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Zwischen 3 und 70 Euro: Fahrradversteigerung in Göttingen

Verkehrsuntauglich und kein Sattel: „Verkauft“ Zwischen 3 und 70 Euro: Fahrradversteigerung in Göttingen

Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten: Die Stadt hat am Sonnabend fast 90 Fahrräder aus ihrem Fundbüro-Bestand meistbietend versteigert. Über 100 Bürger nahmen an der Auktion im Pavillon der Bonifatiusschule II teil, zahlten pro Drahtesel zwischen drei und 70 Euro.

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Quelle: Heller

Göttingen. „Das ist ein besonders schönes Exemplar“, ruft die Ordnungsamt-Mitarbeiterin, „auf dem Rahmen sind sogar Blümchen." Mit sanfter, einschmeichelnder Stimme preist sie die Räder an, die ihr ein Kollege auf das Podest reicht, von dem aus sie den ganzen Raum überblicken kann. Der ist gefüllt mit Menschen jeden Alters, wobei Studierende die Mehrheit bilden. Der Zustand der angebotenen Räder ist höchst unterschiedlich: Von nicht mehr verkehrstauglich über sattellos bis alt, aber ordentlich gepflegt, ist alles dabei – nur neue Räder in top Zustand sucht man vergeblich.     

Die meisten Anwesenden wollen ein günstiges Stadtfahrrad, viele, weil ihres gestohlen wurde. „Uns hat man innerhalb eines Jahres drei Räder geklaut“, berichtet eine vierfache Mutter (45), „jetzt brauchen wir ein neues für meinen Mann und zwei für die Kinder." Ein gutsituiert aussehendes Ehepaar um die 60 sucht nach einem Rad für seine 34-jährige Tochter, die in Hamburg arbeitet: „Das hat sie sich von uns zu Weihnachten gewünscht.“

Manche Bieter sind absolute Laien, haben keinen Blick für technische Details: „Hauptsache, das Ding fährt“, lacht eine Jura-Studentin (25). Andere können mit einem Blick erkennen, ob sich ein Kauf lohnt oder nicht. „Finger weg“, rät ein Mann, als ein ordentlich aussehendes Herrenrad angeboten wird: „Muss man 100 Euro Reparaturkosten reinstecken, kriegt man im Laden neu für 120 Euro.“ Woher der 40-Jährige sein Wissen hat? Er ist Händler, ersteigert deshalb  auch gleich mehrere Räder.

Von den fast 100 angebotenen Rädern geht nur ein Dutzend nicht weg. Sie kommen der Fahrradwerkstatt der Beschäftigungsförderung zugute. Am Ende der Versteigerung sind viele glücklich,  nicht so jedoch eine 80-jährige Dame: „Meiner Großtochter wurde das Rad gestohlen, ich wollte gucken, ob es dabei ist – war es leider nicht.“

hr

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