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Wurden am Groner Tor in Göttingen seltene Lurche getötet?

Naturschützer kritisieren Baumfällaktion und alarmieren Ministerium Wurden am Groner Tor in Göttingen seltene Lurche getötet?

Bei Vorbereitungen für ein Sparkassen- und Hotelgebäude in Göttingen sind nach Angaben von Naturschützern streng geschützte Lurcharten getötet und Vogelgelege zerstört worden. Das Gesundheitsministerium prüft die Vorwürfe, die Göttinger Stadtverwaltung weist sie als unzutreffend zurück.

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Im kleinen verwilderten Teich der Zoologie leben Amphibien, die auch das künftige Hotelgelände an der Groner Landstraße (Hintergrund) genutzt haben.

Quelle: Schubert

Göttingen. Auf dem 7400 Quadratmeter großen Gelände des ehemaligen tierärztlichen Institutes am Groner Tor sollen ein Verwaltungsgebäude der Sparkasse Göttingen und ein Hotel gebaut werden. Im Vorfeld der Bautätigkeiten wurden am 19. März März etwa 60 alte Bäume und viele Sträucher auf dem lange brach liegenden Gelände gefällt. Zu diesem Zeitpunkt hätten bereits Vögel dort Nester gebaut, beschreibt der Vorsitzender des Vereins „Stadt und Planung“, Francisco Welter-Schultes, in einem Brief an das Niedersächsische Gesundheitsministerium die Situation. Nach der Göttinger Baumschutzsatzung aber müsse vor solchen Aktionen nach dem 1. März „gewissenhaft geprüft“ werden, ob Vögel in Bäumen und Sträuchern nisten. Dies sei nach seinen Informationen offenbar nicht geschehen beziehungsweise von der Stadtverwaltung veranlasst worden.

 

Zugleich werfen die Vereinsmitglieder den Initiatoren des Bauprojektes und beauftragten Firmen vor, mit schweren Fahrzeugen auf großer Fläche „praktisch alle Tiere, die sich im Boden befanden, getötet zu haben“. Davon betroffen seien vor allem seltene Amphibien, die überwiegend in einem kleinen Teich auf dem benachbarten Grundstück der Zoologie unmittelbar an der Grundstücksgrenze leben. Ihr Lebensraum an Land auf dem Baugelände sei vernichtet worden und ihre Population bereits „stark gesunken“. Dazu zählten die Schwanzlurcharten Teichmolch, Bergmolch und Nördlicher Kammmolch. Sie gehörten zu den geschützten Arten, letztgenannter zu den streng geschützten. Kritisch eingeschaltet hat sich inzwischen auch die Göttinger Naturschutzbeauftragte Britta Walbrun mit einer Anfrage an die Stadtverwaltung.

 

Der Sprecher der Verwaltung, Detlef Johannson, weist die Vorwürfe zurück. Im Vorfeld des Bauprojektes habe es eine Umweltverträglichkeitsprüfung gegeben. Dabei seien keine Vogelgemeinschaften festgestellt worden, die in ihrem Bestand gefährdet seien. In den bekannten Baumhöhlen sei kein Brutgeschäft entdeckt worden. Und: „Ebenso konnte eine Nutzung der Gehölzbereiche als Landlebensraum für Amphibien ausgeschlossen werden.“ Auf diese Untersuchungen bezieht sich auch der Investor und weist die Vorwürfer ebenfalls zurück. Das Ministerium hat sich gegenüber dem Tageblatt bisher noch nicht dazu geäußert.

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