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Zäher Prozess gegen mutmaßlichen Drogendealer in Göttingen

66 Verhandlungstage Zäher Prozess gegen mutmaßlichen Drogendealer in Göttingen

Ein ungewöhnlich langer und zäher Prozess beschäftigt das Landgericht. Seit eineinhalb Jahren verhandelt eine Strafkammer gegen einen 48-jährigen Mann aus Bulgarien. Der Angeklagte soll Drahtzieher eines Heroinschmuggels gewesen sein, der im Herbst 2011 aufgeflogen war.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Die Polizei hatte damals am Kaufpark die Übergabe von vier Kilo Heroin vereitelt, die ein Kurier aus Bulgarien geschmuggelt hatte. Bereits vor drei Jahren hat das Landgericht den Bulgaren und zwei Mittäter aus Litauen zu Haftstrafen zwischen dreieinhalb und viereinhalb Jahren verurteilt. Der Prozess gegen den mutmaßlichen Hintermann tritt dagegen auf der Stelle – auch nach 66 Verhandlungstagen.

 
Die Polizei hatte von dem Drogentransport durch abgehörte Telefonate erfahren und bei der Übergabe zugegriffen. Die drei Mittäter hatten vor Gericht die Anklagevorwürfe eingeräumt. Ohne die Geständnisse, so der Richter damals, wären die Haftstrafen deutlich höher ausgefallen. Über die Hintermänner des Drogenschmuggels machten sie keine Angaben. „Ich möchte nicht zur Beerdigung meiner Kinder nach Bulgarien fahren“, soll einer der Angeklagten gesagt haben. Im Zuge weiterer Ermittlungen stießen bulgarische Fahnder auf den 48-Jährigen. Nach seiner Verhaftung wurde er im Juli 2013 ausgeliefert, seitdem sitzt er hier in Untersuchungshaft.

 
Zu Beginn hatte das Gericht mehrere Zeugen aus Bulgarien vernommen. Ein Ermittler wurde dazu befragt, warum die dortigen Fahnder überzeugt sind, dass die Stimme auf den abgehörten Telefonaten dem Angeklagten zuzuordnen ist. Anträge der Verteidigung, einen früheren Minister sowie bulgarische Staatsanwälte und Richter zu hören, lehnte die Kammer ab.

 
In den vergangenen Monaten haben die Verteidiger – zwei Rechtsanwälte aus Frankfurt und Potsdam sowie eine Anwältin aus Bulgarien – eine Vielzahl an Beweis- und Befangenheitsanträgen gestellt. Ungewöhnlich an dem Prozess ist auch, dass zwei Dolmetscherinnen im Einsatz sind: Eine hat das Gericht bestellt, die andere arbeitet im Auftrag der Verteidigung.

 
Zwischendrin schien ein Ende in Sicht zu sein. Die Staatsanwaltschaft hat bereits zweimal plädiert und acht Jahren Haft gefordert. Beide Male musste das Gericht aufgrund neuer Anträge der Verteidigung wieder in die Beweisaufnahme eintreten. Jetzt will die Kammer Fristen setzen, innerhalb derer Beweisanträge zu stellen sind. Die Verteidiger reagierten darauf mit einer 158-seitigen Stellungnahme.

 

Von Heidi Niemann

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