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Zwei neue Möbelmärkte am Göttinger Stadtrand

Thema des Tages Zwei neue Möbelmärkte am Göttinger Stadtrand

Im Westen der Stadt Göttingen sind zwei neue Möbelmärkte  geplant. Auf rund 33 000 Quadratmetern Fläche sollen dort einmal Möbel und mehr verkauft werden. Zehn Prozent der Fläche ist einem Sortiment vorbehalten, dass auch in der Stadt angeboten wird. Dem Tageblatt liegt eine Analyse vor, darin geht es auch um die Konkurrenzsituation.

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Die Fläche westlich des Kaufparks und der Autobahn 7 wird zur Zeit noch landwirtschaftlich genutzt. Dort sollen die Märkte entstehen.

Quelle: Meder

Göttingen. Am westlichen Stadtrand sollen zwei neue große Möbelhäuser entstehen: ein rund 27000 Quadratmeter großer Möbel-XXXL-Markt und ein rund 6000 Quadratmeter großer Poco-Einrichtungsmarkt. Um herauszufinden, welche Auswirkungen die Realisierung des Großprojektes auf die Stadt und die gesamte Region haben kann, hat die Stadtverwaltung eine Analyse Auftrag gegeben.

Der Standort an der Autobahn und Bundesstraße 3 ist laut dem Gutachten „sehr gut erreichbar“ und „geradezu prädestiniert, um gemeinsam mit dem östlich der Autobahn 7 situierten Kauf Park einen Schwerpunkt für den Möbel-/Versorgungseinkauf zu bilden“. Im Einzelhandelskonzept der Stadt Göttingen sei die Fläche als Potenzialfläche für „großflächigen Einzelhandel mit nicht-zentrenrelevanten Kernsortimenten“ aufgeführt. Da das Grundstück bereits erschlossen sei, sprechen die Gutachter der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) von „guten Standortrahmenbedingungen“.

Dem Gutachten nach werde der Einrichtungsmarkt künftig von Möbelhäusern in der Größenordnung von 40 000 Quadratmetern den Wettbewerb dominieren. Das Kernsortiment der  aus Österreich stammenden XXXL-Märkte  umfasst 35000 Artikel – neben Möbeln auch Heimtextilien, Babyartikel, Leuchten, Bodenbeläge, Teppiche, Geschenkartikel, Haushaltswaren und Wohnaccessoires. „Im XXXL-Einrichtungshaus sind maximal zehn Prozent der Verkaufsfläche für zentrumsrelevante Sortimente vorgesehen“, so steht es im Gutachten. Das Göttinger Einzelhandelskonzept schreibt vor, dass maximal zehn Prozent des Sortimentes an Sonderstandorten wie diesem Standort „West“ zentrumsrelevant sein dürfen. Zudem soll die Fläche dafür 800 Quadratmeter nicht  überschreiten.

Der Poco-Einrichtungsmarkt (Poco wurde 1972 als Teppich-Domäne in Harste gegründet, Mehrheitseigentümer ist heute die XXXLutz-Gruppe) soll im 90-Grad-Winkel an den Bau des XXXL-Marktes anschließen. Dort sollen neben den Möbeln ebenfalls zehn Prozent innenstadtrelevante Artikel wie Haushaltswaren, Heimtextilien, oder Tischwäsche angeboten werden.  Auf 175 Quadratmetern sind Babysachen geplant.  Für beide Möbelmärkte sind 292 ebenerdige Stellplätze und 253  Parkplätze in einer Tiefgarage vorgesehen.

Grenze öffnen?

Göttingen. Im politischen Raum ist umstritten, ob neue Möbelhäuser auf der grünen Wiese für Waren, die auch Innenstadthändler anbieten, mehr Raum bekommen sollen. Nach einer Vorgabe des Landes  sind sie maximal auf einer Fläche von 800 Quadratmetern erlaubt.

Diese Grenze will die Verwaltung  nach oben öffnen, wenn nachgewiesen wird, dass das der Innenstadt nicht schadet. Bei den Politikern im Bauausschuss stieß diese Änderung am Donnerstag auf Fragen und Kritik. CDU/FDP-Gruppe und Grüne wollten wissen, wie und vom wem die Innenstadtverträglichkeit nachgewiesen“ werden solle.

Und sie wollten wissen, was ein offenbar kursierendes Gutachte in Form einer Wirkungsanalyse dazu aussagt. Das ist der Politik bis heute nicht bekannt. Darauf vertagte das Gremium seine Entscheidung über die 800-Quadratmeter-Marke. us

Umsatz-Einbußen für Möbelhäuser in der Region und für die City

Göttingen. In der Analyse geht es auch um den Einzugsbereich, unterteilt in drei Zonen, Zone eins ist die Stadt Göttingen, Zone zwei in etwa der Landkreis Göttingen, Zone drei weitere Teile des Landkreises, zudem Northeim, Osterode, Harz, Kassel und Werra-Meißner-Kreis. In diesem Gebiet leben mehr als eine halbe Million Menschen, die eine Kaufkraft von 318 Millionen Euro haben – bei einer jährlichen Pro-Kopf-Ausgabe von 632 Euro im Möbel- und Heimsegment.

In den drei Zonen sind viele Mitbewerber auf dem Mark ansässig. In Göttingen sind das sowohl große als auch kleine und mittlere Geschäfte, die mit den beiden Möbelhäusern in Konkurrenz stehen. Dort gibt es rund 49000 Quadratmeter Möbelverkaufsfläche mit einem Umsatz von etwa 70 Millionen Euro. In den Zonen zwei und drei sind auch einige größere Möbelhäuser – mit insgesamt rund 52000 Quadratmetern Verkaufsfläche und einem Umsatz von mehr als 65 Millionen Euro ansässig.

Aber: „Ein klassisches Wohnkaufhaus fehlt bislang in Göttingen“, so die Gutachter in ihrer Wirkungsanalyse. Und: „Großflächige Neuansiedlungen im Einzelhandelssektor haben bei unveränderter Kaufkraft in der Regel Veränderungen bei bestehenden Anbietern zur Folge“. Für die Doppel-Möbelhausansiedlung gehen die Gutachter von durchschnittlichen bis leicht überdurchschnittlichen Umsätzen aus: nämlich einem Umsatz von rund 50 Millionen Euro. Dieser generiert sich aus etwa 23 bis 24 Millionen Euro von Kunden aus dem Bereich Göttingen (Zone eins), 7 bis 8 Millionen und 14 bis 15 Millionen aus den Zonen zwei und drei, 5 bis 6 Millionen sind so genannte Streuumsätze.

Die Folge: Eine Umverteilung, die vor allem die Stadt betrifft. Laut Gutachten sind in Göttingen Umverteilungsquoten von bis zu 26, in Northeim von etwa 20, in Einbeck 8 und in Hann.Münden bis zu 7 Prozent zu erwarten. Das gelte für die Nicht-zentrumsrelevanten Sortimente, also für die Möbelhäuser.

Bei den zentrumsrelevanten Sortimenten sind es laut der Wirkungsanalyse zwischen 5 und 7 Prozent Umsatz, die den City-Geschäften verloren gehen. Damit seinen zwar „wettbewerbliche Wirkungen zu erwarten aber kleine „wesentlichen Beeinträchtigungen“ und keine „städtebaulichen Auswirkungen“.

Zwischen A7 und Groß Ellershausen: Hier sollen die beiden Möbelmärkte entstehen. ©Foth

Zwischen A7 und Groß Ellershausen: Hier sollen die beiden Möbelmärkte entstehen. ©Foth

Quelle:

Stärkung des Oberzentrums

Thomas Dienberg, Stadtbaurat Göttingen

Thomas Dienberg, Stadtbaurat Göttingen

Quelle:

Ist das Gutachten in seiner jetzigen Form bereits fertig oder wird es noch nachgearbeitet?
Die von der Stadt Göttingen beauftragte Wirkungsanalyse  hat die Aufgabe, mögliche wirtschaftliche, städtebauliche und raumordnerische Auswirkungen der beiden Vorhaben zu analysieren.  Die erste Entwurfsvorlage wurde im Mai dem Interkommunalen Arbeitskreis Einzelhandel (IAE) und im Fachbeirat Einzelhandel vorgestellt und diskutiert.

Wer arbeitet in diesen Gremien mit?
Im IAE  sind Mitarbeiter der Kommunen, der IHK, des Amts für regionale Landesentwicklung und der Regionalverband Südniedersachsen vertreten. Dort  werden regelmäßig größere Einzelhandelsprojekte in Einzugsbereich des Regionalverbandes Südniedersachsen diskutiert. Der Fachbeirat Einzelhandel bestehend aus Pro City, der IHK, Einzelhandelsbetreibern aus Lutteranger, Kaufpark und Innenstadt sowie der Stadt Göttingen. Der Beirat begleitet seit etwa zehn Jahren die Einzelhandelskonzepte der Stadt Göttingen. 

Also wird das Gutachten noch bearbeitet?
Ja, die in den beiden Gremien aufgeworfenen Fragen werden von der GMA bearbeitet; die überarbeitete Wirkungsanalyse wird dann  während der weiteren Vorstellung des Vorhabens vorgelegt.

 Wann wird das Bauvorhaben öffentlich diskutiert? Und in welchen Gremien?
Das Bauvorhaben wurde im Rahmen der Aufstellungsbeschlüsse zum Bebauungsplan und zur Änderung des Flächennutzungsplans im September in den Ortsräten Grone und Groß Ellershausen und im Oktober im Bauausschuss vorgestellt. Im November 2014 erfolgte die Bürgeranhörung. Die Vorstellung des Gesamtprojektes, also beipielsweise Fakten zur Größenordnung und Sortimentens ollen im September im Bauausschuss vorgestellt werden. 

Welcher Zeitrahmen ist für das Bauvorhaben vorgesehen?
Der Satzungsbeschluss zum Bebauungs-Plan könnte bei einem reibungslosen Ablauf im zweiten Quartal 2016 erfolgen.  Ende 2016 könnte er dann rechtskräftoig sein, der Bau im Anschluss also beginnen.

Warum sollen dort Möbelhäuser gebaut werden?
Es gibt seit Jahren erheblichen Nachfragedruck großer Einrichtungshäuser auf Flächen in Göttingen, mit Ikea waren die Verhandlungen bislang am weitesten gediehen. Durch eine radikale Änderung der Ansiedlungspolitik des Unternehmens kam dieses Vorhaben in Göttingen damals nicht zustande.

Unser aktuelles Einzelhandelskonzept – wie auch bereits das vorhergehende – attestiert Göttingen Entwicklungsoptionen im Bereich Möbel, und zwar für ein breites, sehr differenziertes und modernes Angebot mit entsprechender Präsentation. Folgerichtig weist unser Einzelhandelskonzept auch die in Rede stehende Fläche westlich der A7 als Entwicklungsfläche für großflächigen Möbeleinzelhandel aus. Weitere Flächen für großflächigen Einzelhandel sind im Stadtgebiet außer in der Innenstadt nicht im Angebot.

Wie stehen Sie selbst zu den Plänen?
Ich bin sicher, dass das geplante Projekt Göttingen als Einzelhandelsstandort noch attraktiver machen wird. Gleichwohl und gerade deshalb bearbeiten und begleiten wir von städtischer Seite die Pläne sehr sorgfältig. Und das nicht nicht nur hinsichtlich Erschließung, und Gestaltung, sondern insbesondere auch hinsichtlich der Größe und der Sortimente.

Zu den beiden letztgenannten Punkten wird ja die Wirkungsanalyse dezidierte Aussagen treffen. Ein differenziertes und gut präsentiertes Einzelhandelsangebot gehört zu einem attraktiven Oberzentrum. Die geplante Ansiedlung wird zur Stärkung des Oberzentrums beitragen und damit  auch positive Effekte auf die Region haben.

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Der Wochenrückblick vom 26. November bis 2. Dezember 2016