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Umbau Altes Rathaus Göttingen: Politik sucht nach Lösung Umbau Altes Rathaus: Komplex und anspruchsvoll

Interview mit Stadtbaurat Thomas Dienberg

Umbau Altes Rathaus: Komplex und anspruchsvoll

Zu den Gründen der Kostensteigerung beim Umbau des Alten Rathauses hat sich Baudezernent Thomas Dienberg im Tageblatt-Interview mit Michael Brakemeier geäußert.

Schon fertig: Der erste Aufzug für die Barrierefreiheit ist eingebaut. Ob der zweite kommt, steht nicht fest.

© Vetter

Stellen Sie die nun aufgetretenen Schwierigkeiten im Alten Rathaus dar.

T. Dienberg

Quelle:

Die Aufgabe besteht darin, einen Innenaufzug in ein historisches, denkmalgeschütztes und mehrfach an- und umgebautes Gebäude einzubauen. Die Schwierigkeiten liegen in der statischen Abfangung des Aufzugs über einem historischen Gewölbe, dem notwendigen Umbau des denkmalgeschützten Dachstuhls und der dort in den 70er Jahren eingebauten Stahl-Tragwerkskonstruktion – und dies bei laufendem Betrieb der Gaststätte.

Der Umfang und die Komplexität dieser Aufgabe konnte erst im Lauf der Ausführungsplanung monetär beziffert werden. Weiterer Überraschungen bei den notwendigen Eingriffen in die Bausubstanz können für die weitere Bauausführung trotz sorgfältiger und seriöser Voruntersuchungen nicht ausgeschlossen werden.

Wieso war der nun angenommene Mehraufwand beim Hochbau nicht schon 2011 abzusehen?

Die Kostenschätzungen 2011 hatten einzelne Baumaßnahmen zum Gegenstand, aber noch keine Details mit entsprechenden Ausführungsplanungen, Baukostenkalkulationen, Kosten für Untersuchungen von Statik und Bausubstanz. Der Einbau eines innenliegenden Aufzugs – reine Objektkosten kalkuliert mit 215 000 Euro – wurde von der Verwaltung mit Hinweis auf die möglichen technischen und finanziellen Herausforderungen stets kritisch bewertet.

Mit dem Ziel eines weitgehend barrierefreien Zugangs zum Gebäude wurde gleichwohl ein solcher Innenaufzug beschlossen. Der nun vorliegenden Kostenberechnung liegt ein konkretes Bauprogramm zugrunde, das funktionale, denkmalpflegerische, statische und hochbauliche Maßnahmen beinhaltet.

Beim Alten Rathaus handelt es sich um ein historisches, denkmalgeschütztes Gebäude, das im Laufe seiner Geschichte bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts bauliche und konstruktive Einbauten und Veränderungen erfahren hat, die nach heutigen Standards teils technisch nicht mehr nachvollziehbar sind und aus denkmalpflegerischen und technischen Erkenntnissen allemal nicht mehr so umgesetzt würden. Der bauliche Eingriff in ein solches Gebäude bietet – wie jeder Eigentümer eines Baudenkmals wird bestätigen können – regelmäßig Überraschungen.

Wieso war nicht abzusehen, dass die statischen Berechnungen „anspruchsvoll“ ausfallen?

Nicht nur die statischen Berechnungen sind hier anspruchsvoll, sondern die Planungs- und Untersuchungsaufgaben sowie die Bauausführung insgesamt sind hoch anspruchsvoll. Das war von Anfang an unstrittig.

Inwieweit ist dieser Anstieg der Kosten typisch für derartige Baumaßnahmen?

Sie sprechen vom Unterschied zwischen Kostenschätzung aufgrund erster Konzepte und einer konkreten Kostenkalkulation auf Grundlage konkreter Detailplanungen und Detailuntersuchungen. Typisch für derartige Baumaßnahmen – also Umbauten in einem komplexen Baudenkmal – ist allerdings, dass es sich hier gerade nicht um eine typische Bauaufgabe handelt, die mit standardisierten Kennzahlen zu beschreiben wäre.

Gab es in der Vergangenheit andere Kostensteigerungen bei Maßnahmen der Stadt?

Exemplarisch seien einige Hochbaumaßnahmen genannt: Weender Festhalle (keine nennenswerten Kostenabweichungen), Rathskeller im Alten Rathaus (Kostensteigerungen von 1,2 Millionen auf 1,6 Millionen Euro im Zuge der Ausführungsplanungen und der Bauausführung), Neubau der Wohnhäuser an der Holtenser Landstraße (keine nennenswerten Kostenabweichungen), Erweiterungsneubau Theodor-Heuss-Gymnasium (keine nennenswerten Kostenabweichungen), Sanierung KGS-Mensa (keine nennenswerten Kostenabweichung), Anbau Mensa Hainberg-Gymnasium  (keine nennenswerten Kostenabweichung).

Die „große Lösung“ ist nur dann möglich, wenn andere Maßnahmen im Investitionshaushalt gestrichen oder reduziert werden. Welche kommen Ihrer Ansicht in Frage?

Die „große Lösung“ erfordert in der Tat Investitionseinsparungen an anderer Stelle. Hier werden wir Positionen benennen, über die dann die Politik zu befinden hat.

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