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Täglich ein verletztes Kind

Zunehmend Unfälle beim Trampolin-Springen Täglich ein verletztes Kind

Immer mehr Kinder verletzten sich beim Trampolinspringen. "Wir behandeln in den Sommermonaten täglich ein Kind oder einen Jugendlichen, der sich dabei verletzt hat", sagt Christopher Spering, Unfallchirurg der Universitätsmedizin Göttingen. „Die Gefahr beim Trampolinspringen wird unterschätzt,“ sagt er.

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Macht Kindern Spaß, aber die Gefahr ist nicht zu unterschätzen: Trampolinspringen.

Quelle: dpa

Göttingen. Spering, der die Arbeitsgemeinschaft Prävention der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) leitet, beobachtet zudem, dass die Zahl von Jahr zu Jahr steigt. Eine Studie von deutschen Orthopäden und Unfallchirurgen zeige, dass sich die Zahl der Trampolinunfälle bei Kindern im Alter bis zu 18 Jahren seit etwa 15 Jahren bundesweit mehr als verdreifacht hat. Rund 28 Prozent der Verletzungen infolge eines Trampolinunfalls sind demnach schwer. Dazu zählen Brüche der Arme und Beine sowie der Wirbelsäule. "Es gibt durchaus bedrohliche Fälle", sagt Spering. Der Göttinger Mediziner berichtet von einem 17-Jährigen, der sich beim Salto springen schwer verletzte und mit einer behandelbaren und damit vorübergehenden Querschnittslähmung in der UMG versorgt wurde.

Am häufigsten brechen sich Kinder am Trampolin den Unterarm. Das ist auch der sechsjährigen Wolke Marie passiert. Das Mädchen, so berichtet ihr Vater Sandy Müller, habe sich beim Herausklettern aus dem Trampolin im heimischen Garten mit dem Fuß verheddert und stürzte. "Dem Kind geht es wieder gut, sie springt schon wieder Trampolin", so der Vater.

Zu den leichten Verletzungen, so die DGU, zählen mit einem Anteil von etwa 70 Prozent vor allem Verstauchungen des Sprunggelenkes, Prellungen und Gehirnerschütterungen. Auch Verstauchungen der Wirbelsäule sowie des Hand- und Kniegelenkes treten auf.

Etwa 80 Kinder und Jugendliche wurden im vergangenen Jahr in der Klinik für Unfallchirurgie der UMG behandelt. Tendenz steigend.

Grund für die jährlich um etwa drei Prozent ansteigende Unfallzahl sei einerseits die gelichzeitig weiter steigende Zahl von Trampolinen, sagt Spering. Kindern und deren Eltern sei aber auch vielfach nicht bewusst, dass ein Trampolin kein Spiel-, sondern ein Sportgerät ist. Kinder sollten es nur unter Aufsicht benutzen.  "Ein Trampolin ist kein Babysitter", sagt er.

Denn: Auf dem Trampolin gelangen Kinder zum Teil meterhoch in die Luft und erreichen hohe Sprunggeschwindigkeiten. Schnell können sie dabei die Kontrolle über ihren Körper verlieren. Kommt es dadurch zu einem ungünstigen Aufprall, so teilt die DGU mit, wirken enorme Kräfte auf den Körper – Verletzungen sind die Folge. Am gefährlichsten sind laut der Studie dabei Stürze auf den Boden, gefolgt von Stürzen auf den Trampolinrand und die Stahlfedern sowie Zusammenstöße mit anderen Kindern. Eine Vielzahl von Unfällen entsteht, wenn sich mehrere Kinder auf dem Trampolin befinden. „Jedes Kind hat einen anderen Sprungrhythmus.

Springen zwei Kinder gemeinsam, führt das fast zwangsläufig zu unkontrollierten Sprüngen oder Zusammenstößen“, so Spering. Besonders gefährlich sei es, wenn Kinder unterschiedlichen Alters und Gewichts gemeinsam springen. „Durch den Gewichtsunterschied kommt es zu einem Energietransfer, der das leichtere Kind mitunter unkontrolliert durch die Luft fliegen lässt. Auch deshalb gehören Babys und Kleinkinder nicht auf das Trampolin“, ergänzt der Unfallchirurg.

Dennoch: "Trampolinspringen ist gesund", sagt Spering. Die DGU empfehle es, denn Bewegung sei für Kinder wichtig. Ebenso wichtig sei es, ein paar Tipps einzuhalten.

Tipps zum sicheren Trampolinspringen

  • Kinder sollten erst ab dem sechsten Lebensjahr vorsichtig an das Trampolinspringen herangeführt werden. Kleine Kinder sind besonders verletzungsgefährdet.
  • Kinder beaufsichtigen: Eltern sollten ihre Kinder beim Springen immer beaufsichtigen.
  • Allein springen: Springen mehrere Personen gleichzeitig, besteht Verletzungsgefahr durch einen Zusammenstoß.
  • Keine Saltos: Gewagte Sprünge sind tabu. Dabei vor allem die Wirbelsäule verletzungsgefährdet.
  • Mittig springen: Kinder sollten zum Springen und Landen die Mitte des Sprungnetzes nutzen.
  • Schuhe ausziehen: Am besten springen Kinder barfuß oder mit Socken.
  • Kein Spielzeug: Spielzeuge wie Bälle haben auf dem Trampolin nichts zu suchen, denn sie erhöhen die Unfallgefahr.
  • Technische Sicherheit des Trampolins regelmäßig überprüfen: Trampoline müssen seit 2015 der EU-Norm für Spielzeugtrampoline entsprechen (EN 71-14:2014). Zu den Sicherheitsanforderungen gehören beispielsweise ein Außennetz oder Polsterungen. Oftmals stehen Trampoline über Jahre Sommer wie Winter draußen und sind UV-Strahlung bzw. Kälte ausgesetzt. Verwitterte Netze und Abdeckungen erhöhen jedoch das Sicherheitsrisiko.
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