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Zirkus Knie: Viel zu tun bis zum Tourneestart

Thema des Tages Zirkus Knie: Viel zu tun bis zum Tourneestart

Was macht ein Zirkus, wenn er nicht unterwegs ist? Wo leben die Tiere während der Tourneepausen, und wo werden die Gerätschaften untergestellt? Das Gelände des Zirkus Barum in Volksen bei Einbeck stand eine Zeit lang leer. Jetzt ist wieder Leben eingekehrt: Der Zirkus Charles Knie hat dort sein Winterquartier aufgeschlagen.

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Maximale Freiheit im Winterquartier: Kamel des Zirkus Knie auf der Weide im Einbecker Ortsteil Volksen.

Quelle: Heller

Volksen. Noch haben die kalifornischen Seelöwen Steffi und Kulus Ferien. Chefdresseur Marek Jama weilt an diesem Tag noch im Urlaub. Es ist sonnig und beinahe windstill. Dennoch bilden sich Wellen auf der Wasseroberfläche des großen Pools, der im Innenhof des Anwesens an der Braunschweiger Straße steht. Zwei glänzende dunkle Köpfe tauchen aus dem azurblauen Wasser auf. Steffi und Kulus verschaffen sich Bewegung. Ebenso ein Araberhengst, der im benachbarten Gebäude unter Aufsicht eines Tierpflegers in einer Reitbahn Runden dreht. „Die Pferde müssen auch im Winterquartier bewegt werden“, sagt Sascha Melnjak, Direktor und Geschäftsführer des Zirkus Knie.

Vier Tierpfleger, Tierlehrer Jama, drei Mechaniker, Bürokräfte und Melnjak erledigen in den Wintermonaten viel Arbeit. Die Tourvorbereitungen – Start ist am 13. März in Einbeck – sind in vollem Gange. „Wir haben eigentlich nie Pause“, betont Melnjak. Er klärt die Logistik wie Strom- und Wasseranschlüsse in den Gastspielorten ab: „Ich habe für jede Stadt dicke Ordner.“ Plakate müssen bestellt, Werbe-post vorbereitet und auf Anforderung per E-Mail Tickets reserviert werden. Jama startet gleich nach seiner Rückkehr das Trainingsprogramm für die Tiere.

Mit Übernahme des Zirkus Charles Knie hat sich der gebürtige Stuttgarter Melnjak im Jahr 2007 einen Kindheitstraum erfüllt, „ich bin lieber in den Zirkus gegangen als in die Disco“, erinnert sich der 40-Jährige. Eine eigene Manegenkarriere konnte der ausgebildete Großhandelskaufmann nicht verwirklichen, „die Artistik hat mir nicht gelegen“. Jetzt leitet er den Zirkus als geschäftsführender Direktor. 30 Mitarbeiter hatte Melnjak bei der Übernahme, jetzt sind es fast 100. „Wir sind das zweitgrößte Unternehmen nach Zirkus Krone“, sagt er stolz.

Foto: Heller

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Bis Anfang März wird der Fuhrpark des Zirkus Charles Knie auf Vordermann gebracht. Die Plakatwerbung muss aktualisiert werden. George Calin, seit zwei Jahren beim Zirkus Knie, kratzt mit einem Spatel die Aufkleber vom letzten Jahr von den großen Werbetafeln. Dabei trägt er Handschuhe, „gegen Blasen“, sagt der junge Arbeiter. Auf der großen Weide hinter den Ställen stehen Ungarische Steppen- und Watussirinder aus Afrika Seite an Seite mit Kamelen und Lamas.
Einzig Guanako-Lama Pepe ist ausgeschlossen, „er verträgt sich nicht mit seinen Artgenossen“, erklärt der Zirkusdirektor, warum stattdessen zwei vom Zirkus Barum übernommene Grant-Zebras dem unverträglichen Lama Gesellschaft leisten. Während der Tour haben die Mitglieder der Weidegemeinschaft, insgesamt 22 Tiere, zusammen einen Auftritt in der Manege. Dressurleistungen müssen sie nicht erbringen, „es ist aber sehr imposant, wenn alle gemeinsam reinkommen“, erzählt Melnjak.

Friedlich liegt das Zirkusgelände am Rand von Volksen in der Sonne. Ab und zu stehen Besucher aus dem Dorf oder dem benachbarten Einbeck vor der Tür. „Die lassen wir schon mal durchlaufen“, auch wenn das Winterquartier sonst nicht öffentlich zugänglich sei, meint Melnjak. Schließlich identifizierten sich die Menschen der Region mit „ihrem Zirkus“, auch wenn der statt Barum nun Charles Knie heißt. „Barum war in meiner Kindheit der Zirkus. Es macht mich stolz, diese Tradition nun fortzuführen.“

„Zirkus fasziniert die Menschen noch“

Interview mit Sascha Melnjak, Direktor des Zirkus Charles Knie

Quelle:

Zirkusromantik trifft Bürokratieaufwand: Antworten zur Arbeit in einem Traditionsunternehmen gibt Sascha Melnjak, Direktor des Zirkus Charles Knie.
Rentiert sich ein Zirkus noch?
Als ich den Zirkus Charles Knie  2007 übernommen habe, war mir nicht bewusst, dass man damit auch verdienen kann. Ich wollte einfach ein gutes Programm machen. Zirkus fasziniert die Menschen noch. Aber es ist nicht mehr so einfach wie vielleicht noch vor 20 Jahren. Zu dem Job gehört eine Menge Idealismus. Die behördlichen Auflagen sind gestiegen. Allein die Genehmigungen für Plakatierungen zu bekommen, ist in vielen Städten ein Riesenaufwand.

Zum Programm: Mussten Sie da in den vergangenen Jahren vieles verändern?
Dass einzelne Nummern für sich stehen, gibt es so nicht mehr. Unsere Vorstellungen haben mehr den Charakter einer Revue mit fließenden Überleitungen. Es ist für alle etwas dabei – von der ersten bis zur letzten Minute soll sich jeder unterhalten fühlen.

Tierschutzorganisationen richten seit Jahren ihre besondere Aufmerksamkeit auf Zirkusunternehmen. Wie gehen Sie damit um?
Unter den Tierschützern gibt es sehr aktive Gruppierungen. Wo immer wir gastieren, dahin reisen sie uns nach. Einige Organisationen verbreiten Lügengeschichten. Und wir stehen regelmäßig in einem schlechten Licht da und müssen uns verteidigen. Aber bei uns gibt es keine Tiere, die in Not sind. Wir tun alles, damit es unseren Tieren gut geht. Wo wir hinkommen, werden wir von den Veterinärämtern kontrolliert. Die wiederum sind von Stadt zu Stadt vernetzt. Wenn also irgendwo ein Mangel beanstandet wird, prüft der nächste Veterinär, ob er behoben ist. Ich persönlich finde es sehr gut, dass sich die Haltungsstandards verändert haben. Denn natürlich gibt es auch schwarze Schafe in unserem Berufsstand.

Wie sind Sie eigentlich im Winterquartier bei Einbeck im Landkreis Northeim gelandet?
Wir hatten vorher kein festes Stammquartier und unter anderem ein Objekt in Papenburg angemietet. 2012 bot uns die Familie Siemoneit-Barum ihr Gelände in Volksen an. Es liegt perfekt mitten in Deutschland und bietet an Infrastruktur alles, was wir brauchen. Wir sind hier mit offenen Armen empfangen worden.

Das Interview führte Katharina Klocke

Am 13. März geht’s los

Seelöwen, Kamele, Lamas und riesige Rinder, Friesen- und Araberpferde: Das ist nur eine kleine Auswahl der Tiere, die Chefdresseur Marek Jama von März an im Zirkus Charles Knie präsentiert. Dazu kommen externe Dressurnummern wie Tom Dieck mit seiner gemischten Raubtiergruppe und Elvis Errani mit indischen Elefanten.  

Der Clown Cesar Dias, Preisträger des internationalen Circusfestivals von Budapest 2014, bietet Comedy in der Zirkusmanege. Das italienische Duo Medin zeigt auf einer wenige Quadratmeter großen Plattform Rollschuhartistik. Temperamentvoll und leidenschaftlich bieten Ives und Ambra Luftakrobatik an seidenen Tüchern dar.

Ebenfalls unter der Zirkuskuppel – allerdings am Trapez – sind die Flying Costa unterwegs, im Programm des Zirkus Charles Knie auch „Lufthasadeure aus Brasilien“ genannt. Artistik auf dem Drahtseil beherrscht Nicol Nicols, während Priscilla Errani bis zu 30 Reifen um ihren Körper tanzen lässt. Mit auf Tour sind auch eine zirkuseigene Ballett-Truppe und ein Orchester unter der Leitung des ukrainischen Kapellmeisters Volodymyr Kozachuk.

Mitte März beginnen die ersten Vorstellungen. Erster Spielort ist die Heimatstadt Einbeck. Premiere ist am Freitag, 13. März, um 15.30 Uhr auf dem Platz An der Twetge. Bis Sonntag, 15. März, sind noch vier weitere Vorstellungen geplant. Auch in der Stadt Göttingen wird der Zirkus Charles Knie zu sehen sein. Vom 10. bis zum 15. April, so Zirkusdirektor Sascha Melnjak, soll das Zirkusdorf in der Universitätsstadt aufgebaut werden.

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