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Woche der Irrungen

Kolumne Woche der Irrungen

Irrung Nummer 1 unterlief mir selbst letzte Woche - eine aufmerksame Leserin wies mich darauf hin. Gedankenlos schrieb ich nämlich, dass Jesus drei Tage am Kreuz hing und es dann für ihn heim zu Papa ging.

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Quelle: Hinzmann

Göttingen. Das ist natürlich Quatsch! In den drei Tagen fanden bekanntlich Kreuzigung, Abnahme, im-Grabmal-liegen und Auferstehung statt, wenn man der Legende Glauben schenkt. Und danach wandelte der Heiland ja noch 40 Tage umher und stattete so manchen Überraschungsbesuch ab, bevor er sich für seine Himmelfahrt genau den Tag aussuchte, an dem deutsche Männer traditionell mit Bollerwagen umher ziehen und sich betrinken. Ich entschuldige mich aufrichtig für diesen Fauxpas. Es ist mit wichtig, das an dieser Stelle richtigzustellen, denn schließlich sollen unsere Kinder ja wissen, warum sie morgen bunte Eier suchen.

Irrung Nummer 2 unterläuft der Stadt Göttingen - und zwar bereits seit zehn Jahren. Solange ist der städtische Winterdienst nämlich schon rechtswidrig, entschied nun ein Gericht. Was nun? Muss die Stadt jetzt den Schnee, den sie in den letzten zehn Jahren geschippt hat, zurück bringen, auf jene Straßen und Gehwege, die unter rechtswidrigen Bedingungen freigeräumt wurden? Meine Töchter würde es fraglos freuen, denn der Winterspaß in dieser Saison war ja doch eher mau.

Irrung Nummer 3 unterlief dem hessischen NPD-Politiker Stefan Jagsch. Der ließ sich nämlich, nach einem Unfall schwer verletzt, ausgerechnet von zwei syrischen Flüchtlingenaus seinem Auto ziehen und erstversorgen. Ob auch eine Mund-zu-Mund-Beatmung stattfand, konnte ich nicht recherchieren. Aber die nazionale Ehre scheint mir auch so schwer besudelt zu sein.

Der Vorfall erinnert mich an die famos gekrakelte Bildergeschichte „Ortsgruppenleiter Archie“ von Ernst Kahl (Elch-Preisträger 2007), in der sich Archie bei einem misslungenen Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft selbst den Schritt verbrennt. Nach einer Notoperation verhält sich Archie seltsam und es stellt sich heraus, dass ihm der Penis eines frisch verunglückten schwulen Tänzers aus Ghana angenäht wurde. Die Ortsgruppe weiß anschließend nicht, wie sie nun mit Archie weiterhin umgehen soll und bittet um Zuschriften. 

Ich wünsche allen Lesern frohe Ostern.

Von Lars Wätzold

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Der Wochenrückblick vom 26. November bis 2. Dezember 2016