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Zehn Stolpersteine erinnern in Göttingen an NS-Opfer

Nachfahren wohnen Verlegung bei Zehn Stolpersteine erinnern in Göttingen an NS-Opfer

Erstmals sind in Göttingen im öffentlichen Raum zehn Stolpersteine zur Erinnerung an jüdische Opfer der nationalsozialistischen Diktatur verlegt worden. Die Gedenksteine im Straßenpflaster erinnern an drei Familien, deren Mitglieder erniedrigt, entrechtet und ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte die Steine jeweils vor den ehemaligen Wohnhäusern der Familien.

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Gunter Demnig verlegt in der Groner Straße vor dem ehemaligen Haus der Familie Katz Stolpersteine

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Reden und Klarinetten-Musik von Yoko Teuteberg sorgten für einen feierlichen Rahmen. Knapp 200 Besucher wohnten der Zeremonie bei, darunter auch Nachfahren der Familien. „Das ist ein guter Anfang, aber nur ein Anfang“, meinte der Vorsitzende der Gesellschaft für jüdisch-christliche Zusammenarbeit, Heiner J. Willen. Er kündigte für das nächste Frühjahr die Verlegung von weiteren Stolpersteinen an. Von einer beeindruckende Weise, der NS-Opfer zu gedenken, sprach Göttingens Sozialdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck (SPD). Demnig hat in Deutschland und weiteren europäischen Ländern bereits rund 50 000 Stolpersteine verlegt.

In Göttingen würdigten die Historiker Prof. Peter Aufgebauer und Dr. Rainer Driever das Leben der Familie Asser und des Malers Hermann Hirsch, deren Gedenksteine im Papendiek 26 und in der Weender Landstraße 12 liegen. Nach einer langen Reihe von Demütigungen in Göttingen wurden fünf Mitglieder der Familie Asser 1942 in das Ghetto von Warschau deportiert und dort ermordet, darunter die beiden Jugendlichen Kurt und Lissy. Der Maler Hermann Hirsch setzte nach vielen Erniedrigungen seinem Leben 1934 selbst ein Ende. Nicht nur Nachfahren, auch Zeitzeugen aus Göttingen waren bei der Verlegung am Dienstag dabei, so die 87-jährige Erika Mischke, die als Kind mit Lissy Asser gespielt und sie um ihre dicken schwarzen Zöpfe beneidet hatte.

Dirk Mederer von der Supporters Crew 05 würdigte in der Groner Straße 9 das Leben der Familie Katz, die auf vielfältige Weise in Göttingen verwurzelt und engagiert war. Die Eltern betrieben ein Textilgeschäft in der Groner Straße, Sohn Ludolf engagierte sich unter anderem beim Fußballverein Göttingen 05. Bis zuletzt, so Mederer, hätten die Eltern nicht wahrhaben wollen, „dass sie ihrer Existenz beraubt werden sollten“. Das bezahlten sie mit ihrer Deportation und dem Tod. Die Kinder dagegen konnten rechtzeitig emigrieren.

Aus der US-Hauptstadt Washington war der Sohn von Rosa Katz, Ralph Ibson, mit seiner Verlobten und seiner Tochter nach Göttingen gereist. Der 69-Jährige zeigte sich bewegt von der Gedenkstein-Verlegung, die ihm sehr viel bedeute. Es sei wichtig zu wissen, dass an die Tragödie der Vergangenheit erinnert werde und dass die Menschen verstehen, dass so etwas nie wieder passieren dürfe. Die zwei wichtigsten Worte kann Ibson auch auf Deutsch sagen: „Nie wieder!“

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