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Russland will die Zeugen Jehovas verbieten

Zeugen Jehovas Russland will die Zeugen Jehovas verbieten

Für Unruhe unter den 54 russischsprachigen Zeugen Jehovas in Göttingen sorgen Bestrebungen von Russlands Justizministerium, die Glaubensgemeinschaft als „extremistisch“ verbieten zu lassen. Mit einem entsprechenden Antrag befasst sich der Oberste Gerichtshof in Moskau am 5. April.

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Quelle: GT

Göttingen. „Seit mehr als 100 Jahren gibt es Zeugen Jehovas in Russland“, berichtet Maria Schneidmüller von der Göttinger Gemeinde, die 2007 gegründet worden ist. Unter Stalin seien Gläubige nach Sibirien deportiert worden. Erst seit der Wende 1991 dürften sie ihren Glauben frei praktizieren. Von 15.000 auf 172.000 Mitglieder sei die Gemeinschaft seither gewachsen. Das beunruhige die orthodoxe Kirche. Der Staat gehe seit 2009 verstärkt gegen Zeugen vor.

„Viele unserer Bücher und Zeitschriften sind in den vergangenen Jahren verboten worden“, erzählt Lydia Gansen. Die Zeugen hätten sie daraufhin verbrannt. In den Versammlungshäusern, den sogenannten Königreichssälen, seien die Regale leergeräumt worden. Auch das Missionieren auf der Straße oder an der Haustür sei ihnen vielerorts, so in Moskau, verboten. Wer dagegen verstoße, müsse mit Geldstrafen von vier, fünf Monatsgehältern rechnen.

„Unsere Versammlungen werden immer mal wieder von Personen gestört“, berichtet Polina Adam. Teilweise löse die Polizei Versammlungen wegen angeblich fehlender Genehmigungen auf. In manchen Regionen dürften Veranstaltungshallen nicht an Zeugen vermietet werden. „Die russischen Medien berichten oft unsachlich über uns“, klagt Tatjana Scheifler. Weil die Zeugen aus religiösen Gründen nicht an Wahlen teilnähmen und den Militärdienst verweigerten, würde ihnen eine staatsfeindliche Einstellung unterstellt. „Dabei halten wir uns an die Gesetze, sofern sie unserem Glauben nicht widersprechen“, versichert die Göttingerin. Sollte das Gericht die Zeugen Jehovas verbieten, würde das Vermögen der Glaubensgemeinschaft beschlagnahmt. Jede religiöse Betätigung könnte dann als Straftrat verfolgt werden. In Deutschland gebe es 14.000 russischsprachige Zeugen Jehovas, die in 160 Versammlungen organisiert seien.

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