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Verkürzte Dienstzeit beim Zivildienst bereitet Sorge

Skepsis Verkürzte Dienstzeit beim Zivildienst bereitet Sorge

Die Bundesregierung plant, den Zivildienst auf sechs Monate zu verkürzen. Was bedeutet das für Institutionen in Südniedersachsen?

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Zivildienstleistende des Paritätischen Dienstes: David Opielka, Jan Hillebrecht, Engin Kanar und Raphael Some (von vorne).

Quelle: Hinzmann

Sollte die Dauer von Wehr- und Zivildienst von neun auf sechs Monate verkürzt werden, wird der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in Nörten-Hardenberg künftig auf den Einsatz von Zivildienstleistenden verzichten. Das erklärt die Geschäftsführerin Iris Knecht. Derzeit sind beim ASB in Nörten-Hardenberg zehn Zivildienstleistende beschäftigt, neun von ihnen sind im Fahrdienst tätig. Lehrgänge, Fahrsicherheitstraining und Urlaub würden die sechs Monate Dienstzeit auf eine unrentable Anzahl von Arbeitstagen verkürzen. Stattdessen plane man, die wegfallenden Zivildienststellen durch Jobs auf 400-Euro-Basis zu ersetzen, so Knecht weiter.

Als eine „Katastrophe“ bezeichnet Manfred Grönig, Geschäftsführer der Kreisgruppe Göttingen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, die geplante Dienstzeitverkürzung. Sieben Zivildienstleistende sind beim Paritätischen derzeit beschäftigt. Sie liefern Essen auf Rädern aus. Möglicherweise werde man nach der Verkürzung der Zivildienstzeit feste Mitarbeiter einstellen, so Grönig weiter. „Das wird aber auch eine Erhöhung der Preise für das Essen auf Rädern bedeuten.“ Schon heute könnten sich viele Rentner keine sieben Mahlzeiten pro Woche mehr leisten. Eine vermehrte Einweisung in Altersheime könnte laut Grönig die Folge sein. Er hoffe aber, dass die Dienstzeitverkürzung mit Hilfe des bereits beginnenden breiten Protestes noch abgewendet werden könne.

Beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) Göttingen hingegen stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Zivildienstes gar nicht mehr. Dort werden schon seit der Verkürzung der Dienstzeit auf neun Monate im Jahr 2004 keine Kriegsdienstverweigerer mehr beschäftigt. Die Gründe dafür sind die gleichen, wie sie auch in der aktuellen Diskussion genannt werden. Den Wegfall der Zivildienstleistenden habe man beim DRK Göttingen damals mit einer Aufstockung der Stellen im Freiwilligen SozialenJahr (FSJ) ausgeglichen, so Vorstandsmitglied Jutta Hartmann.

„Noch keine konkreten Pläne“

Anders sieht es beim Universitätsklinikum Göttingen aus. Hier sind derzeit 94 Zivildienstleistende beschäftigt, und auf diese könne man keineswegs verzichten, wie Pressesprecher Stefan Weller erklärt. „Es gibt zwar noch keine konkreten Pläne, aber wir überlegen beispielsweise, die Einarbeitungszeiten zu verkürzen“, sagt Weller weiter. Außerdem spekuliert man im Klinikum darauf, dass durch den Verzicht von Wohlfahrtsverbänden auf den Einsatz Zivildienstleistender mehr Kriegsdienstverweigerer für die Arbeit in der Universitätsmedizin bereitstehen könnten. Die um drei Monate kürzere Dienstzeit würde man dann durch häufigere Neueinstellungen ausgleichen.

Hintergrund sind die Pläne der neuen Bundesregierung, die Wehrpflicht ab dem Jahr 2011 von neun auf sechs Monate zu verkürzen. Auch der Zivildienst würde dann nur noch ein halbes Jahr dauern. Die Dachorganisationen einiger Wohlfahrtsverbände haben bereits angekündigt, zu diesen Konditionen keine Kriegsdienstverweigerer mehr beschäftigen zu wollen, da die Arbeitszeit in Anbetracht der Ausbildungszeit zu kurz ausfalle.

Von Christian Röther

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