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Unfalltod: Wenn die Nachricht überbracht werden muss „Irgendwann muss man abschalten“

Polizist Hartmut Bode

„Irgendwann muss man abschalten“

Hartmut Bode ist seit 31 Jahren Polizist. Er war bei etlichen schweren und mehreren tödlichen Unfällen im Einsatz. Jörn Barke hat ihn gefragt, wie er mit seinen Erlebnissen umgeht.

Wenn der Tod plötzlich kommt: Es gibt nicht viel zu sagen, es gilt, die Situation mit den Angehörigen auszuhalten, sagt Torsten Thiel.

© Hinzmann

Sind Sie in Ihrer Ausbildung darauf vorbereitet worden, was Sie bei einem schweren Verkehrsunfall erwartet?

Nein, das gab es damals noch nicht. Auch darüber, wie man das Geschehen verarbeitet, hat man sich da noch keine Gedanken gemacht. Heute gibt es eine regionale Beratungsstelle mit speziell geschulten Kollegen, an die man sich wenden kann.

H. Bode

H. Bode

Quelle:

Haben Sie das schon einmal getan?

Nein, ich bespreche die Sachen mit meiner Frau. Aber jeder Kollege tickt da anders.

Wissen Sie immer, was am Unfallort auf Sie zukommt.

Meistens haben wir durch die Angaben der Leitstelle eine grobe Vorstellung. Manchmal kann man aber auch schon froh sein, wenn man korrekte Angaben zur Unfallstelle hat. Die Beteiligten sind verständlicherweise sehr aufgeregt, wenn sie sich melden. Das Schlimmste ist dann die Ungewissheit auf der Fahrt zum Unfallort.

Wenn Sie zum Unfallort kommen, was ist da erst einmal das Wichtigste?

Wir halten den Rettungskräften den Weg frei, sperren den Unfallort ab, leiten den Verkehr um. Wir müssen relativ schnell Fotos machen, halten uns aber von den Fahrzeugen fern, an denen die Rettungskräfte im Einsatz sind. Feuerwehrleute und Sanitäter sind da viel dichter am Geschehen als wir. Wir müssen funktionieren und uns darauf konzentrieren, den Unfall aufzunehmen und spezielle Vermessungen zu machen, sobald das möglich ist. Das lenkt zum Glück auch etwas ab.

Aber Sie sehen auch die schwerverletzten Menschen und zerfetzten Autos.

Es gibt einige Bilder, die wird man nie wieder los, manchmal kommen sie auch durch Kleinigkeiten wieder hoch. Aber man darf sich auch nicht zu tief darin versenken, sonst könnte man das irgendwann nicht mehr verkraften. Irgendwann muss man abschalten und die Sache abhaken, sonst geht man kaputt. Trotzdem nehmen einen immer wieder Sachen mit.

Als die Bombe auf dem Schützenplatz explodierte, wurde ich um zwei Uhr nachts angerufen und für fünf Uhr morgens angefordert, um die Vermessungen vorzunehmen. Ich habe in der Nacht nicht mehr geschlafen. Man konnte sich ja vorstellen, wie die drei Toten aussehen. Besonders schlimm sind für mich Unfälle mit Kindern. Schlimm ist auch, wenn man die Verunglückten näher kennt.

Was hilft Ihnen beim Abschalten?

Sport. Ich laufe durch den Wald oder fahre Fahrrad.

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