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Im Einsatz gegen Gefahrstoffe

Umweltfeuerwehr Göttingen Im Einsatz gegen Gefahrstoffe

Ein großes Aufgebot der Umweltfeuerwehr hat sich am Sonnabend auf dem Gelände des „Kauf Parks“ präsentiert. Rund 90 Mitglieder stellten der Öffent­lichkeit verschiedene Fahrzeuge und Schutzbekleidungen für den Einsatz gegen Gefahrstoffe vor. Bei zwei Übungen wurden Einsatzszenarien simuliert.

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Kreisrätin Marlies Dornieden und Volker Keilholz auf dem Monitor einer Wärmebildkamera.

Quelle: Peter Heller

Göttingen. „Nach der Kreisfusion mussten wir uns neu aufstellen“, erklärt Albert Sasse, Abschnittsleiter des Brandabschnitts Mitte. Auf der einen Seite habe es im Altkreis Göttingen die vor 25 Jahren gegründete Umweltfeuerwehr gegeben, auf der anderen Seite im Altkreis Osterode den ABC-Schutzzug, der bereits seit 30 Jahren besteht. Die Fusion der beiden Abteilungen habe gut funktioniert, so Sasse. „Wir führen eine harmonische Beziehung.“

Die Umweltfeuerwehr des neuen Landkreises bestehe insgesamt aus 240 Personen und rund 40 Fahrzeugen, berichtet Einsatzleiter Thomas Windus. Kreisrätin Marlies Dornieden, welche die Präsentation am „Kauf Park“ eröffnete, erklärte: „Das sind Spezialisten, die wir im Ernstfall einsetzen können.“ Der Landkreis habe in den vergangenen Jahren mehr als 500000 Euro in die Umweltfeuerwehr investiert. Auch verfolge der Landkreis das „Dekon-V-Konzept“ zur Dekontamination Verletzter. Zur Umsetzung werde die notwendige Ausrüstung angeschafft. Dafür würden nach Angaben von Sasse die Rettungsdienste der Johanniter und des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) die Umweltfeuerwehr unterstützen.

Anzahl der Einsätze gestiegen

Die Anzahl der Einsätze ist in den vergangenen fünf Jahren gestiegen, berichtet Sasse. Waren es vorher etwa drei bis vier pro Jahr, so werde die Umweltfeuerwehr im Durchschnitt einmal im Monat zu einem Einsatz gerufen. „Wir betreuen einen Riesengefahrbereich“, so Sasse weiter und verweist auf die Autobahnen 7 und 38 sowie die Bundesstraße 243 Der Gefahrguttransport per Lkw habe deutlich zugenommen. Hinzu kämen aber eventuelle Unfälle in Betrieben sowie auf Schienen und in Gewässern, ergänzt Windus. Dabei würde sich das Team um alle austretenden Gefahrstoffe kümmern – vom auslaufenden Dieselkraftstoff bis zur unbekannten chemischen Substanz. Die Umweltfeuerwehr sei aber auch ausgerüstet für den ABC-Einsatz (atomare, biologische und chemische Mittel) beziehungsweise im Zivilschutz für die CBRN-Gefahren (chemische, biologische sowie radiologische und nukleare Gefahren).

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Ausrüstung und Einsatzspektrum der Umweltfeuerwehr Göttingen waren auf dem Gelände des „Kauf Park“ zu sehen.

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Im Ernstfall fordere die Feuerwehr vor Ort die Kameraden der Umweltfeuerwehr zur Unterstützung an, wenn sie die Lage mit eigenen Mitteln nicht mehr bewältigen könne, erklärt Sasse. Bis zu drei Messfahrzeuge stehen zur Analyse der Stoffe am Einsatzort bereit. Darüber hinaus stünden über den Fachberater Dr. Rainer Hartmann dessen Laborgeräte zur Verfügung. „Wir müssen als erstes wissen, um welchen Stoff es sich handelt“, erläutert Windus. Wie groß ein Ernstfall werden kann, habe sich am 19. Dezember 2014 bei einem Unfall auf der A 7 gezeigt, als 512 Einsatzkräfte zwei Tage beschäftigt waren. Damals war Aluminiumphosphit ausgetreten, das auch als Rattengift verwendet wird. Ein Stoff, der heftig auf Wasser reagiert, weshalb überall dort, wo Regentropfen hinfielen, kleine Flammen hochschossen.

Simulation eines Stückgutunfalls

Wie ein Einsatz ablaufen kann, demonstrierten Mitglieder der Umweltfeuerwehr während zweier Übungsvorführungen vor dem „Kauf Park“. Simuliert wurde ein Stückgutunfall. Unter Vollschutz mit Atemgerät bewegten sich die Feuerwehrleute deutlich langsamer als im Alltag. „Das ist absolute Schwerstarbeit“, sagt Sasse. „Schon das Bücken ist ein Kraftakt.“ Der Schutzanzug sei ein hermetisch abgeschlossener Raum, der die Bewegung einschränke. Hinzu komme das Gewicht. Etwa 13 Kilogramm würden der Anzug, die Sauerstoffflasche und das Tragegestell wiegen. Die Luft reiche für 20 bis maximal 30 Minuten. Im Anschluss müssten die Einsatzkräfte noch durch die Dekontamination. Auch der Ablauf wurde demonstriert. Die Anzüge werden unter Wasser mit Schrubbern gesäubert. Im Anschluss gehen die Einsatzkräfte durch eine Schleuse. „Im Extremfall muss der Anzug nach einem Einsatz vernichtet werden“, erklärt Windus.

Mit ihrer Aktion wollte die Umweltfeuerwehr zu ihrem Jubiläum der Öffentlichkeit ihr Einsatzspektrum demonstrieren. „Viele Menschen wissen gar nicht, was wir tun“, sagt Sasse. „Das ist alles Ehrenamt“, hob Dornieden abschließend das Engagement der Feuerwehrleute hervor.

Von Rüdiger Franke

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