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Wochenendkolumne: Happy Fusion

Wochenendkolumne Wochenendkolumne: Happy Fusion

Frohes neues Jahr! Nachträglich. Ein schönes 2016 und Happy Fusion! Uns erwartet das Internationale Jahr der Hülsenfrüchte und der globalen Verständigung. Das Jahr der Fußball-EM. Und eben das Jahr der Fusion! 

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Markus Scharf

Quelle: Archivfoto

Aus zwei Kreisen wird einer. Das klingt herrlich - rund. Orte mit so schönen Namen wie Riefensbeek-Kamschlacken oder Nüxei gehören künftig zu uns. Beschlossene Sache. Einige unterstellen dem eifrigen Kreis-Architekten Bernhard Reuter dabei rein politisches Kalkül. Erst habe er Osterode, dann Göttingen gehabt - nun wolle er beide. Eine Traumhochzeit - inklusive finanzieller Entschuldungshilfe des Landes als Mitgift. Er - der Schöpfer des einzigen niedersächsischen Fusionskreises. Er - der Großlandrat. Er - der … verabschieden wir uns an dieser Stelle aus den Köpfen dieser missgünstigen Kritiker.

Man kann das nämlich auch ganz anders sehen. Nehmen wir zum Beispiel mal das Thema Klima-Wandel. Haben Sie sich mal überlegt, wo wir Göttinger sitzen, wenn der Meeresspiegel mal so richtig steigt? Genau, mit dem Hintern im Wasser. Was macht also ein verantwortungsvoller Politiker? Er expandiert in die Höhe, will sagen, in den Harz. Die Osteröder haben auf ihrem Großen Knollen oder dem Stöberhai immerhin 600 Meter mehr Luft zum aktuellen Wasserstand. Was für ein Weitblick, politisch gesehen.

Oder denken wir an den Tourismus. Stellen Sie sich nur mal vor, die Freizeitindustrie entdeckte in den kommenden Jahren unterirdisches Herumwuseln als den neuesten Trend. Tausende von Asiaten und Amerikaner strömten - an Göttingen vorbei. Weil wir eben nicht eine einzige Höhle vorweisen könnten. Auch das hat der weitsichtige Fusionist offensichtlich längst im Blick und beschert uns ganz nebenbei eine Iberger Tropfsteinhöhle, die Einhornhöhle, die Lichtensteinhöhle und schon lägen wir wieder voll im Trend.

Auch die Osteröder haben echt Glück. Endlich mal. Haben die da nämlich nicht so oft. Allein schon wegen des Wetters. Was damit ist? Uns Kindern am Harzrand hat man das damals, wenn wir mal wieder durchnässt vom Spielen heim kamen, so erklärt: Die Wolken kommen, bleiben am Harz hängen, gehen etwas zurück, nehmen Anlauf, kommen dann ganz kräftig wieder zurück, bleiben wieder hängen… kurz: mit wenigen Ausnahmen sind sie einfach da. Was das langfristig mit dem Gemüt macht, lässt sich vielleicht an meinen Texten ablesen. 

Naja und dann ist da noch die Sache mit den zu kleinen Bergen. Die großen Brocken gehörten aus Osteröder Perspektive schon immer zu den Nachbarkreisen. In einem Mittelgebirge nur die mittelhohen Erhebungen vorweisen zu können, ist wahrlich nur mittelmäßig schön.

Gut. An all dem wird auch eine Fusion mit Göttingen nichts ändern. Aber mit ihr steigt die Chance, dass die Osteröder zumindest ein anderes Manko loswerden: Dieses bekloppte Nummerschild. Aus OHA lässt sich nämlich mit gesundem Sprachgefühl ums Verrecken kein Osterode am Harz ableiten. Versuchen sie‘s. Osterode ham Arz? Statt dessen haben sich in den Nachbarlandkreisen (denen mit den hohen Bergen) über Generationen hinweg wenig despektierliche Wortkompositionen gehalten. Aber darüber wollen wir jetzt nicht mehr reden, wo wir mit den Ober-Harzer-A... fusionieren.

Den Autor erreichen sie unter m.scharf@goettinger-tageblatt.de

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Der Wochenrückblick vom 26. November bis 2. Dezember 2016