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Haben Sie einen Wunsch? Irgendetwas? Kann auch was Großes sein. Was Sie schon immer mal haben wollten? Dann raus damit. Jetzt ist die Zeit zum Wünschen. Denn in drei Monaten sind Kommunalwahlen und die Kandidaten haben sozusagen Profilierungsnotstand.

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Im Herbst stehen Kommunalwahlen an - Zeit für Wahlversprechen.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Wie soll man Werbung für die eigene Sache machen, wenn der desinteressierte Wähler entweder gerade Fußball schaut oder schon Koffer packt? Möglichkeit eins für aufmerksamkeitsbedürtige Amtsanwärter und linksliegengelassene Listenplatzinhaber: Entwickle möglichst schnell eine Meinung zu aktuellen Themen und verbreite diese medienwirksam im Namen der Partei. Natürlich muss eine Meldung über sich prügelnde Antifas in Vorwahlzeiten umgehend per Pressemitteilung mit „Finde ich aber gar nicht so gut“ kommentiert werden.

Bei der Nazi-Kundgebungen steht man bitte ebenso selbstverständlich in der protestierenden Menschenkette – möglichst in der Nähe der Fotografen. Auch ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, endlich mit diesem Silvesterchaos am Gänseliesel aufzuräumen. So! Diese Art des Wahlkampfs ist allerdings ziemlich aufwändig und mühsam. Man braucht eine Meinung und muss diese im Zweifel auch noch vertreten können.

Der bequemere Weg in die Herzen des Wahlvolks wäre, einfach mal für ein paar Wochen das Blaue vom Himmel runterzuversprechen. Und da kommen Sie wieder ins Spiel: Wünschen, wünschen, wünschen. Mehr Wohnraum. Erhaltung aller Schrebergärten der Stadt. Erschließung des Göttinger Südens als Erlebnis- und Erholungsidyll (mit besseren Wegen, aber ohne Golfplatz) und überhaupt viel mehr Grün für jedermann, inklusive Ackerland für Gemeinschaftsgärtnerei. Die Volksvertreter überbieten sich gegenseitig, um all unsere Fantasien zu ihren eigenen zu machen.

Diese Sache hat drei ganz entscheidende Vorteile: Man braucht keine Meinung, muss keine eigenen Ideen entwickeln und der Baubeginn für die ganzen Luftschlösser liegt in weiter Ferne oder zumindest doch deutlich nach der Wahl. Und da haben ernstzunehmende Realpolitiker keine Zeit mehr für Fantasterei.

So. Und obwohl ich mir dessen bewusst bin, kommt jetzt meine Wunschliste: Ich hätte gern den Europameistertitel. Nein, viel lieber hätte ich noch eine echte Europameisterschaft. So eine, wo es um Fußball geht. F-U-S-S-B-A-L-L. Nicht um die Zähne von Schweinsteiger, die Tattoos auf dem Bauch von Boateng oder Götzes Stimmungsschwankungen. Mich interessiert nicht, ob der Bundestrainer ein „bisschen moppelig“ geworden ist seit der WM. Übrigens auch nicht, wo er seine Hände hat. Früher war die privateste Information, die man über seine Fußballhelden bekam, das, was im Panini-Album neben dem Klebebildchen stand: Größe, Position und Zahl der Länderspiele. Fertig. Heutzutage hat das Video von der „Rumeierei“ des Herrn Löw inklusive der anschließenden Verteidigungsrede des Herrn Podolski deutlich mehr Zuschauer als die meisten Live-Übertragungen der EM-Spiele. Jetzt wünsche ich mir inständig, dass das keinen Wahlkämpfer auf irgendwelche Ideen gebracht hat, wünsche Ihnen einen schönen Sommeranfang und mir beim parallel stattfindenden letzten Gruppenspiel der deutschen Mannschaft ein 5:1. Danke.

Den Autor erreichen Sie unter m.scharf@goettinger-tageblatt.de.

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