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Umstrittener Flughafen Kassel-Calden ist eröffnet

Ministerpräsident Bouffier rechnet mit Kritikern ab Umstrittener Flughafen Kassel-Calden ist eröffnet

Mit großem Brimborium ist gestern der kleine Regionalflughafen Calden nordwestlich von Kassel in Betrieb gegangen. Selbst Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) räumte zur Eröffnung ein, dass der Airport wohl zunächst keine schwarzen Zahlen schreiben werde. Und auch im Ort Calden überwiegt die Skepsis.

Kassel. „Wir haben fertig“, feixte Flughafen-Chef Jörg Ries nach zünftiger Blasmusik vor hunderten Gästen und Journalisten.

Gerade noch rechtzeitig, am Abend zuvor, sei die Betriebsgenehmigung für Kassel-Calden eingetroffen. Es blieb Landeschef Bouffier vorbehalten, mit den zahlreichen Calden-Kritikern abzurechnen: „Was wir nicht gebrauchen können, ist Häme, ist Niedertracht und diejenigen, die immer und grundsätzlich gegen alles sind“, donnerte er ins Festzelt. „Calden wird eine Erfolgsgeschichte werden.“

Aber nicht gleich, räumte Bouffier ein: „Dieser Flughafen rechnet sich nicht in kurzfristigen Jahreszahlen.“ Er sei ein Infrastrukturprojekt mit langfristigem Vorteil. Bouffier: „Wenn immer nur die Zahlenkritiker recht hätten, würden wir weder Bahnhöfe noch Autobahnen bauen.“ Nun sei es Aufgabe der Flughafenleitung, Calden zum Erfolg zu führen.

Deutschland hat einen Regionalflughafen mehr: Kassel-Calden. Unklar ist aber, ob dort jemals genug Flugzeuge landen, um kostendeckend zu arbeiten. Rund zwei Jahre wurde gebaut, 271 Millionen Euro kostete der Flughafen. ©dpa/dapd

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Die Eröffnung des Flughafens, kritisiert hingegen der Göttinger Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin, „ist erst der Start für die Verschwendung von Steuergeldern“. Nach der Explosion der Baukosten „sind nun jährlich Folgekosten in Millionenhöhe zu erwarten“. Auch im Ort Calden herrscht eher Skepsis vor.

Drei Viertel der gut 7000 Einwohner, wird in der örtlichen Bäckerei erzählt, seien gegen den Flughafen, nur vielleicht ein Viertel dafür. Einig sei man sich allerdings darüber, dass die Piste viel zu nah am Ort liege. Von der Caldener Bebauungsgrenze bis zum Airport ist es noch nicht einmal ein Kilometer. So voll wie zur Eröffnung, meint die Backwarenverkäuferin zudem, „wird es im Flughafen wohl nie wieder werden“.

Derzeit sind die Angebote noch überschaubar. Außer einer Bar und einem kleinen Laden für Zeitschriften, Getränke und Postkarten ist die Abfertigungshalle noch kahl. Eine erste echte kleine Krise gab es gleich zum ersten regulären Flug am Nachmittag ins türkische Antalya: An einem Check-in-Schalter entdeckte die Bundespolizei eine herrenlose Tasche.

Nach Lautsprecherdurchsagen meldete sich der Besitzer schnell: Es war die Tasche eines TV-Kameramanns. So musste Calden dann doch nicht gleich am ersten Betriebstag geräumt werden.

▶ Kommentar: Socken aus Glas  

Es gibt Dinge, die man nicht braucht. Das fünfeckige Rad, zum Beispiel.

Oder schwarze Schrift auf schwarzem Grund. Oder Büroklammern aus Kartoffelbrei. Oder Wintersocken aus grünem Glas.

Seit Donnerstag gibt es Kassel-Calden. Und der ist noch besser als die oben genannten Beispiele.

Warum? Die Regionalpiste nordwestlich von Kassel und 70 Kilometer östlich des Konkurrenzflughafens Paderborn nützt nicht nur nichts, sondern sie schadet.

Dann nämlich, wenn man ins Kalkül zieht, welche anderen Projekte  mit den 271 (Steuer-)Millionen für Kassel-Calden hätten umgesetzt werden können.

Zum Beispiel die Einrichtung von knapp 10 000 neuen Kindergartenplätzen. Oder gut 25 000 umweltfreundliche Blockheizkraftwerke.

Matthias Heinzel

Matthias Heinzel

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In anderthalb Wochen soll der mit riesigem Aufwand erweiterte Flughafen Kassel-Calden eröffnet werden. Doch die ersten regulären Fluggäste werden kein Flugzeug besteigen, sondern ein Taxi: Sie werden nach Paderborn gebracht – ausgerechnet zu dem 71 Kilometer entfernten nordrhein-westfälischen Flughafen, dem Calden Konkurrenz machen sollte.

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