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Zeit für Zeitzeichen ist längst abgelaufen

Uhrentürmchen Zeit für Zeitzeichen ist längst abgelaufen

An Kirchtürmen sind sie selbstverständlich. Doch nicht selten sind sie auch an anderen Gebäuden zu finden – Uhrentürmchen. Allerdings sind die Zeiten, in denen die öffentlichen Zeitzeichen für die Bevölkerung nützlich waren, abgelaufen. Viele Uhren sind nicht mehr in Betrieb, an anderen erstrahlen dagegen sogar nachts Ziffern und Zeiger.

So richtig schön sieht das Uhrentürmchen auf der Halle der Autobahnmeisterei an der Kasseler Landstraße eigentlich nur bei Nacht aus, wenn die beleuchteten Ziffernstriche und Zeiger die Zeit anzeigen. Tagsüber macht das mit Holz und Blech verkleidete Türmchen mit der Kugel auf der Spitze einen eher verwitterten Eindruck. Die elektrisch betriebene, ferngesteuerte Anlage stammt von 1937, als die Halle neu gebaut wurde. Heute steht sie übrigens unter Denkmalschutz.

Zeitmesser an exponierter Lage finden sich auch an früheren Kasernengebäuden. Auf den Zietenterrassen etwa befindet sich über dem Haupteingang des einstigen Wirtschaftsgebäudes der früheren „Kaserne auf dem Lohberg“ eine Uhr. Die besser unter dem Namen Zieten-Kaserne bekannte Militäranlage entstand 1937, und damit wohl auch die Uhr über dem Eingang des Baus in der heutigen Hannah-Vogt-Straße. Heute ist die Uhr an dem mit rötlichen Schindeln verkleideten quadratischen Türmchen nicht mehr in Betrieb. 

Ebenfalls ein Türmchen – wenn auch ein kleines – gab es am einstigen Wirtschaftsgebäude der früheren Artillerie-Kaserne in Weende. Das Gebäude samt Uhrentürmchen ist im Bereich des Weender Krankenhauses, wo sich einst die Kaserne befand, heute nicht mehr zu finden.

An das Logo der Fluggesellschaft Lufthansa erinnert die Wetterfahne auf dem Uhrenturm an der Grätzelstraße. Das mag daran liegen, dass das Gebäude Teil des Fliegerhorstes (mit Luftzeugamt) in Grone war, der ab 1934 gebaut wurde. Bei dem Turm auf dem ehemaligen Unterkunftsgebäude des Luftnachrichtenzuges, das heute von der Geschwister-Scholl-Gesamtschule (KGS) genutzt wird, handelt es sich um eine Holzständerkonstruktion, die mit Glas verkleidet ist. An allen vier Seiten ist das Türmchen mit einer Uhr versehen, die jedoch seit Jahren nicht mehr in Betrieb ist. „Der Kostenaufwand für eine Reparatur“, erläutert Stadtsprecher Detlef Johannson, sei „angesichts der gesunkenen Bedeutung dieser Form der öffentlichen Zeitanzeige nicht angemessen“.

Konstant 12 Uhr

Gleiches gilt für den Uhrenturm auf der Käthe-Kollwitz-Schule am Stadtstieg. Der Bau wurde 1957 als Schulgebäude eröffnet. Die Käthe-Kollwitz-Schule gilt als älteste der „neuen Schulen“ in Geismar. Die Zeiger der auf silbern schimmernder Blechverkleidung montierten Uhr stehen auf 12 Uhr.

Schwarze römische Ziffern auf weißem Grund zieren die Uhr am Turm des Alten Rathauses zum Markt hin. Umgeben ist sie von einem goldenen Kranz stilisierter Sonnenstrahlen. Der Sockel des sechseckigen Türmchens ist mit Schiefer verkleidet. Unter der sich nach oben verjüngenden Spitze befindet sich eine Holzbogen-Konstruktion, hinter der sich eine Glocke befindet. Es handelt sich um eine elektrisch angetriebene und nachts beleuchtete Uhr, die über ein Funksignal gesteuert wird. Die städtischen Hausmeister achten darauf, dass die Rathaus-Uhr auch funktioniert.

Antrieb durch VW-Motor

Nicht nur öffentliche Gebäude sorgten einst für eine Zeitanzeige. Auch Göttinger Unternehmen hatten an ihren Bauten weithin sichtbare Uhren. Eine ist etwa die Uhr am Himmelsruh-Turm in Geismar. Diese wird durch einen VW-Motor angetrieben und funktioniert bis heute. Der quadratische Turm wurde laut Gedenktafel 1925 von Ernst Geismarus Ruhstrat erbaut. Die gleichnamige Göttinger Firma hatte den Turm – Teil des ehemaligen Ruhstratschen Familienanwesens – für Versuche mit Blitzableitern genutzt. Gekrönt wird der Himmelsruh-Turm von einer Wetterfahne, auf dem „Himmelsruh“ zu lesen ist.

Britta Eichner-Ramm

Geschichte(n) öffentlicher Uhren

Die Stadt Göttingen betrieb früher eine „Centraluhrenanlage“, die sich laut Akten im Stadtarchiv an der Sternwarte befand. 1890 waren an die elektrische Anlage zwei Kirchturmuhren, die Uhren von zwei Kasernen sowie die elektrischen Zeigerwerke des Rathauses und des Bahnhofes angeschlossen. Öffentliche Uhren hatten seinerzeit einen hohen Stellenwert. Funktionierte zum Beispiel die Bahnhofsuhr nicht, fuhren Busse nicht pünktlich ab. Schwierigkeiten machte 1908 auch ein mehrtägiger Ausfall der Beleuchtung der Rathausuhr. In einem Schreiben nennt das Städtische Elektrizitätswerk  den Grund: „… da … vor den Feiertagen die Herausgabe des Rathausschlüssels verweigert worden ist…“, sei ein Zutritt zum Schaltraum nicht möglich gewesen. Ab 1927 erhielt die Stadt Angebote von Firmen, Reklame-Uhrensäulen an öffentlichen Plätzen aufzustellen. Die Uhrenfabrik Wagner etwa warb mit Modellzeichnungen um den Auftrag. Probleme gab es zunächst aber, weil die Stadt mit einer heimischen Firma Werbeverträge hatte. Die Verhandlungen zogen sich hin. Im Oktober 1930 zog Wagner sein Angebot zurück – aufgrund der „jetzt so zugespitzten Wirtschaftslage, die natürlich auch die … Geschäftswelt zur äussersten Zurückhaltung in ihren Dispositionen bestimmen wird…“                            be

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