Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Verdächtiger Gen-Raps darf untergepflügt werden

Gentechnik Verdächtiger Gen-Raps darf untergepflügt werden

Auch wenn den betroffenen Landwirt keine Schuld trifft – bestellte Felder, die im Verdacht stehen, mit gentechnisch verändertem Saatgut kontaminiert zu sein, müssen untergepflügt werden. Das hat das Verwaltungsgericht Kassel gerade entschieden. Es wies eine Klage Melchior von Bodenhausens aus Niedergandern dagegen ab.

Voriger Artikel
Betagte Falken brüten
Nächster Artikel
Diemardener kämpfen für ihre Grundschule

Frühzeitig untergepflügt statt im Werratal erblüht: 30 Hektar Raps wurden wegen Kontamination mit Gen-Raps vernichtet.

Quelle: Claus

Es wurde nichts mit den blühenden Landschaften im Werratal im Frühjahr 2008. Die riesige Fläche von 30 Hektar bereits mit Raps bestellter Felder bei Ermschwerd (Stadt Witzenhausen) musste auf Anordnung des Regierungspräsidiums Gießen im Herbst 2007 untergepflügt werden. Ein riesiger Ertragsverlust und ein Durcheinander für die Fruchtfolge dieser Flächen.

Passiert war dies: Die Flächen gehören dem Gut des Freiherrn Melchior von Bodenhausen. Der Friedländer Ratsherr (CDU) hatte konventionelle Rapssaat der Deutschen Saatgut-Veredlung (DSV) über einen Händler in Gifhorn bezogen. Beim Testen der Rückstellproben hatte das Staatliche Veterinäruntersuchungsamt Arnsberg in einer von drei Proben eine Kontamination mit gentechnisch veränderten, in Deutschland nicht zugelassenen Rapssorten entdeckt. 0,03 Prozent, so das Ergebnis, stammten aus einer gentechnisch veränderten Rapslinie. Vergleichsproben waren allerdings unbelastet. Dennoch sei alles Saatgut zu vernichten, wurde angeordnet.

Kein Freund der Gentechnik

Doch die in Hessen gelegenen Ländereien von Bodenhausens waren schon bestellt. Die zuständige Behörde ordnete deshalb das Unterpflügen der ausgebrachten Saat an. Von Bodenhausen willigte ein, nachdem der Lieferant Schadensersatz zugesagt hatte. Unter strenger Kontrolle (drei Behörden-Beobachter) ackerten die Mitarbeiter des Rittergutes die jungen Rapspflanzen zwei Monate nach der Saat wieder unter. Er habe eigens den alten Pflug wieder vorkramen müssen, sagt von Bodenhausen, denn sein Betrieb arbeite sonst pfluglos. 

Auch wenn er kein Freund der Gentechnik sei („Würde ich von mir aus nie machen“), willigte der Friedländer aber ein, im Interesse des Saatgut-Lieferanten DSV als Betroffener Landwirt das Klageverfahren gegen die Anordnung zu führen. Denn die DSV betont bis heute, ihr Raps sei niemals kontaminiert gewesen. Es müsse einen Laborfehler gegeben haben. Eine B-Probe hätte das beweisen können.

So führte der Hersteller den Prozess vor der 5. Kammer des Verwaltungsgerichts Kassel stellvertretend für den Landwirt. Er erklärte, der Kläger habe von Verunreinigungen nichts wissen können. Schon deshalb sei das Gentechnikgesetz nicht anwendbar. 

Die Richter sahen das anders: Dass das Saatgut verunreinigt war, stehe fest. Für den gentechnisch manipulierten Raps gebe es keine Genehmigung. Die Vorschriften des Gentechnikgesetzes dienten der Verhütung der Auskreuzung gentechnisch veränderter Pflanzen. Die Anordnung des Unterpflügens habe also der Gefahrenabwehr gedient und sei deshalb rechtens gewesen.

                                                                                                                          Von Jürgen Gückel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Göttingen
Anzeigenspezial
Die Bilder der Woche vom 2. bis 8. Dezember
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Wo kann man hin, was kann man machen? Hier werden Sie fündig: Das Tageblatt hat die wichtigsten Freizeittipps für Sie zusammengestellt