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Zehn Monate Haft für marokkanischen Seriendieb aus Göttingen

Verurteilung mit Signalcharakter Zehn Monate Haft für marokkanischen Seriendieb aus Göttingen

Dieses Urteil gegen einen Asylbewerber soll Signalwirkung haben. "Generalprävention" nennt das die Justiz. Es soll verdeutlichen, dass in Deutschland Diebstahl bestraft wird. Ein 28 Jahre alter Seriendieb aus Marokko muss zehn Monate hinter Gitter. Sofort wurde Haftbefehl gegen ihn verhängt.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Schon der Prozess selbst war ein Signal: beschleunigtes Verfahren. Die letzte Tat am 11. Januar, dann die Festnahme, der Untersuchungs-Haftbefehl, das Geständnis, Prozess binnen einer Woche, Urteil nach zweistündiger Hauptverhandlung und sofortige Rückkehr ins Gefängnis.  "Ich möchte nach Hause", jammert der frisch Verurteilte zum Schluss. Er meint Marokko, das er vor gut viereinhalb Jahren verlassen hat.

Der 28-Jährige war 2011 mit Visum nach Frankreich eingereist. Dort hielt er sich vier Jahre auf. Seit November 2014 lebt er in Deutschland und hat Asylantrag gestellt. Schon seit Januar 2015 gibt es polizeiliche Erkenntnisse. Meist sind es Diebstähle - etwa die Hälfte aller bisher 52 registrierten Straftaten. Hinzu kommen Beleidigung auf sexuellem Niveau, Betrug, Erpressung, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch. Zusammen mit anderen jungen nordafrikanischen Männern, trägt im Gericht ein Hauptkommissar vor, habe der Angeklagte die Flüchtlingsunterkunft Voigtschule "aufgemischt". Immer wieder seien ihm deshalb andere Unterkünfte zugewiesen worden, mit denen er nicht zufrieden gewesen sei. Zum Schluss sei er obdachlos gewesen.

Angeklagt sind 13 Ladendiebstähle und zwei Sachbeschädigungen. In Göttinger Kaufhäusern von Real über Kaufland, Rewe, Aldi und Kick bis C&A hat der 28-Jährige Waren gestohlen. Teils Lebensmittel und Alkohol zum Selbstverzehr, teils Kleidung, aber auch in einem Fall für 464 Euro Parfüm. In einem Fall hat er aus Wut, dass ihm eine andere Wohnung zugewiesen wurde, ein willkürlich ausgewähltes Auto mit einem Stein zertrümmert: 3000 Euro Schaden. In einem anderen Fall hat er die Glastür einer Hausmeisterwohnung eingeworfen. Und ein Teil der Taten geschah, als ihn gerade das Amtsgericht Hannover wegen Einbruchs in einen Handy-Laden zu 120 Tagessätzen Geldstrafe verurteilt hatte.

Er gibt alles zu, behauptet, nicht zu wissen, warum er das getan habe, und gibt sich als krank. "Ich denke, ich bin nicht normal." Das Gericht aber hat keinen Grund zu glauben, dass etwas Pathologisches vorliegt. Er sehe "einfach nur pure Dissozialität" sagt Richter Ehsan Kangarani. Er geht mit seinem Urteil über das hinaus, was Amtsanwältin (sieben Monate) und Verteidiger (sechs Monate auf Bewährung) beantragen. Aus Gründen der Generalprävention sei eine Freiheitsstrafe nötig, die auch vollzogen werden müsse, "damit er versteht, dass auch in Deutschland Diebstahl verboten ist". Denn bei der Polizei hatte sich der Angeklagte noch behauptet, es hätten ja andere Kunden gesehen, dass er die Sachen genommen habe. Dann sei das ja kein Diebstahl. Er ist zwar in einem marokkanischen Dorf aufgewachsen und aus der vierten Klasse Grundschule entlassen worden, nach Jahren in Europa wisse er aber schon, dass Diebstahl bestraft wird, ist sich der Richter sicher - und verhängt gleich den nächsten Untersuchungshaftbefehl. Denn in den zwei Tagen zwischen letzter verurteilter Tat und Festnahme hatte der Marokkaner noch weitere sechs Mal gestohlen.

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