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Wolfgang Thierse fordert in Northeim klare Stimme der Kirche

Ehemaliger Bundestagspräsident spricht vor Pastoren Wolfgang Thierse fordert in Northeim klare Stimme der Kirche

Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) hat bei einer Rede in Northeim deutlichere Worte der Kirche zu gesellschaftlichen Fragen eingefordert. Der Katholik sprach vor Pastoren aus dem evangelisch-lutherischen Kirchenbezirk Hildesheim-Göttingen unter dem Titel „Angst. Macht. Mut“ zum Thema Glaube und Politik.

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Quelle: Pförtner (Symbolfoto)

Northeim. Thierse forderte die Kirche auf, sich an öffentlichen Debatten zu beteiligen. Die Kirche sei auch ein Lobbyist – hoffentlich nicht nur für die eigenen Interessen, sondern auch für die Armen, Schwachen und Stimmlosen, betonte Thierse.

Besonders in drei Bereichen sah Thierse die Stimme der Kirche gefordert: bei der Gefährdung des inneren und äußeren Friedens des Landes, bei der Verteidigung des Sozialstaates und der gesellschaftlichen Solidarität und bei Fragen, die unmittelbar die Menschenwürde und das menschliche Dasein betreffen wie etwa Gentests an Embryonen, Sterbehilfe oder Patientenverfügung.

Landessuperintendent widerspricht

Dabei sei auch die Prägnanz der Äußerungen wichtig. Das aktuelle Sozialwort der evangelischen und katholischen Kirche war aus Thierses Sicht zu wenig deutlich. Kompromisse müssten am Ende die Politiker schließen. Er selbst wolle lieber etwas, an dem er sich abarbeiten könne, so Thierse.

Dem widersprach allerdings Landessuperintendent Eckhard Gorka. Es müsse möglich sein, dass die Kirche sich zu komplexen Fragen auch komplex äußere. Die evangelische Kirche sei in sich pluralistisch und spiegele so auch die gesellschaftliche Pluralität wider.

Das Evangelium sei keine politische Lehre, sagte Thierse im Anschluss an Philipp Melanchthon. Trotzdem sei der christliche Glaube dem Anspruch nach nicht bloß geglaubter Glaube, er rufe auch in die Nachfolge.

Nützliche Angst

Die Kirche müsse sich deshalb jedoch nicht zu jedem tagespolitischen Programmpunkt äußern, aber grundlegende Werte einbringen. Die Entscheidungen in der Politik träfen dann die Parlamentarier, die häufig selbst einer Religionsgemeinschaft angehörten.

Auf dem Konvent sprach auch der Hildesheimer Psychologie-Professor Werner Greve. Er nahm vom Vortrags-Titel besonders die Angst in den Blick. Es gebe eine nützliche Angst, die uns vor Gefahren warne. Aus Angst könne aber auch Mut erwachsen. Wenn man sich der Mühe unterziehe, darauf zu blicken, was man wirklich fürchte, würden andere Dinge weniger fürchterlich.

Bei den Montagsdemonstrationen in Leipzig während der Wendezeit 1989 sei etwa „aus Angst Mut erwachsen gegen eine Macht, die Angst machen wollte“. Die Kirche sei hierfür ein sicherer und ermutigender Ausgangspunkt gewesen, auch weil es hier persönliche Vorbilder gegeben habe.

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