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Zwangsarbeitern auf der Spur

Ausstellung in der Göttinger Lokhalle Zwangsarbeitern auf der Spur

Eine Ausstellung mit lokalem Thema, europaweitem Blickwinkel und internationalem Rang ist ab heute in der Lokhalle zu sehen. „Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit. Südniedersachsen 1939-1945“ lautet der Titel des Rückblicks auf die Zwangsarbeit unter den Nationalsozialisten, der nicht nur Stellwände, sondern viele moderne multimediale Möglichkeiten nutzt.

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Nachdenklicher Blick zurück: Ex-Zwangsarbeiterin Wiktorja Delimat in der Lokhalle.

Quelle: Hinzmann

Zwangsarbeit während der Kriegsjahre war ein Massenphänomen, macht die Ausstellung deutlich. Schätzungsweise 50 000 bis 60 000 Menschen aus 16 europäischen Ländern wurden in diesen Jahren zur Arbeit allein in Südniedersachsen zwangsverpflichtet, weiß Günther Siedbürger von der Geschichtswerkstatt Duderstadt. Im Regelfall ohne jede Vorwarnung aus ihren Häusern in Polen, der Ukraine, Holland und vielen anderen Ländern herausgezerrt, mussten sie im Deutschen Reich in den verschiedensten Bereichen arbeiten – von Gaststätten und Hotels bis hin zum Krankenhaus oder der Munitionsfabrik, beim Friseur, beim Bäcker, als Molkereifahrer und bei der Müllabfuhr, in Wäldern, Steinbrüchen, der Landwirtschaft, in Zuckerfabriken, in kirchlichen Einrichtungen, Kommunen und Privathaushalten. Meist waren sie dabei der Willkür der Deutschen, von denen sich viele als Herrenmenschen fühlten und nicht selten auch so aufführten, ausgeliefert. Vor allem am Schicksal von Einzelpersonen entlang greift die Ausstellung diese losen, über ganz Europa gespannten Fäden auf und knüpft sie zu einem Netz mit dem Mittelpunkt Südniedersachsen zusammen.

An der beeindruckenden Ausstellung mitgewirkt haben auch einige frühere Zwangsarbeiter. Ausarbeitung und Umsetzung lagen in den Händen der Geschichtswerkstätten Göttingen und Duderstadt sowie der Fachhochschule Hannover und weiteren Partnern aus Polen, Holland, Italien und Deutschland. Gefördert wurde die aufwändige Schau vor allem von der Europäischen Union, aber auch von den Landkreisen Göttingen und Northeim sowie der Göttinger Kulturstiftung.
Die Ausstellung wird heute um 16 Uhr eröffnet und ist bis zum 14. Februar zu sehen. Öffungszeiten: Montag bis Freitag 11-17 Uhr, Sonntag 14 bis 17 Uhr.

Matthias Heinzel

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