Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Zeitgeschichte im Göttinger Schützenhaus

Briefmarkenbörse Zeitgeschichte im Göttinger Schützenhaus

Es ist ein sterbendes Hobby: Das räumen die Göttinger Briefmarkensammler ein. Am Sonntag haben sie ihre Tauschbörse im Schützenhaus veranstaltet. Der etwas angestaubte Flirt-Versuch  „Möchtest du meine Briefmarkensammlung sehen?“ gehört damit wohl der Vergangenheit an.

Voriger Artikel
Neuer ärztlicher Direktor an Göttinger Klinik
Nächster Artikel
Göttingen landet im Städteranking im Mittelfeld

Fachsimpeln im Göttinger Schützenhaus.

Quelle: Heller

Göttingen. „Unser jüngstes Mitglied ist 41 Jahre alt“, sagt Udo Maier, der gemeinsam mit Helmut Prilop am Eingang steht.  Die älteren Herren, die sich am Vormittag im Saal treffen, eint eins: Eine Leidenschaft für feines, buntes Papier. Denn es sind längst nicht nur Briefmarken, die dort angeboten werden. Historische Postkarten und Briefe erzählen ebenso von längst vergangenen Zeiten, wie die Wertzeichen selbst.

Relikte aus früherer Zeit

Nicht nur ein Zeiten von Whats-app und Snapchat sind Dinge wie „QSL-Karten“ oder „Lagerkarten“ mit Hitler-Briefmarken Relikte, die außerhalb der Sammlerszene kaum jemand kennt. Eine QSL-Karte, die Hans-Jürgen Thiel im Angebot hat, zeigt Göttingen. Auf der Rückseite sind seltsame Felder zu sehen. Funker, die einst jemanden in aller Welt anfunkten, haben solche Karten verschickt, als Betätigung für den Funkkontakt. Heute sind das zwei blaue Häkchen im Chat. Thiel ist seit mehr als 30 Jahren Sammler.

Auch Rolf Wiechert nebenan hat das Rentenalter längst erreicht. „Ich verkaufe die Sammlung meiner Frau“, sagt er. Sie habe schon länger kein Interesse mehr an der Briefmarken-Sammlerei. Aber in seiner Familie gibt es gibt es Hoffnung. Wiecherts neunjähriger Enkel zeigt Interesse am Hobby des Opas.

Mehr noch als die Briefmarken aber fasziniert den Jungen die der Modellautosammlung des Großvaters. Wichert ist Sammler aus Leidenschaft. „Ich mache das ja nicht fürs Geld, ich mache das fürs Herz“. „Hier“, sagt er und klopft sich auf auf die Brust.

Nichts, was es nicht gibt

Dabei sind einige der kleinen bunten Marken, die heute im Angebot sind,  nicht ganz billig. 200, 300 oder mehr Euro sind auch einige der Stücke wert die Karl-Heinz Offen in seinen Alben anbietet. Ein Vierer-Bogen von 1933 zum Beispiel. Offens besondere Sammelvorliebe klingt für den Laien recht speziell: „Ich sammle die Ecken von Großbögen“, sagt er. Also vier Marken von einem Bogen, der eigentlich aus 100 Briefmarken besteht. Offen liebt die Vielfalt der kleinen bunten Stückchen Zeitgeschichte. „Es gibt nichts, was es nicht auf Briefmarken gibt – von Fisch bis Schiff“,

Was es alles gibt: „Esst mehr Vollkornbrot“ und ähnliche Werbebotschaften wurden in den 30er- und 40er-Jahren auf Briefe gestempelt. Einen Satz davon hat Jürgen Soter erstanden. Einer der wenigen jüngeren Kunden. Eigentlich sammelt er Briefe und Karten, die einen Stempel  aus einem Ort des Werra-Meißner-Kreis tragen.

Tauschen und fachsimpeln

Seit 1926 seien in jedem kleinen und großen Ort eigene Stempel verwendet worden. Soter hat aus fast jedem Werra-Meißner-Postamt bereits ein Exemplar in seiner Sammlung.

So suchen, tauschen und fachsimpeln die Sammler. „Die Leute, die hier stehen, verkaufen meist ihre Doubletten“, sagt Maier. „Ich selbst habe mit dem Sammeln aufgehört“. Noch, so sagt, er, könne man verkaufen. „In zehn Jahren wohl nicht mehr.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Vor 25 Jahren erhielt der Göttinger Wissenschaftler Erwin Neher den Nobelpreis