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Sprechchöre im Amtsgericht

Besucherandrang bei Prozessauftakt Sprechchöre im Amtsgericht

Aktuell müssen sich zwei junge Männer wegen gemeinschaftlicher Sachbeschädigung vor dem Jugendrichter des Göttinger Amtsgerichts verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, am 10. Januar an der Herzberger Landstraße das Auto von Lars Steinke (AfD) bis zum wirtschaftlichen Totalschaden demoliert zu haben.

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Als Richter Stefan Scherrer kurz darauf die Verhandlung eröffnen will, skandieren Besucher im Gerichtssaal: „Nazis raus!“

Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Pünktlich zum Prozessbeginn parken am frühen Donnerstagmorgen mehrere Mannschaftswagen der Polizei vor dem Gerichtsgebäude. Sicherheitsbeamte patrouillieren auf den Fluren. Bereits am Vortag war per Facebook zur Unterstützung aufgerufen worden. Und tatsächlich bekundet eine Gruppe junger Göttinger trotz Kälte und Regens mittels Transparent ihre Solidarität mit den Angeklagten. Die Einlasskontrollen sind verschärft.
Als Richter Stefan Scherrer kurz darauf die Verhandlung eröffnen will, skandieren Besucher im Gerichtssaal: „Nazis raus!“ In der Ecke haben Personen aus dem Umfeld des „Freundeskreises Thüringen/Niedersachsen“ Platz gefunden und verfolgen den Prozess. Einige Sprechchöre, verlesene Stellungnahmen und Wortwechsel später ist der Zuschauerraum rechts und links deutlich leerer.Scherrer verfügt sachlich: „Wer stört, geht.“

Das große Interesse an einem Prozess um ein beschädigtes Auto ist wohl politisch motiviert. Der VW Golf, der zum Tatzeitpunkt vor dem Haus der Studentenverbindung Hannovera geparkt war, ist auf die Mutter von Lars Steinke zugelassen. Der Bezirksvorsitzende der Jungen Alternative, der in der Vergangenheit als Anmelder mehrerer „Mahnwachen“ des „Freundeskreises“ in Erscheinung getreten ist, wird als erster Zeuge aufgerufen.
Er habe die Tat zunächst akustisch wahrgenommen, habe dann vom Fenster aus zwei dunkle Gestalten weglaufen sehen. „Zwei?“, so die Nachfrage des Richters? Gegenüber der Polizei habe er nach der Tat noch von vier Tätern berichtet. Man einigt sich auf die Formulierung „mindestens zwei“.

Es sei ja auch nicht das erste Mal, dass er in Göttingen angefeindet worden sei. Auf die Nachfrage des Verteidigers, ob er sich das irgendwie erklären könne, entgegenet Steinke: „Ich bin politisch tätig. Es gibt Menschen in Göttingen, die das mit Gewalt beantworten.“

Ob die beiden Angeklagten zu diesen Menschen gehören, lässt sich am ersten Prozesstag nicht klären. Zahlreiche Zeugen – darunter auch viele der beteiligten Polizisten – erinnern sich nach elf Monaten nicht mehr so ganz genau an die Geschehnisse. Die Angaben zur Farbe der Kleidung oder zur Form der Brille, zum Fluchtweg durch den Cheltenham-Park oder zu möglichen Tatwerkzeugen gehen zum Teil deutlich auseinander. Der Prozess wird am Donnerstag, 1. Dezember, um 9 Uhr fortgesetzt.

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