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Zwei friedliche Demos gegen Rechts in Friedland

Großer Polizeieinsatz Zwei friedliche Demos gegen Rechts in Friedland

Friedliche Demonstrationen: In Friedland haben am Sonnabend rund 250 Anhänger der linken Szene friedlich gegen Rechtsradikalismus protestiert. Etwa 300 Gäste besuchten die Veranstaltung des „Friedländer Bündnisses gegen Rechts“ am Heimkehrerdenkmal.

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Demonstrationszug durch Friedland: Rund 250 Anhänger der linken Szene protestieren friedlich gegen Rechtsradikale.

Quelle: Peter Heller

Die Polizei hatte sich vorbereitet: Einsatzfahrzeuge und -kräfte sind auf fast jeder Straße in und um Friedland zu sehen. Die rund 250 Teilnehmer der Demonstration, zu der linke Organisationen Göttingen aufgerufen hatten, ziehen friedlich vom Bahnhof in die Heimkehrerstraße. Erst am späten Freitag Abend hatte das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Lüneburg entscheiden, dass die linken Demonstranten doch durch den Ort ziehen dürfen. Landrat Reinhard Schermann (CDU) hatte das verboten, das Göttinger Verwaltungsgericht hatte die Auflage zunächst bestätigt. 

Einige Friedländer und Aussiedler stehen am Straßenrand und schauen dem Demozug zu, der das Motto „Kein Frieden mit Deutschland und seinen Nazis! Kein Nazi-Aufmarsch in Friedland oder sonst wo“ hat. Es werden ein paar antifaschistische Forderungen skandiert, dann funktioniert der CD-Spieler nicht mehr. Etliche Konfliktmanager der Polizei begleiten die Demonstranten, die so gar keinen Konflikt bieten. Es folgen Redebeiträge, ein Grußwort aus Köln wird verlesen, dann wendet der Zug, und marschiert zurück zum Bahnhof. 

Gleichzeitig füllt sich die Wiese am Heimkehrerdenkmal. Die Veranstaltung des Friedländer Bündnissen wirkt wie ein Familienfest, es gibt Kaffee, Kuchen, Bratwurst, Trommelmusik und Reden. Die Bundestagsabgeordneten Hartwig Fischer (CDU) und Thomas Oppermann (SPD)  fordern ebenso, sich Rechtsradikalismus entgegen zu stellen und Zivilcourage zu zeigen, wie Bürgermeister Andreas Friedrichs (SPD), Pastor Martin Steinberg und andere. Friedrichs dankte der Polizei für den Großeinsatz: „Wir empfinden das als Schutz“, sagte er. Steinberg erklärte: „Friedland wird das Tor zu Freiheit bleiben.“

Deutlich von Rechtsradikalismus distanzierte sich auch Lilli Bischoff, Vorsitzende der Landesgruppe Niedersachsen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland. „Wir sind mit einer Gruppe aus ganz Niedersachsen angereist, um zu zeigen, wo wir stehen“, sagte sie. Die NPD versuche immer wieder, „Russlanddeutsche als Stimmvieh“ zu benutzen. „Dagegen kämpfen wir an.“ Sie selbst sei 1988 über Friedland nach Deutschland gekommen, es sei ihre erste Heimat geworden. 

Anlass für die beiden Demonstrationen war die Anmeldung eines so genannten Friedensmarsches von einer NPD-nahen Organisation von Russlanddeutschen. Schermann hatte auch diesen Marsch verboten, erwartet wurde eine große Zahl Neonazis. Der Anmelder der Veranstaltung, Viktor Kasper, hatte bislang keine Rechtsmittel dagegen eingelegt. Er kündigte aber an, das Verbot gerichtlich prüfen zu lassen. Polizeieinsatzleiter Thomas Rath war mit dem Einsatz zufrieden: „Es hat sich gezeigt, dass Demonstrationen gegen Rechts gewaltfrei ablaufen können und dennoch nichts von ihrer Symbolik verlieren.“

Ein Video zur Demonstration finden Sie hier.

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