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Wochenend-Kolumne Wörter

Fly sein – das Jugendwort des Jahres. Wie schön, dass man spätestens mit der Prämierung von Wörtern merkt, dass das Jahresende naht. Die Wahl ist klasse, ist es doch endlich mal ein positiver Begriff. Schließlich bedeutet „fly sein“, dass jemand oder etwas besonders gut abgeht – was immer das in der Jugendsprache bedeuten mag.

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Wir können die Uhr danach stellen, irgendwann in den nächsten Wochen kommt auch das „Unwort“ und das „Wort“ des Jahres um die Ecke.

Für Göttingen habe ich meine Wahl schon getroffen. Beginnen wir doch mit der Kategorie  „Unwort des Jahres 2016“ . Auf Platz eins steht eindeutig „Freundeskreis“ . Eigentlich ein so schöner Begriff. Harmonie, Vertrauen, Wohlgefühl. Es geht aber auch ganz anders. Dumpfes Geschrei, braunes Gerede, Ängste schüren und mit unsinnigen Demonstrationen eine vermutlich sechsstellige Summe an Kosten für den Staat produzieren – und das alles auf dem Rücken der Meinungsfreiheit.

„Linke Gewalt“ kommt direkt dahinter auf Rang zwei. Es macht nun mal keinen Unterschied, ob Gewalt von rechts oder links ausgeht. Sie ist einfach nur schlimm und ist der Nährboden für eine weitere Radikalisierung. Wohl selten zuvor ist innerhalb eines Jahres so oft über linke Gewalttaten in Göttingen geschrieben worden.

„Tibi“ landet bei mir auf Platz drei. Was für einen Blödsinn mussten wir im Sommer lesen. Von marodierenden Banden und einem völlig veränderten Stadtbild Göttingens schrieb der Politikwissenschaftler Bassam Tibi und sorgte für einen Aufschrei. Zahlen und Fakten für diese steile These lieferte er nicht. Göttingen sehe aus wie ein Flüchtlingslager, so Tibi, und in einem Jahr werde Göttingen eine Stadt voller Kriminalität sein. Populismus pur.

Kommen wir nun zum „Wort des Jahres“ . Auf Platz eins landet „Osterode“ . Mit der Kreisfusion von Göttingen und Osterode gelang etwas, was in Niedersachsen und Deutschland nahezu unmöglich scheint. Ein freiwilliger Zusammenschluss von zwei Verwaltungseinheiten, um sich zukunftsfähig aufzustellen. Chapeau.

„OM 10“ folgt auf Rang zwei. Keine Sorge, ich will nicht den Rechtsbruch einer Hausbesetzung legitimieren, aber dass eine Immobilie, die einer Gewerkschaft gehört, mitten in einer Stadt vor sich hingammelt, während händeringend Wohnraum gesucht wird, ist ein Skandal. Ohne die friedliche Besetzung an der Oberen Maschstraße 10 wäre der Missstand nie publik geworden.

„Die Partei“ ist auf Platz drei. Der Klamauk- und Satirepartei verdanken wir es, dass im neuen Kreistag kein Neonazi Redezeit bekommt. Mit ein paar Stimmen Vorsprung kegelte Die Partei bei der Kommunalwahl die NPD aus dem Kreistag. Danke dafür.

Und was sind Ihre Wörter und Unwörter des Jahres?

Einen schönen Ersten Advent wünscht
Ihr
Uwe Graells

Den Autor erreichen Sie unter:  u.graells@goettinger-tageblatt.de.

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