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Zukunft der Göttinger Klingebiel-Zelle ungeklärt

Diskussion um Kunstwerk Zukunft der Göttinger Klingebiel-Zelle ungeklärt

Er hat an einer Psychose gelitten, war zur Nazizeit ohne Richterspruch in die geschlossene Anstalt gebracht, sterilisiert und isoliert worden – und hat seine Erfahrungen in beeindruckende Kunst umgesetzt: Die von Julius Klingebiel (1904–1965) bemalte Zelle im alten Festen Haus des ehemaligen Landeskrankenhauses Göttingen ist heute als Klingebiel-Zelle bekannt und gilt als herausragendes Beispiel der sogenannten Outsider Art.

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Göttingen oder Hannover: Wo soll die Klingebiel-Zelle künftig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden?

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen/Hannover. Um dieser Bedeutung Rechnung zu tragen, sollte sie ins Sprengel-Museum Hannover verlagert werden. So hat es Michael Rüter, der Chef der Landesvertretung Niedersachsen, erklärt. Doch dagegen hat sich Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler jetzt in einem Brief an seinen SPD-Parteifreund Stephan Weil ausgesprochen. Die Zelle sei „nicht zu vertretbaren Kosten“ transportierbar, sagte er dem Norddeutschen Rundfunk und erklärte, er fordere vom Land, dass es „an diesem Standort diese Zelle erhält und öffentlich zugänglich macht“.

Doch das Land wiegelt ab. Da bislang weder die Stadt Göttingen noch das Sprengel-Museum einen Vorschlag zum Erhalt der Klingebiel-Zelle vorgelegt hätten, könne die Frage nach deren künftigem Verbleib „zurzeit nicht abschließend beantwortet werden“, erklärte Kulturministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne). „Die Landesregierung hat großes Interesse, die Zelle eins zu eins ins Museum zu überführen“, hatte dagegen Landesvertretungschef Rüter im Oktober gesagt – und das Sprengel-Museum gemeint.

Für die Verlagerung der Zelle dorthin spricht nach Ansicht von Sprengelchef  Reinhard Spieler der Rang des Kunstwerks. „Ich begrüße es, dass der Wert und die Bedeutung der Zelle jetzt auch in Göttingen erkannt und anerkannt wird“, sagt Spieler. „Das ist der entscheidende Grund für eine angemessene Unterbringung des Werks im Sprengel-Museum.“ Als Standort sprechen nach seinen Worten nicht nur die gesteigerten Möglichkeiten durch die Museumserweiterung, sondern auch der Umstand, dass es dort mit Lissitzkys „Kabinett der Abstrakten“ und dem Merzbau von Kurt Schwitters bereits mehrere raumfüllende „Lebensgesamtkunstwerke“ gibt.

Dagegen hält Ernst Böhme, Chef des Städtischen Museums, den Verbleib in Göttingen für unverzichtbar. Die Zelle sei „auch ein Zeugnis Göttinger Psychiatriegeschichte“, sagte er im Kulturausschuss des Stadtrates. Sie könnte unter Umständen auch im Städtischen Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Bevor die Klingebiel-Zelle nach Hannover kommt, so waren sich auch die Mitglieder des Kulturausschusses einig, solle sie lieber in Göttingen ausgestellt werden.

Von Daniel Alexander Schacht und Andreas Fuhrmann

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