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70 Borreliose-Fälle bislang

Zecken-Gefahr im Raum Göttingen 70 Borreliose-Fälle bislang

Zecken haben zur Zeit Saison, vor allem Hundebesitzer beobachten ein erhöhtes Aufkommen der Blutsauger. Die Mediziner des Instituts für Medizinische Mikrobiologie der Unimedizin Göttingen (UMG) allerdings beobachten keine auffällige Zunahme an Erkrankungen, die durch Zeckenstich übertragen werden.

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Göttingen. Zecken können nicht nur unangenehm werden wenn sie stechen und sich in der Haut festsetzen, sie können auch gefährliche Krankheiten übertragen. In Göttingen und Südniedersachsen ist einer der beiden Zecken-Infektionen möglich: die mit Borrelien. "Etwa jede dritte Zecke in Göttingen enthält Borrelien", sagt Uwe Groß, Professor und Leiter des Instituts für Mikrobiologie. "Im  Raum Göttingen haben wir bislang in diesem Jahr an der UMG bisher bei mehr als 70 Patienten einen serologischen Anhalt für eine frische Borreliose festgestellt.", erklärt der Mediziner. Hinzu komme nochmals etwa die gleiche Anzahl an Patienten mit früher durchgemachten oder bestehenden Borreliose.

Die Zahl liege in etwa so hoch wie in den Vorjahren. Das feuchtwarme Wetter der vergangenen Tage kommt den Spinnentieren zu Gute, Trockenheit mögen sie nicht. "Die Wüste wäre der Tod für Zecken", sagt der Mediziner. In Südniedersachsen aber leben sie. Setzt sich eine Zecken am Menschen fest und sticht zu, kann sie die Erreger übertragen. Allerdings dauert es einige  Stunden, bis die Borrelien aus dem Darm der Zecke in den Menschen gelangen. Wer die Zecke also wenige Stunden nach dem Stich vorsichtig entfernt, hat ein  geringes Infektions-Risiko. Nach einem Aufenthalt in Wald und Flur sollte man sich am ganzen Körper absuchen um einen Zeckenbefall auszuschließen.

Eine Borreliose kann unterschiedliche, manchmal grippeähnliche Symptome hervorrufen. Groß nennt "Kopfschmerzen, ein auffälliges EKG und Gesichtslähmung" als schwere Folgen, die auch noch nach langer Zeit nach dem Stich auftreten können. Ein sichereres Anzeichen für Borreliose ist die Wanderröte, die im Monat nach dem Stich auftreten kann aber nicht muss. Sie ist eine runde, rote Stelle an der Einstichstelle. "Auffällig ist, dass der Rand der Wanderröte stärker gerötet ist als die Mitte", sagt Groß. Und sie wandert. Tipp vom Medizinprofessor: "Den Rand mit einem Kugelschreiber markieren. Ist die Rötung am nächsten Tag gewandert, sollte man den Arzt aufsuchen". Borreliose ist in der Regel behandelbar. In einigen Bundesländern, nicht aber in  Niedersachsen ist eine Borreliose meldepflichtig. "Ich wäre aber dafür", sagt Groß.

Impfung gegen FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)

Die Hirnhautentzündung FSME wird ebenfalls von Zecken übertrage. Sie ist kaum behandelbar und kann schwerwiegende gesundheitliche Probleme verursachen. Aber: Gegen FSME gibt es eine Impfung. In Südniedersachsen ist bislang kein Fall einer Übertragung bekannt, sagt Wissenschaftler Groß. FSME wird in so genannten Endemie-Gebieten durch Zeckenstich übertragen. Zu diesen Gebieten zählen weite Teile Süddeutschlands. In Niedersachsen, so Groß, seinen bislang vier Fälle einer FSME-Übertragung nachgewiesen worden.

Das seien zwar Einzelfälle, es sei aber nicht auszuschließen, dass eine Übertragung möglich ist.  Etwa 200 Menschen erkranken pro Jahr an der Hirnhautentzündung. Erstmals, so Groß, sei auch in Fall in den Niederlanden nachgewiesen, über Vögel sei das Virus zudem nach  Skandinavien gelangt. Wer in einem FSME-Gebiet Urlaub in der Natur plant, sollte sich mit einigen Wochen Vorlauf impfen lassen, rät der Mediziner.

Schutz für Tiere

"Es gibt wohl in diesem Jahr etwas mehr Zecken als im vergangenen Jahr", sagt eine Mitarbeiterin der Kleintierklinik des tierärztlichen Instituts der Uni Göttingen. Die Tierärzte dort beobachten, dass Hunde und Katzen derzeit häufig von Zecken befallen sind. Tierarzt René Rautenberg aus Duderstadt, sagt: "Das ist in dieser Jahreszeit eigentlich immer so". Er rät auf jeden Fall zu einem Zeckenschutz bei Hunden und Katzen. Hunde könnten sich durch einen Stich mit Bakterien - mit Anaplasmen oder Rickettsien infizieren. Katzen erkrankten selten an Infektionen, die von Zecken übertragen werden. "Aber sie können die Zecken in die Wohnung tragen". Er empfiehlt zwei Methoden, die verhindern, dass sich Zecken auf dem Tier festsetzten: Zeckenhalsbänder oder so genannte "Spot-on"-Wirkstoffe, die ins Fell geträufelt werden. Informationen dazu erteilt jeder Tierarzt.

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