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Benachteiligung bei Grippeimpfung?

Landkreis Benachteiligung bei Grippeimpfung?

Sorgen Rabattverträge zwischen den gesetzlichen Krankenkassen und der Pharmaindustrie dafür, dass Kassenpatienten bei Grippeimpfungen benachteiligt werden? Ärzte im Raum Göttingen widersprechen: Es gebe bislang keinen Hinweis darauf, dass der Impfstoff für Kassenpatienten schlechter sei.

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Werden Privatpatienten bei der Grippeimpfung bevorzugt?

Quelle: dpa

Landkreis. Zuvor hatten Mediziner in Hannover Kritik geäußert, dass sie ihren gesetzlich versicherten Patienten aufgrund der Abmachungen zwischen Krankenkassen und Pharmaunternehmen einen Dreifach-Impfstoff geben müssten, während Privatpatienten eine wirksamere Vierfach-Impfung zustehe. Wer als gesetzlich Versicherter ebenfalls optimal geschützt sein wolle, müsse draufzahlen, so die Kritik. Werden Kassenpatienten also benachteiligt?

Göttinger Hausärzte sind davon nicht überzeugt. Zwar sei der vierfache Impfstoff etwas breiter aufgestellt, da er einen zusätzlichen Grippevirenstamm abdecke, sagt Toralf Naue, der an der Zindelstraße seine Praxis hat. „Es gibt aber überhaupt keine Daten darüber, ob er besser schützt als der andere.“ Naue habe sich vor einiger Zeit auf Wunsch seiner Patienten extra beim Hersteller des quadrivalenten Impfstoffs erkundigt, ob dieser eine bessere Wirkung zeige als jener, den die Rabattverträge vorgeben. Sein Ergebnis: „Ich habe keinerlei Hinweise darauf, dass der Impfstoff, auch wenn er theoretisch besser schützen könnte, praktisch besser schützt.“ Er verabreiche Kassenpatienten auch nur auf deren ausdrücklichen Wunsch hin den quadrivalenten Impfstoff. Von den Rabattverträgen hält der Hausarzt dennoch wenig: „Ich bin einfach der Meinung, dass es günstiger ist, wenn es einen freien Markt gibt.“ Dass die alten Rabattverträge trotz einer Gesetzesänderung noch immer gültig sind, sei ihm zunächst nicht klar gewesen, so Naue. Aber: „Da ich mit dem Impfstoff letztes Jahr sehr zufrieden war, hätte ich mich dieses Jahr ohnehin wieder für ihn entschieden“, erklärt der Allgemeinmediziner.

Keine Probleme mit Dreifach-Impfstoff

Zwar sei es möglich, dass teurere Impfstoffe besser wirken, allerdings seien diese auch oft mit stärkeren Nebenwirkungen verbunden, gibt Peter Krug, dessen Hausarztpraxis an der Goetheallee liegt, zu bedenken. Ärzte neigten manchmal dazu, den Privatpatienten eher diese Präparate zu geben. Wegen der besseren Verträglichkeit komme es dann aber nicht selten zu einem Wechsel auf den Dreifach-Impfstoff, sagt Krug. Mit diesem habe es in den vergangenen Jahren keinerlei Probleme gegeben. „Bei den Rabattverträgen sind ja Substanzen gewählt, die wirksam sind und die man gut verwenden kann.“ Dass ausgerechnet der eine Grippesubtyp auftauche, gegen den die Dreifach-Impfung nicht schütze, wäre schon „großes Pech“, so Krugs Auffassung. In diesem Fall seien diejenigen mit der quadrivalenten Impfung in der Tat im Vorteil.

Alfons Mertens Hausarztpraxis liegt an der Duderstädter Marktstraße. Wirkt der Vierfach-Impfstoff besser als der dreifache? „Da bin ich noch skeptisch“, sagt der Allgemeinmediziner. Zumindest habe die Ständige Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts (RKI) bisher noch keine Empfehlung für den Vierfach-Schutz ausgesprochen. „Man sollte nicht immer das neueste Produkt nehmen, das sich noch gar nicht bewährt hat“, meint Merten. Da er mit dem bisherigen Mittel gute Erfahrungen gemacht habe, verwende er in seiner Praxis ausschließlich den Dreifach-Impfstoff. Wer ausdrücklich den quadrivalenten Schutz haben wolle, müsse als Kassenpatient in der Apotheke die Differenz bezahlen, sagt Merten. Zum Thema Rabattverträge erklärt der Arzt: „Ich würde den Impfstoff lieber selber auswählen.“ Große Unterschiede zwischen den Herstellern gebe es aber eigentlich nicht.

Kassenpatienten derzeit nicht benachteiligt

Auch der Allgemeinmediziner Richard Wolf aus Uslar glaubt bisher nicht an eine Benachteiligung von Kassenpatienten. Allerdings sei nicht ausgeschlossen, dass in ein oder zwei Monaten die Stiko zu einem anderen Ergebnis komme. „Dann wären die Kassenpatienten benachteiligt.“ Er biete seinen Patienten darum beide Impfstoffe an, sagt Wolf. Für eine Zuzahlung von 25 Euro könnten auch gesetzlich Versicherte den vierfachen Impfstoff erhalten. „Wenn jemand den Vierfachen lieber haben möchte, dann gerne. Aber ich würde nicht zwingend dazu raten“, erklärt Wolf.

Von Maximilian Zech

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