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Freibäder Pack die Badehose weg

Auf der Wiese liegen, rutschen, Bahnen ziehen: Seit Mai haben die Freibäder geöffnet. Doch im Moment lockt das Wetter nicht gerade und die Göttinger Schwimmmeister sind manchmal allein im Bad.

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Rolf Nietzold

Quelle: CH

Göttingen. Wie bewerten sie die bisherige Saison und welche Trends zeichnen sich ab? Rolf Nietzold, Schwimmmeister im Freibad am Brauweg, stellt fest: „Auch in diesem Jahr bestätigt sich der Negativ-Trend der letzten Jahre. Einen Monat lang ist es schön, da kommen viele, aber den Rest der Zeit sind es weniger. Im Vergleich zu den früheren Besucherzahlen sieht es jetzt schon sehr schlecht aus. Vor allem Familien gehen lieber ins Hallenbad."

Seit 2010 liegen die Besucherzahlen im Brauweg unter 120.000. Vor 20 Jahren waren es noch rund doppelt so viele. In diesem Jahr seien es bisher um die 60.000 Besucher gwesen, so der Schwimmmeister. Das Open-Air Kino auf der Freibadwiese laufe aber gut. "Letzten Sonnabend waren mehr als 400 Zuschauer hier. Und dieses Jahr musste die Veranstaltung noch kein einziges Mal wegen Sturm oder Gewitter ausfallen."

Nietzolds Kollege, Schwimmeister Christian Friedrich, klingt optimistischer: "Wir sind zufrieden. Im Mai und Juni gab es einen guten Start. Und dadurch, dass das Weender Freibad dieses Jahr geschlossen ist, bekommen wir am Brauweg noch mehr Zulauf. Außerdem trainieren die ortsansässigen Schulen und Vereine hier. Bis Sonnabend sieht es zwar mau aus mit dem Wetter, aber ab Sonntag soll es ja wieder besser werden."

Außerdem gibt es auch Schwimmer, die sich von schlechtem Wetter nicht abhalten lassen. „Bei den Frühschwimmern herrscht wenig Fluktuation“, berichtet Nietzold. „Egal bei welchem Wetter, morgens stehen immer zehn bis 20 Leute am Eingang, denen selbst das unbeheizte Springerbecken nicht zu kalt ist.“ Und tatsächlich: An einem regnerischen Montagmorgen gegen 9 Uhr stehen mehrere Fahrräder und drei Autos am Eingang des Freibads. Eine 60-jährige Schwimmerin, die ihren Namen nicht nennen möchte, schwärmt: „Ich liebe es einfach, draußen zu schwimmen. Die Temperaturen machen mir gar nichts aus, ich gehe sogar für 20 Minuten ins ganz kalte Becken und würde auch bei starkem Regen schwimmen.“ Auch Roman Müller, 51, und Christian Streicher, 53, lassen sich vom Regen nicht einschüchtern. Beide sind Lehrer an der BBS I und nutzen die Schulferien, um früh schwimmen zu gehen. „Vor der ersten Stunde wäre das zu knapp“, meint Müller. Die beiden Lehrer bereiten sich auf den Volkstriathlon der Göttinger Stadtwerke am Sonntag, 27. August, vor. Warum sie gerne bei diesem Wetter schwimmen? „Gerne, das Wort würde ich streichen“, antwortet Streicher schmunzelnd. Aber er fügt hinzu: „Bei dem Wetter Rad zu fahren oder zu joggen ist auch nicht schön, da kann man auch gleich schwimmen, da wird man sowieso nass.“ Und sein Schwimmkamerad findet: „Die Kilometer die wir bei dem Wetter schwimmen, zählen doppelt. Das sind Charakterkilometer. Außerdem schmeckt das Frühstück nach dem Schwimmen gleich viel besser.“

Andreas Schepper, der im Naturbad Grone arbeitet, nennt die Saison durchschnittlich. Für diese Woche erwarte er keine hohen Besucherzahlen. "Am Thermometer und an der Wolkendecke kann man ablesen, wie viele Leute kommen werden. Bei 30 Grad ist die Hütte voll. Bei 25 Grad sind es um die 500 Besucher und wenn das Wetter im Keller ist, dann nur 50."  Das schlechte Wetter ließe sich aber nutzen, um liegengebliebene Arbeit zu erledigen. „Wir müssen uns um die Instandhaltung der gesamten Anlage kümmern, also Rasen mähen, Hecken und den Bambus schneiden, kleine Schäden reparieren und die Becken reinigen."

Sein Kollege Rigobert Köhler stellt fest, dass sich das Freizeitverhalten über die Jahre verändert hat: „Früher kamen die Leute morgens und blieben bis abends, heute kann man sich über soziale Netzwerke spontaner verabreden, kommt dann aber nur für zwei Stunden.“ Außerdem berichtet er von einem besorgniserregenden Trend: „Die Zahl der Kinder, die nicht schwimmen können, steigt, und das bedeutet natürlich ein höheres Gefahrenpotenzial. Viele Gemeinden haben keine Schwimm- oder Freibäder mehr, und die Schulen haben den Schwimmunterricht eingeschränkt. Trotzdem sehen manche Eltern es als Aufgabe der Schule an, ihrem Kind schwimmen beizubringen und kümmern sich nicht selbst darum“, so die Erfahrung des 53-jährigen.
Von Gwendolyn Barthe

Das Geburtstagsprogramm

Seinen 90. Geburtstag feiert das Freibad am Brauweg am Sonnabend, 12. August, mit einem ganztägigen, besonderen Programm. Wie immer öffnet das Bad um 8 Uhr – die Frühschwimmer können also wie gewohnt ihre Bahnen ziehen. Um 11 Uhr beginnt dann das Jubiläumsprogramm: Dann bieten die Göttinger Schwimmvereine ASC Göttingen, TWG und DLRG Angebote wie Wasserball spielen, Tauchen und Kanufahren an. Außerdem präsentiert die DLRG Rettungsübungen. Ein Highlight wird das Zeitschwimmen im Rahmen der Gö-Challenge sein, ebenso wie der Arschgranatencontest. Kinder und Jugendliche können sich außerdem im Meerjungfrauschwimmen ausprobieren oder sich einfach mit Spielgeräten im Wasser vergnügen. Die Historie des Bades wird in Schaukästen ausgestellt: Neben Bildern seit dem Gründungsjahr 1927 bis heute werden unter anderem alte Messgeräte gezeigt. Wer wissen will, mit was für einer Technik heute gearbeitet wird, kann auch diese besichtigen. Auch wenn die meisten Fans Freibäder mit Freizeit verbinden: es steckt auch viel Arbeit dahinter. Deswegen wird auch das Berufsbild des Fachangestellten für Bäderbetriebe vorgestellt. Beim Moonlightschwimmen von 22 bis 23 Uhr wird das Fest dann ausklingen. hsc

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