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Wölfe breiten sich in Niedersachsen aus

Jäger rechnen mit Ankunft in der Region Wölfe breiten sich in Niedersachsen aus

Wo gibt es derzeit Wölfe in Niedersachsen? Wie stark werden sich die Tiere in Zukunft ausbreiten? Wie sollte sich das Zusammenleben von Mensch und Wolf gestalten? Um solche Fragen ging es bei einem Vortrag der Wolfsbeauftragten der Landesjägerschaft Niedersachsen, Britta Habbe.

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Zurück in Westdeutschland: Fünf Wolfsrudel gibt es derzeit in Niedersachsen.

Quelle: dpa

Göttingen. Einst habe es Wölfe flächendeckend in ganz Europa gegeben, so Habbe. Dann jagten die Menschen die Tiere, teils mit brutalen Methoden, bis fast ganz Europa wolfsfrei war. Der Tiefststand bei der Zahl der Wölfe sei in den 60er-Jahren erreicht gewesen. Doch dann sei die Tierart europaweit durch rechtliche Abkommen strengstens geschützt worden. Der Untergang der DDR und der Fall der Mauer haben den Tieren ermöglicht, nach Westdeutschland zurückzukehren.

 
In Niedersachsen gibt es laut Habbe derzeit fünf Rudel – also Wolfsfamilien – mit jeweils etwa acht Tieren. Doch schon in diesem Jahr könne sich die Zahl der Rudel auf zehn verdoppeln. Bislang seien die Tiere vor allem im Nordosten und Westen des Landes unterwegs – in Südniedersachsen dagegen noch nicht. Doch in zehn Jahren sei auch hier mit Wölfen zu rechnen. In Deutschland belaufe eine Wolfsfamilie ein Territorium von 200 bis 300 Quadratkilometern. Auf der Fläche der Stadt Göttingen sowie der Gemeinden Rosdorf, Friedland und Gleichen hätte also nur ein Rudel Platz.

 
Nutztiere machten nur 0,6 Prozent der Wolfsnahrung aus, so Habbe. Daran entzünde sich jedoch häufig die öffentliche Diskussion. Nutzer müssten teils lange auf eine Entschädigung warten, weil das Nachweisverfahren sehr bürokratisch ablaufe, räumte Habbe ein. Für Halter bedeuteten wolfssichere Zäune einen zusätzlichen Aufwand, und in den Küstenregionen stelle sich die Frage, was an den Deichen und Gräben geschehen solle. Ziel des Wildtiermanagements sei es grundsätzlich, den Wolf als normales Wildtier zu akzeptieren, das – wie Marder oder Fuchs – einen gewissen Schaden unter Nutztieren anrichte.

 
In Niedersachsen machten derzeit nur die Munsteraner Wölfe Schwierigkeiten, weil sie nicht die übliche Distanz zu Menschen hielten. Wer einen Wolf sehe, sollte auf keinen Fall versuchen, von sich aus die Distanz zu verringern – um etwa ein besseres Foto zu machen –, sondern versuchen, den Wolf mit Gebrüll und Geschrei zu verjagen, wenn dieser zu nahe komme. Ein plötzlicher Angriff sei nicht sicher auszuschließen. In den vergangenen 60 Jahren habe es in Europa aber nur 59 Übergriffe von Wölfen auf Menschen gegeben, darunter neun tödliche. Die Sicherheit des Menschen stehe an oberster Stelle, versicherte Habbe.

 
Einen Wolf sicher zu identifizieren, ist gar nicht so einfach, machte Habbe bei ihrem Vortrag deutlich. Wolfshunde etwa sehen Wölfen ziemlich ähnlich. Wer meint, einen Wolf gesichtet oder Spuren von ihm gesehen zu haben, kann sich an einen ehrenamtlichen Wolfsberater wenden. Die Kontaktdaten sind im Internet unter wildtiermanagement.com zu finden. Organisiert hatten den Vortrag die Volkshochschule Göttingen und das Göttinger Umwelt- und Naturschutzzentrum.

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