

Genauso sehen das die betreuten Jugendlichen. James Lee, der auf das North West Kent College in London geht, fühlt sich sehr willkommen und gut aufgehoben. Unterschiede in der deutschen und englischen pädagogischen Arbeit kann der 16-Jährige nicht erkennen. Doch in der Politik haben die jungen Engländer durch ihre Youth Councils mehr Mitspracherecht. Das würde auch den Deutschen gut tun, meint Lee. Der 14-jährige Göttinger Natchaphon Waiso stimmt mit seinem englischen Freund überein: „Es wäre gut, wenn wir schon mit 16 alle Parlamente wählen dürften.“

Denn die jungen Menschen  hätten viele Ideen und Visionen, mit denen sie sich gern einbringen würden. Und in einem sseien sich alle einig: Freundschaft hat nichts mit Herkunft oder Sprache zu tun. Daher bildete sich schon zu Anfang der Begegnungswoche in Göttingen der Leitsatz für den Austausch: „Sie kamen als Fremde und gingen als Freunde.“

Von Valerie Schenk

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