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Unfalltod: Wenn die Nachricht überbracht werden muss „Den ersten Toten vergisst man nicht“

Unfallstatistiken

„Den ersten Toten vergisst man nicht“

Wolfgang Schrader ist seit 22 Jahren bei der Polizei in der Unfallauswertung tätig und führt die Statistiken. Jörn Barke hat ihn zu Unfallschwerpunkten in der Region befragt – und dazu, wie er mit seinem ersten Unfalltoten konfrontiert wurde.

Wenn der Tod plötzlich kommt: Es gibt nicht viel zu sagen, es gilt, die Situation mit den Angehörigen auszuhalten, sagt Torsten Thiel.

© Hinzmann

Als Sie Ihren ersten Unfalltoten gesehen haben, stand Ihnen da jemand zur Seite?

Das ging damals in einer Art Vater-Sohn-Verhältnis mit dem älteren Kollegen. Ich war 20, der erfahrene Kollege 50 Jahre alt. Den ersten Toten vergisst man nicht – bei mir war es der erste Tote überhaupt, den ich gesehen habe. Es war ein Fußgänger, der auf dem Messeschnellweg in Hannover erfasst worden war. Ich habe ihn aber nicht am Unfallort gesehen, sondern in der Anatomie. Wir waren mit den Angehörigen da, die das Opfer identifizieren mussten.

W. Schrader

W. Schrader

Gibt es in der Region Schwerpunkte für tödliche Unfälle?

Die tödlichen Unfälle ereignen sich ziemlich verstreut in der Region. Zum Glück sind die Zahlen von der Tendenz her auch rückläufig. 1990 hatten wir noch 38 tödliche Unfälle in der Polizeiinspektion Göttingen. 2011 waren es elf. 2007 und 2010 hatten wir mit sechs tödlichen Unfällen den absoluten Tiefststand in meiner Zeit. In Göttingen gibt es den großen Vorteil, dass die Rettungskräfte – auch über den Hubschrauber – schnell vor Ort sind.

Kann man denn Hauptursachen benennen?

Bundesweit und auch bei uns gilt überhöhte beziehungsweise nicht angepasste Geschwindigkeit als Hauptunfallursache. Wenn es außerhalb von Ortschaften bei hohen Geschwindigkeiten kracht, sind die Unfallfolgen fast immer gravierend. In Niedersachsen hat Innenminister Uwe Schünemann deshalb eine Verkehrssicherheitsinitiative ins Leben gerufen, um die Zahl aller Unfälle mit schweren Folgen bis 2020 um ein Drittel zu reduzieren.

Bei Alleinbeteiligten lässt sich nicht immer die Unfallursache sicher feststellen. Manchmal spielen auch Krankheiten oder der Zufall eine entscheidende Rolle.

Und man muss in der Auswertung auf Details achten. Oft heißt es, dass junge Menschen zwischen 18 und 25 deutlich häufiger an schweren Unfällen beteiligt sind, als andere Altersgruppen. Zu berücksichtigen ist dabei allerdings, dass junge Leute auch viel mehr Kilometer und zu anderen Zeiten fahren, als etwa Rentner.

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