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Zeitreise durch Kulturen und Geschichtsepochen

Briefmarkensammlerverein Zeitreise durch Kulturen und Geschichtsepochen

„Das eigentlich interessante sind nicht die Marken selbst, sondern die Geschichte, die sie erzählen und die um sie herum geschehen ist“, sagt Manfred Eimer. Deswegen stelle er nicht nur Briefmarken, sondern auch Umschläge und andere Accessoires aus.

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Tauschen Briefmarken: Burkhardt Windel, Udo Maier und Karl-Heinz Offen (v.l.) fachsimpeln auf Briefmarkenausstellung in Grone.

Quelle: PH

„Zu meiner Ausstellung aus der Inflationszeit von 1919 bis 1923 gehören beispielsweise auch Geldscheine“, erklärt der 77-jährige Vorsitzende des Briefmarkensammlervereins 1901 Göttingen. Anhand der verschiedenen Motive könne man das Zeitgeschehen nachvollziehen. „Wer weiß heutzutage denn, was die Republik Schwarzenberg war?“, fragt er. Erst kürzlich habe er einen Briefumschlag aus der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 42 Tage lang bestehenden Freien Republik erstanden. „So wird Geschichte lebendig.“

Die Geschichte der Briefmarke beginnt mit der „One Penny Black“. Sie ist 1840 weltweit die erste Briefmarke und findet reißenden Absatz in der britischen Bevölkerung. Sie erreicht in zehn Monaten eine Auflage von über 68 Millionen. Die erste deutsche Marke folgt neun Jahre später. Der „Schwarze Einser“ wird 1849 vom Königreich Bayern herausgegeben. „Viele Marken haben charakteristische Namen“, erklärt Eimer. So werde die Marke mit einer sitzenden Helvetia (Frauenfigur, die die Schweiz versinnbildlicht) nur „Strubel“ genannt. „Das liegt daran, dass sie auf der Marke so wilde Haare hat“, erläutert Eimer.

Gerhard Hilbig, Vorsitzender des Verbandes niedersächsischer, philatelistischer Vereine sieht Briefmarken auch als Lernutensil. „Durch die Ganztagsschulen gibt es die Möglichkeit, AGs in den Nachmittagsstunden anzubieten.“ Man müsse zu den Kindern, um sie für Philatelie zu begeistern. Bei einem Projekt habe er Marken aus verschiedenen Ländern an die Schüler verteilt. Diese haben dann auf einer Weltkarte die geografische Herkunft nachvollziehen können. „Mit Marken kann man nicht nur Geografie, sondern auch Geschichte oder Wissenschaft lebendig erklären“, meint er. Kinder könnten spielend lernen, wer die Personen oder Pflanzen auf den Marken sind. „Wir bringen auch Serien raus, damit Sammelleidenschaft geweckt wird“, erklärt der 66-Jährige. Die Serien werden mit Sportlermotiven, Blumen oder Länderwappen angeboten. „Es soll für jeden etwas dabei sein“, meint Hilbig.

Bei der Ausstellung in der Mehrzweckhalle in Grone am vergangenen Wochenende wurde die ganze Bandbreite von Marken präsentiert: Bogenschützen aus Kamerun oder mit Schmuck verzierte Frauen aus Madagaskar sind ebenso Motive wie Mickey Maus, Donald und Goofy. „Ich interessiere mich für alte, deutsche Marken, beispielsweise aus dem Königreich Hannover“, sagt Manfred Denecke. Da könne ein Einzelstück über 1000 Euro kosten. Der Schriftführer des Göttinger Vereins ist auch der Organisator der Ausstellung.

Sammlerverein
Der Briefmarkensammlerverein 1901 Göttingen wurde am 12. April 1901 gegründet. Zwölf Männer trafen sich dazu im Restaurant Deppe in der Prinzenstraße. Die erste Frau trat 1909 bei. Der Briefmarkensammlerverein in Göttingen ist nach Hannover der zweitälteste in Niedersachsen und hat zur Zeit rund 50 Mitglieder.

Von Michael Kerzel

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