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Milchpreis weiter auf Talfahrt

Göttinger Landwirte hoffen auf Trendwende im letzten Jahr der EU-Milchquotenregelung Milchpreis weiter auf Talfahrt

Die Unsicherheit bei den Milchviehhaltern in der Region ist groß. Dieses Jahr fällt die Milchquotenregelung der EU endgültig. Der Markt soll es richten. Derzeit gibt es aber steigende Milchmengen, und die Preise gehen Richtung Keller.  29 Cent bekommt ein Landwirt derzeit noch für einen Liter Milch. Vor einem Jahr waren es 40 Cent.

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Die EU schafft die Milchquote ab, die Milchpreise fallen: Der Wollershäuser Milchviehalter Arno Homann hofft auf eine Wende.

Quelle: Richter

Wollershausen. 2008, beim ersten großen Milchstreik in Deutschland, war Arno Homann aus „Solidarität“ auch dabei und stoppte die Milchlieferungen. Damals gab  es nur noch 22 Cent für den Liter. Der Erfolg war begrenzt, und gegen den Markt kann man schlecht streiken. Homann hofft, dass China und Rußland künftig wieder mehr abnehmen. Der Milchpreis bildet sich auf dem Weltmarkt. „So etwas muss man aushalten“, sagt der Wollershäuser. „Man kann nicht einfach aufhören und wieder anfangen, wenn es besser ist.“

Im großen offenen Stall in Elbingen stehen rund 130 schwarz-weiße Milchkühe. Alle zwei Tage kommt der Tankwagen und holt rund 7500 Liter Milch ab. Die Qualität muss stimmen. „Wärmer als 4,5 Grad darf die Milch nicht sein, sonst gibt es Abzüge“, erklärt Homann. Das Futter für die Kühe kommt überwiegend von eigenen Flächen, nur Soja und Rapsschrot wird zugekauft. „Wir mischen selbst“, sagt Homann, um gleichbleibende Qualität zu garantieren. 50 Kilogramm Frischmasse benötigt eine 500 bis 600 Kilogramm schwere Milchkuh, um ordentlich Milch zu geben. 9000 Liter sind es im Jahre im Durchschnitt, die besten geben bis zu 12 000 Liter.

Klärschlamm kommt nicht auf die Felder. Nur Gärsubstrat als Dünger aus der Biogasanlage bei Krebeck wird abgenommen. 2000 Tonnen Gülle im Jahr kommen im Gegenzug dort in die Gärbehälter.

Homann arbeitet in einer Betriebsgemeinschaft mit zwei weiteren Höfen und seinem Bruder zusammen. Die Milchviehhaltung ist auf einen Stall konzentriert. Nachfolger sind auf allen drei Höfen allerdings nicht in Sicht. Prognosen über die Entwicklung der Milchpreise abzugeben, trauen sich derzeit auch die Experten nicht wirklich zu. „Es ist mehr wie wetten“, sagt Bernd Koch vom Nachbarhof und Mitglied der Betriebsgemeinschaft. Ob die Preise weiter runtergingen, sei Spekulation, hinzu kämen die politischen Unwägbarkeiten, sagt Homann mit Blick auf den Einfuhrstopp für landwirtschaftliche Produkte durch Russland.

Die Milcherzeugung ist in Niedersachsen wieder gestiegen, konzentriert sich aber immer mehr an der Küste. Südniedersachsen spielt kaum eine Rolle. Der Göttinger Landvolkverband vermutet, dass viele weitere Betriebe aus der Milchproduktion aussteigen werden. Nach dem Fall der Milchquote werde sich der Markt neu justieren, sagt Geschäftsführer Achim Hübner. „Es bleibt spannend.“

Info: Milch

In der Region wie in ganz Norddeutschland wird die Milch überwiegend von der DMK Deutsches Milchkontor GmbH abgenommen. Das DMK, aus dem Zusammenschluss von Nordmilch und Humana hervorgegangen, ist mit rund 9400 Milcherzeugern und Anteilseignern sowie 7158 Mitarbeitern eine der größten genossenschaftlich organisierten Molkereien in Europa. Im Landkreis Göttingen gab es der Landwirtschaftskammer zufolge 2010 noch  168 Milchviehbetriebe mit einem Bestand von 6307 Kühen.

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