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Zwei Seulinger prügeln Nachbarn zum Pflegefall

Mehrjährige Haftstrafen Zwei Seulinger prügeln Nachbarn zum Pflegefall

Wegen einer Gewaltattacke gegen einen Nachbarn müssen zwei Bewohner aus Seulingen für mehrere Jahre in Haft. Das Landgericht Göttingen verurteilte am Mittwoch einen 31-jährigen Familienvater zu einer Freiheitsstrafe von dreieineinhalb Jahren.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen/Seulingen. Der Angeklagte hatte im Herbst 2013 einem heute 71-jährigen Nachbarn mit einem Baseballschläger so heftig auf den Kopf geschlagen, dass dieser einen Schädeltrümmerbruch und Hirnblutungen erlitt. Der 71-Jährige ist seitdem ein Pflegefall.

Ein 27-jähriger Mitangeklagter, der ebenfalls an der nächtlichen Aktion beteiligt gewesen war, erhielt eine Freiheitsstrafe von drei Jahren. Die Kammer ging in seinem Fall noch über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus, die auf eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten plädiert hatte. Der Verteidiger des Hauptangeklagten hatte auf eine Bewährungsstrafe plädiert, der Anwalt des  27-Jährigen dagegen einen Freispruch gefordert.

Der Vorsitzende Richter Ralf Günther nannte den Prozess ein „in jeder Hinsicht ungewöhnliches Verfahren“ und „einer der schwierigsten Fälle überhaupt“, der ihm in seiner bisherigen Laufbahn begegnet sei. In neun Verhandlungstagen habe das Gericht nicht klären können, was die Angeklagten zu der Tat veranlasst habe. Die Kammer habe zwar 23 Zeugen – darunter zahlreiche Dorfbewohner – vernommen, sei aber „auf eine Mauer des Schweigens“ gestoßen. Mehrere Zeugen hätten das Gericht bewusst belogen.

Der 71-Jährige war etwa ein Jahr zuvor mit seiner Familie in das Dorf gezogen. Nach einigen Monaten kam es zu Konflikten mit den Dorfbewohnern. Die Angeklagten selbst seien aber in keine dieser Streitereien verwickelt gewesen, sagte der Richter. Nach dem Besuch eines Musikfests im Nachbardorf, wo diese Konflikte ebenfalls Thema waren, hätten sie sich dazu entschlossen, etwas gegen die Familie zu unternehmen. Sie seien vermummt und mit Baseballschlägern bewaffnet vor das Nachbarhaus gezogen, um die Familie zu provozieren. Nachdem der 27-Jährige mehrere Böller geworfen hatte, seien der 71-Jährige und seine Ehefrau aus dem Haus gekommen. Kurz darauf habe der 31-Jährige diesem mit dem Baseballschläger gegen den Kopf geschlagen.

Die Angeklagten hatten angegeben, dass sie die Schläger nur zu ihrem eigenen Schutz mitgenommen hätten. Dies glaubte ihnen das Gericht nicht. Vielmehr hätten sie selbst die Auseinandersetzung gesucht. Das Gericht sei sich der dramatischen Folgen einer Haftstrafe für die weitere Lebensplanung der Angeklagten bewusst, sagte der Vorsitzende Richter. Entscheidend für die Strafzumessung seien aber die dramatischen Verletzungsfolgen für das Opfer gewesen. Ein medizinischer Gutachter hatte zuvor die schweren irreversiblen Schädigungen geschildert.

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