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Zahl der Drogentoten in Göttingen gestiegen

14 Menschen im Jahr 2015 Zahl der Drogentoten in Göttingen gestiegen

Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist 2015 deutlich gestiegen. Dieser traurige Trend spiegelt sich auch in der Statistik der Göttinger Polizei wider. Demnach sind in der Universitätsstadt im vergangenen Jahr 14 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums gestorben – fünf mehr als ein Jahr zuvor.

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Beschlagnahmtes Kokain.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Diese Entwicklung registriert auch das Drogenberatungszentrum Göttingen. Allein in diesem Jahr seien bereits fünf Drogentote zu beklagen, sagt Mitarbeiterin Corinna Hilker. In den vergangenen zehn Jahren seien in Göttingen 66 Menschen an einer Überdosis oder Folgeschäden durch dauerhaften Drogenkonsum gestorben. Sie könne zwar keinen Vergleich zu den Vorjahren anstellen, „da wir die Todestage der Klienten nicht notieren, sondern nur deren Namen“. Es sei aber in den vergangenen drei Jahren „ein gefühlt deutlicher Anstieg zu verzeichnen“, so Hilker. Zudem zähle die Einrichtung nur die Drogentoten, „die uns in der Beratungsstelle bekannt waren. Das heißt aber nicht, dass es nicht noch mehr Tote in Göttingen gab“.

Verbreitetsten Drogen: Cannabis und Medikamente

Die verbreitetsten Drogen in Göttingen sind neben Alkohol und Nikotin weiterhin Cannabis und Medikamente, gefolgt von Amphetaminen und Opiaten. Die Party-Droge Crystal Meth (Methamphetamin) spiele in Göttingen im Vergleich zu anderen Städten hingegen kaum eine Rolle, so Hilker. Die Polizei verweist ferner noch auf die Designerdroge MDPV (Methylendioxypyrovaleron).

Gedealt wird in Göttingen nach Kenntnis des Beratungszentrums hauptsächlich mit Cannabis, Amphetaminen und Medikamenten (Lyrika, Benzodiazepepam und Substitutionsmitteln) – das allerdings immer seltener auf der Straße oder in Parks. „Neues Medium, um an illegale Substanzen zu gelangen, ist auf jeden Fall das Internet. Dort kann man ohne viel Vorwissen an alle gängigen Substanzen gelangen“, erklärt Hilker. Damit verlagere sich auch der Konsum in die Privatwohnungen.

Heroin spielt in Göttingen kaum eine Rolle

Heroin spielt in Göttingen nach Angaben von Hilker kaum noch eine Rolle. Göttingen habe im Vergleich zu vielen anderen Städten eine große Auswahl an Substitutionsärzten und Kliniken. Daher habe der Konsum von Heroin im Vergleich zu den 90er-Jahren extrem abgenommen. „War dies früher die Hauptdiagnose, so gab es Anfang 2000 einen Wechsel. Cannabis ist hier in der Beratung seither als Hauptdiagnose zu verzeichnen“, sagt Hilker. Zudem seien viele Heroin-Abhängige auf MPDV umgestiegen, ergänzt Polizeisprecherin Jasmin Kaatz. Die Fallzahlen „MDPV“ bewegten sich „stabil auf einem hohen Niveau“.

Am 21. Juli ist der „Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige“. Zu diesem Anlass ist das Drogenberatungszentrum an diesem Donnerstag mit einem Stand am Göttinger Gänseliesel von 10 bis 13.30 Uhr vertreten.

Angebot des Drogenberatungszentrums

Trotz des sinkenden Heroin-Konsums bietet das Drogenberatungszentrum bietet weiterhin das Tauschen von alten Spritzen und Nadeln gegen neue an, um der Ausbreitung von Hepatitis und HIV vorzubeugen. Im vergangenen Jahr wurden demnach 3238 alte Spritzen und 6099 alte Kanülen zurückgebracht sowie 3887 neue Spritzen und 6987 neue Kanülen ausgeteilt.

Beratungsgespräche

Das Göttinger Drogenberatungszentrum hat im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 3477 Beratungskontakte mit Opiatabhängigen geführt. Hinzu kommen 2141 Beratungen zu sonstigen Drogen und knapp 9000 Besucherkontakte im Kontaktladen. Das Drogenberatungszentrum Göttingen, Mauerstraße 3b, ist unter Telefon 0551/45033 zu erreichen.

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