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Mit Schmiergeld die Schuldenlöcher gestopft

Untreue und Bestechung Mit Schmiergeld die Schuldenlöcher gestopft

Weil es beim Wareneinkauf nicht mit rechten Dingen zugegangen sein soll, müssen sich vier Männer derzeit vor der Wirtschaftsstrafkammer des Göttinger Landgerichts verantworten. Über mehrere Jahre flossen Provisionen in Höhe von insgesamt über 40 000 Euro für überteuerte Materialbeschaffung.

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Quelle: dpa

Göttingen. Die Geschichte, die in dieser Woche auf der Anklagebank im Gerichtssaal 021 ihr vorläufiges Ende finden soll, begann bereits im Jahr 2003. Damals hatte der Angeklagte A auf seine Bitte um Gehaltserhöhung nach knapp zehnjähriger Betriebszugehörigkeit höhnisches Gelächter geerntet. Seine private finanzielle Situation veranlasste den Lageristen daraufhin, nach alternativen Einnahmequellen zu suchen. Der heute 44-Jährige war damals unter anderem für den Wareneinkauf zuständig und tätigte unter anderem Einkäufe von Ausgießhähnen für Schmiermittelbehälter.

Darin erkannte er ein mögliches lukratives Geschäftsfeld. In Absprache mit seinem Vorgesetzten gründete er eine Firma und betätigte sich als Zwischenhändler eben dieser Hähne. 2004 fand er den geeigneten Hersteller und vereinbarte mit diesem zum einen den Kaufpreis inklusive der Provisionszahlung und zum anderen einen sogenannten Wettbewerbsschutz. Somit war festgelegt, dass sich der Hersteller der Hähne nicht um direkte Geschäftskontakte zum Arbeitgeber des Angeklagten bemühen werde. Seine beiden Ansprechpartner von damals sitzen heute wie auch einer seiner Mitarbeiter neben ihm vor Gericht.

Provision fließt auf das Privatkonto

Konkret lief das Geschäft nach folgendem Muster ab: Der Angeklagte A bestellte im Auftrag seines Arbeitgebers (Firma A) beim Hersteller (Firma B) 6000 Ausgießhähnen zum Stückpreis von 2,79 Euro. Die Differenz zum tatsächlichen Einkaufspreis überwiesen die Angeklagten C und D als Provision auf das private Konto des Angeklagten A. Der wiederum gab die Hälfte dieser Provision weiter an den Angeklagten B, seinen Trauzeugen, Arbeitskollegen und späterer Nachfolger.

So etwas nennt der Gesetzgeber gewerbsmäßige Untreue und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr. Als die Konzernzentrale eines Tages diesem Gebaren die weitere Duldung verweigerte, verließ A die Firma und gründete eine Zweigstelle des Unternehmens in Irland. An dem Geschäftsmodell änderte sich allerdings wenig, außer dass jetzt sein Kollege B die Bestellung aufgab und die Provision auf ein Konto bei der Bank of Ireland floss.

Zwei Angeklagte voll geständig

Beide Männer sind am Montag voll geständig, berichten bereitwillig von Details aus Geschäfts- und Privatleben. A erzählt von den bescheidenen Verhältnissen, in denen er aufwuchs, vom Vater, der als Alkoholiker und Waffensammler die Familie zerstört habe. Er selbst habe etliche finanzielle Fehlentscheidungen getroffen, eine Krebserkrankung überstanden und sich 2013 wegen Burnout und Panikattacken in Behandlung begeben. Dieses Schicksal ereilte seinen Kollegen B bereits drei Jahre früher. Ihn habe das Vorgehen zu sehr belastet, sagt er vor Gericht. Das Unternehmen hatte ihm eine Führungsposition in Aussicht gestellt, während er sich an diesen Geschäften beteiligte. „Ein gutes Gefühl hatte ich dabei nicht.“

2012 zog er die Reißleine, kappte die Geschäftsbeziehungen und bestellte die Ausgießhähnen im Folgenden zu einem besseren Preis bei einem anderen Anbieter. Auch hat er einen Großteil seines Provisionsanteils bereits an seinen Arbeitgeber zurückbezahlt. Seinen Job hat er behalten. Auch A ist noch Geschäftsführer der Irland-Dependance. Aktuelle Schreiben belegen, dass das Unternehmen bisher offenbar keine Sanktionen verhängt hat. Staatsanwaltschaft und Gericht lassen sich schon am ersten Verhandlungstag in die Karten schauen. Der Strafrahmen werde sich im Fall eines Geständnisses zwischen elf und sechszehn Monaten bewegen. Das Urteil soll noch in dieser Woche fallen.

Von Markus Scharf

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