Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 1 ° Schneeschauer

Navigation:
Verantwortung für Lebensraum übernehmen

Ortsheimatpflege Verantwortung für Lebensraum übernehmen

„Als man mir damals das Amt des Ortsheimatpflegers angeboten hat, habe ich mir erstmal eine Woche Bedenkzeit erbeten“, erklärt Gerd Busse, der inzwischen schon seit über 30 Jahren Heimatpfleger im 630-Einwohner-Dorf Esebeck ist.

Voriger Artikel
Bürger protestieren
Nächster Artikel
Es weihnachtet im Kreisel

Vor dem 1729 erbauten Feldhüterhaus: Ortsheimatpfleger Gerd Busse hat die Sanierung vorangetrieben.

Quelle: Mischke

„Der Begriff ‚Heimatpfleger‘ war für mich wegen der NS-Zeit gewöhnungsbedürftig.“ Schließlich nahm Busse das Amt aber an und wurde so mit 38 Jahren zum damals jüngsten Vertreter seiner Zunft im Landkreis Göttingen.

Schnell freundete sich Busse mit seiner neuen Aufgabe an. Eines der ersten großen Projekte war die Restauration eines 1729 erbauten Feldhüterhauses. „Das Haus wurde damals als Obstlager und Stall benutzt“, erinnert sich Busse. Zwei Jahre habe die Restauration gedauert. Heute finden in dem Haus regelmäßig Veranstaltungen statt. Insbesondere Kindern erklärt Busse anhand des detailreichen Bauwerks das Leben in früheren Zeiten. Vor zwei Jahren richtete er zudem eine Ausstellung her, die zeigte, wie es sich in einer solchen Hütte um das Jahr 1850 wohnte.

Aus den Tiefen der Geschichte

Auch von Busse geschriebene Theaterstücke über die Ortsgeschichte werden in und um das Feldhüterhaus aufgeführt: „Alles Erforschte versuche ich, in praktische Veranstaltungen umzusetzen“, erklärt Busse. Heimatpflege bedeute nicht nur Dokumentation. Mit Kindern aus dem Ort spielt der zweifache Großvater beispielsweise alte Spiele nach, die er vorher selbst in den Tiefen der Ortsgeschichte ausfindig gemacht hat.

Weil Busse die Esebecker Heimatpflege nicht alleine Betreiben wollte, wurde 1981 ein Heimatverein gegründet, dem Busse bis heute vorsteht. „Die Leute müssen Verantwortung für ihren Lebensraum übernehmen und selbst aktiv werden, damit sie sich zuhause fühlen“, erklärt Busse sein Konzept. Doch auch, wenn er in den 30 Jahren seiner Tätigkeit viele Menschen zum Mitmachen animieren konnte, gestalte sich die Suche nach einem Nachfolger als schwierig. Akut ist diese aber sowieso noch nicht: „Solange ich kann, werde ich weitermachen“, sagt Busse. „Das ist schon eine Menge Arbeit, bereitet aber auch viel Freude.“ An Ideen für die Zukunft mangelt es dem 68-Jährigen nicht. Aber auch für seine Familie will sich Busse mehr Zeit nehmen.

Heute bezeichnet der pensionierte Dozent für Geographie an Hochschulen in Göttingen und Hildesheim seine Tätigkeit als Heimatpfleger als „Glücksfall“. Konflikte mit anderen Esebeckern konnte der 1973 zugezogene Busse dabei allerdings nicht immer vermeiden: „Im Interesse von Denkmalschutz und Landschaftspflege musste ich einige Male eingreifen, zum Beispiel bei Bauvorhaben.“ Trotzdem seien seine Veranstaltungen noch immer gut besucht, was von einem positiven Klima im Ort zeuge.

Von Christian Röther

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Göttingen
Anzeigenspezial
Bilder der Woche 6. bis 12. Januar
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Wo kann man hin, was kann man machen? Hier werden Sie fündig: Das Tageblatt hat die wichtigsten Freizeittipps für Sie zusammengestellt