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Leberchirurg äußert sich erstmals zu Regensburger Fall

Kein Hinweis auf Korruption Leberchirurg äußert sich erstmals zu Regensburger Fall

Im Prozess gegen den Leberchirurgen Aiman O. wegen des Vorwurfs des versuchten Totschlags durch Falschangaben gegenüber Eurotransplant hat am 49. Prozesstag erstmals ein ermittelnder Polizeibeamter zum Verdacht der Korruption ausgesagt.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Göttingen. Der ganze Ermittlungskomplex war ausgelöst worden, weil der Verdacht aufkam, dass ein Patient aus Russland möglicherweise Geld für eine bevorzugte Versorgung mit einer neuen Leber gezahlt haben könnte. Doch an keinem einzigen der geprüften Fälle, so gestern der Polizeibeamte, habe sich irgendein Hinweis auf Geldflüsse ergeben.

Dabei hatte sich der Vermögensermittler größte Mühe gegeben. Sowohl sämtliche Konten des Arztes und seiner Familie, als auch die Bankunterlagen von bis zu 30 Transplantationspatienten wurden auf verdächtige Geldflüsse hin durchforstet. Dabei habe es keinerlei Auffälligkeiten auf den rund 200 überprüften Konten gegeben. Auch seien die Patienten keine Menschen gewesen, deren Kontostand auf Reichtum gedeutet hätte. Einzig in einem Fall habe ein ausländischer Patient die Bank gebeten, Bankauszüge an O.s Wohnadresse zu schicken.

Überprüft wurde auch ein Hauskauf durch O., den dessen Kollegen als verdächtig dargestellt hätten, weil im Ostviertel Häuser „angeblich nur in der Familie oder an Bekannte verkauft“ würden. Die Polizei stellte fest, dass O. einen ganz normalen Marktpreis gezahlt habe und die Verkäuferin zudem eine private Freundin sei.

Erstmals geäußert

Erstmals äußerte sich der angeklagte Chirurg am Montag zu dem Fall, der in seiner Zeit an der Universität Regensburg zu politischen und strafrechtlichen Untersuchungen geführt hatte. Dort hatte sich O. an einer vom Freistaat Byern forcierten Kooperation mit Kliniken in Nahost beteiligt und im jordanischen Amman in sieben Fällen Leber-Lebendspenden transplantiert.

Im letzten Fall gab es Komplikationen. Die in Jordanien liegende Patientin wurde als Notfall an Eurotransplant gemeldet und erhielt eine Spenderleber, die O. in Amman implantierte. Im Untersuchungsbericht der Uni Regensburg hieß es später, O. habe gegenüber Eurotransplant behauptet, die Patientin lebe in Regensburg.

Allerdings war O. bisher dazu nie vernommen worden. Am Montag erklärte er im Göttinger Prozess, diese Aussage nie gemacht zu haben. Es sei auch Eurotransplant klar gewesen, dass ein Transport nach Regensburg habe abgebrochen werden müssen. Der Bericht weist den Fall als „Ausnahme“ aus, für die später eine „politischen Lösung“ zu finden sei. Ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren in diesem Fall gegen O. wurde eingestellt.

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