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Gestatten. Peperoni.

Wochenendkolumne Gestatten. Peperoni.

Mein ambivalentes Verhältnis zu modernen Kommunikationsmitteln habe ich an dieser Stelle bereits zum Ausdruck gebracht. Nur war ich damals im Besitz nur eines dieser hochglänzenden Multifunktionsendgeräte - mittlerweile habe ich vier. In Ziffern: 4! Und sie verschicken Peperonis.

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Quelle: dpa

Sicher gibt es Menschen, in deren Ansehen ich mit diesem Geständnis jetzt gestiegen bin. In meiner Wahrnehmung aber ist dieser elektronische Überfluss weit unterhalb des Gefühls, in frischen Hundekot getreten zu sein.

Ich stelle Ihnen meine stetigen Begleiter einfach mal vor. Da wäre Nummer 1: Mein privates iPhone. Leicht ältlich, meist in schwarzem Leder, sein mittlerweile zweites Austauschdisplay ist bezüglich seiner Berührungsempfindlichkeit etwas behäbig in den Ecken. Es klingelt zwar häufig, ich höre es aber selten. Denn meistens hängt es irgendwo akkuschwach in der Nähe von Stromquellen rum. Wäre da nicht seine Eigenheit, bei jedem Telefonat mit dem schwarzen Lederdeckel nach meinem Auge zu schlagen, hätte ich es vermutlich lieb.

Nummer 2 ist hingegen einer dieser übereifrigen Kollegen, die mit einer Mischung aus ausgeprägtem Mitteilungsdrang und unangenehmer Tonlage eine Leben lang darauf warten, von irgendjemandem gegen eine Wand geklatscht zu werden. Es ist ein Telefon, wäre aber sicher beleidigt, auf diese Funktion reduziert zu werden. Alle Apps sind stetig auf dem neuesten Stand, allein acht davon dienen der Übermittlung von Nachrichten. Je mehr, desto besser, an guten Tagen über 100. Ein Widerling. Weglegen, ausschalten, zerstören darf ich nicht. Gehört der Firma. Der Kollege, dem es vorher gehörte, ist einfach gegangen. Ein weiser und glücklicher Mann.

Kommen wir zu Nummer 3, dem Klugscheißer. Deutlich größer als seine Kollegen ist er als mobiles Büro gedacht. Allerdings stört seine autoritär-humorige Art den Frieden am Arbeitsplatz. Der jüngste Zwischenfall: Sobald ich versuche, meinen Namen zu schreiben, ersetzt er ihn neuerdings wie gesagt durch ein Peperoni-Piktogramm. Auch andere mutmaßliche Fehler werden rigoros ausgemalt (-merzt) - sie sehen das Problem.

Nummer 4 ist das Letzte. Es raubt mir nicht einfach den Nerv. Nein, es schleimt sich bei meiner Familie ein, zeigt gelegentlich Musikvideos, koppelt sich mit der Stereoanlage, verbreitet gute Laune. Das kann ich am wenigsten leiden.

Eines schönen Tages gehe ich auch weg und lasse die Dinger einfach liegen. Bis dahin verbleibe ich mit freundlichen Grüßen.

Ihr Markus Scharf

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