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Zwei Pfiffe und die Herde kommt

Thema des Tages Zwei Pfiffe und die Herde kommt

Border Collies sind als besonders gelehrige Hunde bekannt. Die Rasse wurde ursprünglich im englisch-schottischen Grenzgebiet als Hütehund eingesetzt. Die beiden Hunde von Vera Kreykenbohm dürfen das tun, was sie am besten können: Schafe hüten.

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Göttingen. Ein Pfiff und Trudy schnürt nach rechts. Ein anderer Pfiff und sie biegt nach links ab. Trudy ist ein Border Collie und sie darf tun, was ein echter Border Collie am besten kann: Ihre kleine Schafherde hüten. Zehn Skudden – eine alte Schafrasse – hält sie zusammen. Und das mit großem Vergnügen.

 

 
„Das Hüten steckt in der Genetik der Border Collies“, sagt Vera Kreykenbohm. Sie ist die Besitzerin von Trudy und einer weiteren Border-Collie-Hündin namens Jayda. Die promovierte Biologin trainiert mit ihren Hunden das Hüten. Für ihre Hunde hat die 43-Jährige extra die kleine Schafherde angeschafft.

 
Trudy ist mit ihrem Alter von drei Jahren immer noch ein wenig verspielt. Aber sie beherrscht die Hüte-Befehle bereits – wenn ihr Temperament sie nicht dazu verleitet, doch ein wenig schneller und ungestümer zu sein, als Kreykenbohm es eigentlich möchte. Jayda ist älter und etwa ruhiger. Sie treibt ihre kleine Herde genau zu ihrer Besitzerin und stellt die Schafe in die Ecke. Der Hund sitzt vor den wolligen Vierbeinern und fixiert sie mit Blicken. „Das könnte sie jetzt stundenlang machen, das findet Jayda großartig“, sagt Kreykenbohm. „Jayda kann auch Geflügel, Ziegen oder Kühe hüten.“

 
„Border Collies sind Hunde, die diese Arbeit brauchen. Sie sind keine Stadt- oder Familienhunde, dafür gibt es geeigneterer Rassen“, so die Biologin. Sie selbst kam eher zufällig zu diesen Hunden: Jayda übernahm sie nach dem Tod einer Freundin. Mit einem Seminar bei Trainerin Anita Hermes fing die Leidenschaft dann an. „Ich wusste ja nicht, was mich erwartet. Aber es war, als wäre ein Schalter bei mir umgelegt worden“, sagt die Biologin. „Seitdem bin ich Feuer und Flamme.“

 
Ihre beiden Hunde lenkt sie mit bestimmten Pfiffen – für jeden Hund gelten andere – und mit Worten. Pfiffe brauchen die Hundebesitzer vor allem dann, wenn ihre Hunde in größerer Entfernung Schafe hüten.

 
Links, rechts, geradeaus, stop: „Das sind die Hauptpfiffe“, so die Hundebesitzerin. Trudy startet zu einem Outrun – im großen Bogen nähert sie sich der Herde. „Um die Herde herumlaufen und die Schafe zu mir bringen, das liegt in der Genetik der Hunde. Alles andere baut darauf auf.“

 
Trudy kann es kaum erwarten. Aber sie  muss warten, wenn Kreykenbohm es sagt – oder pfeift.  Wie ein Vorsteherhund lauert sie, eine Vorderpfote angehoben, darauf, weitermachen zu dürfen. Am liebsten möchte sie ganz nah an die Schafe heran. „Der Hütetrieb ist ja aus dem Jagdtrieb entstandenen“, erklärt die 43-Jährige.

 
Der Blick des Collies ist konzentriert auf die Schafe gerichtet, ein Ohr ist in deren, eines in Richtung Frauchen gespitzt. „Walk on“. Endlich darf Trudy näher an ihre Schafe. „Lie down“, dann muss sie wieder warten. „Come by“. Nun soll sie nach links laufen. „Away“ heißt es, wenn sie rechtsherum laufen soll. Die Hunde sind konzentriert, auf die Schafe und auf ihre Besitzerin.

 
Kreykenbohm trainiert heute erst mit Trudy, dann mit Jayda. Mit zwei Hunden gleichzeitig zu arbeiten, das ist bei Border-Collie-Wettkämpfen – dem Trial –  eine der schwersten Disziplinen.  Wenn sie mit der kleinen Schafherde über die Weide zieht, lassen die Hunde sie nicht aus dem Auge. Trudy liebt es besonders, die Schafe heranzutreiben, das sogenannte „fetchen“.  Jaydas Stärke liegt im Wegtreiben. Auch nach eineinhalb Stunden haben die Hunde noch keine große Lust, nach Hause zu gehen. Die Schafe sind aber ganz froh, dass wieder Ruhe einkehrt.

 

Hundetraining: Fünf Tipps von Vera Kreykenbohm
1. Vor dem Training überlegen, was genau trainiert werden soll.
2. Den Hund nur in Situationen bringen, in denen er keinen Fehler machen kann.
3. Konsequent sein, viel Loben.
4. Möglichst keinen Druck machen.
5. Mit den Dingen arbeiten, die der Hund sowieso schon anbietet. Beispiel Rückruftraining: Den Hund in neun von zehn Fällen dann rufen, wenn er sowieso schon kommt.
 
Solling-Trial: Hüte-Wettbewerb im Solling

Neuhaus. Wer die besten Border Collies einmal live beim Wettkampf erleben möchte, der hat dazu am Wochenende 24. und 25. Oktober im Solling Gelegenheit. Dort findet die Solling-Hütemeisterschaft (Trial) mit Border Collies statt. Der Wettbewerb ist ein Qualifikationslauf für die Europameisterschaften 2016 in Finnland.

 
46 Hunde haben sind bereits angemeldet, teilt Imke Lampe mit. In Deutschland werden Hütemeisterschaften  vom Verein Arbeitsgemeinschaft Border Collies in Deutschland  organisiert. Organisatorin des Solling-Trials ist Anke Papenberg aus Dassel-Ellensen. Die Schafe stellt Reinhard Bode, ebenfalls aus Dassel-Ellensen, die Flächen das  Niedersächsische Hengstaufzuchtgestüt Hunnesrück. Beim Wettbewerb, Start ist um 7.30 Uhr, müssen die Hunde vier Schafe durch einen Parcours lenken. „Diese Aufgaben entsprechen den typischen täglichen Aufgaben eines Hütehundes“, so Lampe. Bewertet werden die Zusammenarbeit zwischen Hund und Halter, das Verhalten des Hundes gegenüber den Schafen und die Zeit.

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