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Verletzte rufen verzweifelt um Hilfe

Notärzte-Lehrgang Verletzte rufen verzweifelt um Hilfe

Einen Tag bei der Göttinger Berufsfeuerwehr haben 56 angehende Notärzte verbracht. Neben einem Theorieteil absolvierten sie eine Übung. Sieben Verletzte waren aus zwei Unfallwagen zu bergen. Die Feuerwehr brach den Ärzten die verkeilten Türen auf. Ein Rettungshubschrauber landete im Hof.

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Die angehenden Notärzte bergen Verletzte. foto: Thiele

Quelle: Oliver Thiele

Göttingen. Ein Fahrzeug lag auf dem Gelände der Feuerwehr an der Breslauer Straße auf der Seite. Das andere stand mit platten Reifen daneben. Ein Göttinger Schrotthändler hatte die Wagen zur Verfügung gestellt und nahm sie nach der Übung wieder zurück. In den Autos saßen sieben Menschen, ebenfalls angehende Notärzte, die die Verletzten simulierten. Eine Stunde lang waren sie geschminkt worden. Einem tropfte Blut von der Stirn. Einem anderen floss es aus dem Ohr. Mehrere waren leichenblass. Aufgeregt klopften die Verletzten an die beschlagenen Scheiben, schrien um Hilfe.

Der erste Notarzt, der eintraf, forderte Unterstützung an. Am Ende standen sieben Rettungswagen zwischen Fahrzeughalle und Fußballfeld. „In den ersten Minuten am Unfallort gilt es, sich zu orientieren“, erklärte Markus Roessler, der ärztliche Leiter der Göttinger Feuerwehr. Wie viele Verletzte gibt es? Sind ihre Atemwege frei? Muss jemand beatmet werden? Wie ist der Puls? Wer steht unter Schock? „Ohne Luft überlebt ein Mensch nur wenige Minuten“, so Roessler. Eine Blutung könne gegebenenfalls eine Stunde lang ungestillt bleiben.

„Bei den Unfällen heute sind aufgrund der Sicherheitstechnik in den Fahrzeugen offene Verletzungen selten“, führte Jörg Stöber aus, der die Rettungsdienstschule in Göttingen leitet. Dafür seien aufgrund hoher Geschwindigkeit die inneren Verletzungen stärker. Das mache die Arbeit für Notärzte nicht einfacher.

Bei der Übung galt es zunächst einmal an die Verletzten heranzukommen. Das war die Aufgabe der Feuerwehr, die kurz nach den Ärzten am Ort des Geschehens eintraf. Unter dem Kommando von Dietmar Gloth rückten drei Fahrzeuge mit Blaulicht und Sirene an. „Die Ärzte sind in der Regel schneller als wir mit unserem Konvoi“, erklärte Stöber. Der Einsatzleiter ließ sich von den Notärzten einweisen. Mit hydraulischen Spreizen wuren die Türen aufgebrochen. Die Fenster wurden mit Panzerband abgeklebt. Ein Feuerwehrkamerad verschaffte sich Zutritt zu den Wagen, spannte innen eine Folie. Dann wurden die Fenster eingeschlagen, die Dachstreben durchgesägt, das Dach abgeklappt. „Für die Unfallopfer ist das belastend“, betonte der ärztliche Leiter Roessler. Die Geräte machten Lärm, Glas splittert, Metall knackt.

Nun galt es die verstörten Verletzten zu bergen. „Aufgrund des Unfallgeschehens sind Wirbelverletzungen möglich“, führte Stöber aus. So erhielten alle Patienten Halskrausen. Ein Patient, ein Dummy, zeigte keinerlei Lebenszeichen. Die Ärztin schaute Einsatzleiter Gloth an. „Exitus?“, fragte dieser. „Der Verletzte ist tot“, bestätigte die Frau. Schließlich erschien am Himmel noch ein Rettungshubschrauber, um Schwerverletzte abzutransportieren.

An der Übung nahmen neben den angehenden Notärzten auch 16 Notfallsanitäter in Ausbildung teil. Einer davon war Adis Hekalo. „Für mich ist das nichts Neues“, erklärte dieser. Vor seiner Ausbildung habe er bereits anderthalb Jahre land als Rettungssanitäter gearbeitet. Es sei aber immer wieder interessant, der Feuerwehr bei der Arbeit zuzusehen. „Wir können nicht genug lernen“, erklärte er.

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