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Wissenschaftler erforschen das Leben auf der 1000-jährigen Burg in Eddigehausen

Forschungs-Puzzle auf der Plesse Wissenschaftler erforschen das Leben auf der 1000-jährigen Burg in Eddigehausen

Vor 1000 Jahren findet sich in der Lebensgeschichte des Bischofs Meinwerk von Paderborn der erste schriftliche Hinweis auf die Plesse. Seit mehr als drei Jahrzehnten untersuchen Wissenschaftler die Burg. „Die Plesse ist eine der besterforschten Burgen weithin“, sagt Thomas Moritz, Mittelalterarchäologe und Vorstandsmitglied des Vereins Freunde der Burg Plesse.

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Thomas Moritz im kleinen Turm.

Quelle: Hinzmann

Eddigehausen. Aus vielen verschiedenen Forschungsfeldern setzt sich die heutige Vorstellung vom Leben auf einer Burg zusammen. So auch auf der Plesse. Archäologen und Archäozoologen, Paläontologen, Historiker und Geologen haben sich zumeist im Vorfeld von Baumaßnahmen des Landes Niedersachsen mit der Vergangenheit der Burg Plesse befasst. „Da spielt die Nähe zur Universität eine große Rolle“, sagt Moritz. Viele akademische Arbeiten beschäftigten sich mit der Burg.

Grabungen förderten Erdschichten und darin die Hinterlassenschaften vergangener Jahrhunderte zutage. Darunter Münzen sowie andere metallische Funde, Glas- und Keramikscherben, Hölzer, Tierknochen und sonstige Speisereste. Aus Zivilisationsabfällen erarbeiteten sich die Wissenschaftler wie bei einem Puzzle ein ganzheitliches Bild vom Burgleben längst vergangener Jahrhunderte.

In einem aktuellen Forschungsprojekt etwa wollen Wissenschaftler der „Clay-DNA“ – der Herkunft der tönernen Funde – nachgehen. Dafür soll der Rohstoff vieler internationaler Tongruben analysiert werden. Aus unzähligen Knochenfunden der Vergangenheit wurde beispielsweise ersichtlich, dass Kleintiere und Vögel zum Speiseplan der Menschen auf der Burg gehörten, „wir konnten sogar Amsel-Mahlzeiten nachweisen“, erzählt Moritz. Auf alten Rechnungen forderten Vogelhändler die Bezahlung von jährlich rund 4500 angelieferten Vögeln.

Auch die Lebens- und Essgewohnheiten einiger tierischer Burgbewohner wurden ergründet. Bei Grabungsarbeiten im sogenannten kleinen Turm fanden die Wissenschaftler Unmengen von Kleinsäugerkochen und teils auch Skelette von Amphibien – Speisereste von Schleiereulen, die in dem ehemaligen Gefängnisturm siedelten. „ABM-Kräfte haben zwei Jahre lang nur die Schädel und Langknochen herausgesucht, die ein Experte in Kiel auswertet.“ Am selben Ort tauchten auch zehntausende von Schneckenhäusern auf, Die Mollusken erährten sich offenbar von den Gewöllen der Eulen.

Der ausgeräumte Turm soll unter anderem in der Jubiläumswoche vom 15. bis 20. September präsentiert werden. Bislang ist er Besuchern verschlossen geblieben. Auch andere Bereiche der Plesseforschung werden sich während des fünftägigen Festes vorstellen, unter anderem, sagt Moritz, an einem geplanten „Tag der Wissenschaft“ am 20. September.

Turmsanierung in den letzten Zügen

Noch ist der große Turm der Burgruine Plesse eingerüstet und für Besucher geschlossen: Das Land Niedersachsen lässt dort für rund 600 000 Euro das Treppenhaus instandsetzen. Rechtzeitig zur 1000-Jahr-Feier im September sollen die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sein, hat das Staatliche Baumanagement Südniedersachsen mitgeteilt.

Der Verein Freunde der Burg Plesse rechnet damit, dass das Bauwerk vom Spätsommer an wieder zugänglich sein wird. Eine Mauersanierung sei für das Jahr 2016 geplant, heißt es im Vorwort der Jubiläums-Vereinsmitteilungen „Ein feste Burg“. Der große Turm dient als Ausstellungsfläche, ist Aussichtspunkt ins Leinetal und Ort von Trauungen.

Wegen Schäden an der Holzkonstruktion der Treppen und dem Dachgebälk sowie an der Außenmauer war das Bauwerk bei Eddigehausen im vergangenen Jahr gesperrt worden. Die Mauerschäden will das Staatliche Baumanagement erst im kommenden Jahr angehen, um das Jubiläumsfest nicht zu stören. Der Putz müsse instandgesetzt werden, damit nicht noch mehr Risse durch Feuchtigkeit und Frost entstünden.

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