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Zwölf Jahre alt – und schon bestens mit Drogen vertraut

Zweifacher Polizeieinsatz Zwölf Jahre alt – und schon bestens mit Drogen vertraut

Wegen mehrfacher Drogenvergehen ist ein zwölfjähriger Schüler ins Visier von Polizei, Staatsanwaltschaft und Amtsgericht geraten. Eltern, Mitschüler und Lehrer der Göttinger Schule sind entsetzt. 

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Als „unfassbar“ und „erschütternd“ bezeichnen Eingeweihte den Fall des Zwölfjährigen aus einem nördlichen Göttinger Stadtteil. Belegt ist zunächst mehrfacher Drogenkonsum, Mitschüler sprechen allerdings auch von Drogenhandel. 

Wegen des Umgangs mit Drogen geriet der Zwölfjährige erstmals Mitte Februar ins Visier der Polizei. Eine Leibesvisitation an der Schule förderte Cannabisprodukte zu Tage. Darüber, ob es sich um Haschisch oder Marihuana handelte, gibt es unterschiedliche Angaben. Außerdem soll er Gleichaltrige mit Schnaps und Zigaretten versorgt haben. 

Nach diesem ersten Vergehen im Februar versuchte die Schulleitung offenbar noch, Nachsicht zu üben: Die Suspendierung vom Schulbesuch wurde nach den Osterferien aufgehoben, um ihm eine zweite Chance zu geben – eine Maßnahme, die von Eltern jedoch scharf kritisiert wurde. 

Dann der zweite Polizeieinsatz an der Schule Ende April: Der Zwölfjährige wird von der Schulleitung erneut aus dem Unterricht geholt. Trotz des ersten Vorfalls samt Suspendierung finden sich erneut Belege für Cannabis-Konsum.

Offiziell wollen die Behörden den Fall des Drogen konsumierenden Kindes nicht kommentieren: Wegen des jugendlichen Alters und fehlenden Strafmündigkeit des Delinquenten greift der Datenschutz besonders scharf. Nur die Polizei bestätigt, dass es in dem vom Tageblatt recherchierten Fall „einen entsprechenden Einsatz eines Streifenwagens gegeben hat“.

Verfahren gegen Lieferanten

Der Junge war ebenso wie sein etwas älterer Drogenlieferant erst mit dem Schuljahresbeginn vom Gymnasium auf die Göttinger Schule gewechselt. Damit ist jetzt aber Schluss. Gegen den älteren Schüler, der anders als sein Abnehmer strafmündig ist, läuft ein reguläres Strafverfahren.

Wegen der fehlenden Strafmündigkeit wurde das zwangsläufig eingeleitete Ermittlungsverfahren mittlerweile automatisch eingestellt, der Fall jedoch an das dem Göttinger Amtsgericht angegliederte Familiengericht weitergeleitet. Aber auch bei Kindern bleiben solche Vergehen nicht folgenlos, erklärt Familienrichterin Carmen Hähnel, ohne auf den Einzelfall einzugehen. Üblicherweise findet ein Anhörungsverfahren unter Einschluss der Erziehungsberechtigten und des Jugendamtes statt. Bei gravierenden Verstößen wie dem vorliegenden könnten die Behörden auch ins Sorgerecht eingreifen.

Von Matthias Heinzel

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